Von Dagmar Williamson
Aschach. Einst war der Ausstellungsort uralt und marode. Nicht bewohnbar und niemand, der ihn haben wollte: Den Pfarrhof in Aschach. Bis ein Künstler-Paar auf die verrückte Idee kommt, das denkmalgeschützte Areal wieder zu beleben. Nach fast zwanzig Jahren eröffnen Hanna Regina Uber und Robert Diem ihr Barockensemble und feiern die Fertigstellung bei einem Kunst-Sommer-Fest im Kunstprojekt.
Barock, einst abwertend im Sprachgebrauch, beschreibt eine unregelmäßig geformte Perle. Erst im Laufe der Zeit, als die Verwischung von Stilrichtungen anerkannt wird, schätzt man diese Kunstform des Absolutismus und der Gegenreformation und es entstehen immer mehr üppige Prachtentfaltungen. In eine dieser Perlen, dem Pfarrhof in Aschach, verlieben sich die Künstler Hanna Regina Uber und Robert Diem und verwandeln die bereits marode Errichtung aus dem Jahr 1585 in einen künstlerischen Lebensraum. Zuerst nehmen sie sich der Nebengebäude an, um ein traumhaftes Atelier, die Galerie und eine Bronzegießerei zu schaffen. Denn die Brot bringende Kunst dient ihnen selbstverständlich als finanzielle Grundlage der Sanierung. Sebastian Lesňák vom Centrum Bavaria Bohemia in Schönsee erfährt kurz vor der Fertigstellung des Wohnhauses im Mai - Uber und Diems letztem Projekt - von der Sanierung und macht sich auf den Weg nach Aschach. Seine Aufgabe: Barocke Bauten in das bayerisch-böhmische Kulturerbe aufzunehmen.
Mit dem zweitägigen Kunst-Sommer-Fest im Kunstprojekt gewähren Hanna Regina Uber und Robert Diem Einblick in das künstlerische Basislager und einem neuen Markenzeichen der Region. Denn wie auch im Zeitalter des Barocks, stehen jetzt wieder Skulpturen und der Mensch im Mittelpunkt. Nicht nur in der Galerie, auch im Hof und Garten erwarten die Besucher formvollendete Werke; harmonisch platziert im Einklang mit dem denkmalgeschützten Gemäuer. Es sind nicht zuletzt ihre Erkenntnisse aus dem Leben, die in die Arbeit der Künstler fließen – und umgekehrt. „Wir werden zu dem, was wir denken“, sagt die Skulpteurin. Es scheint auch diese Lebenseinstellung zu sein, die dem Ehepaar Ausdauer verlieh, sich ihrem Lebenswerk zu widmen.
„Ohne Robert und Gina wären viele Künstler in dieser Region aufgeschmissen“, weiß Kollege Gerd Kaiser, der seine Skulpturen von dem Ehepaar gießen lässt. „Wir fertigen aber keine Massenware“, erklärt Hanna Regina Uber. Qualität steht im Vordergrund. Akribisch arbeitet das Ehepaar. Ihre Skulpturen stehen immer in Relation zu ihrem Raum. Wie auch der Mensch nie komplett isoliert ist und stets auf seine Umwelt reagiert. Optisch aus der Reihe fällt zum Beispiel das „Habitat“: drei große aufgebrochene Eier liegen in der Galerie. „Das ist wie die verlassene Heimat“, sagt Uber. Diese stellen zwar das verlassene Nest dar, sollen aber gleichzeitig auf die Anpassungsfähigkeit eines Lebewesens hinweisen.
Arrangiert sind die ausgestellten Werke in der Galerie mit der Malerei von Tessa Wolkersdorfer. Diese werden dem phantastischen Realismus zugeordnet, wobei die Gemälde sehr erzählerisch wirken. Als ausgezeichnete Meisterschülerin mit ihrem Abschluss des Studiums vor fast zehn Jahren an der Akademie für Bildende Künste in Nürnberg, arbeitet Wolkersdorfer seither als freischaffende Künstlerin. Ihre Werke lassen Raum und Zeit verschwimmen – eine Symbiose zwischen Traum und Wirklichkeit. Bis zum 1. Juli können die harmonisch arrangierten Werke von Uber, Diem und Wolkersdorfer im Kunstprojekt in Aschach bewundert und erworben werden. Mehr Information gibt es unter www.kunstprojekt-net.de.















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