Aufforderung zur Meinung verpufft

"Gemein machen" mit der Verfassung: Nur zwei Leserreaktionen auf die Aussagen von Anja Reschke haben uns erreicht.

Ein Foto des früheren „Tagesthemen“-Moderators Hanns Joachim Friedrichs bei einer der letzten Verleihungen des nach ihm benannten Preises für Fernsehjournalismus.
von Jürgen Kandziora Kontakt Profil

Darf sich ein Journalist mit einer Sache gemein machen? "Ich denke, wir müssen uns gemein machen mit einer Sache. Und zwar mit einer guten. Unserer Verfassung": Das hat die mit dem Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis ausgezeichnete "Panorama"-Moderatorin Anja Reschke in ihrer Dankesrede betont. Ihre Aussagen stellten wir kürzlich zur Diskussion. Die Resonanz? Ziemlich bescheiden. Anders ausgedrückt: zwei Zuschriften.

Zunächst in Auszügen das Schreiben von Hans Loos aus Neukirchen. Eigentlich, so schickt er voraus, lese er nicht regelmäßig die Leseranwalts-Seiten, da er "generell von einer zuverlässigen und im Gesamtbild politisch ausgewogenen Berichterstattung und einer sauberen journalistischen Arbeit bei meiner Tageszeitung" ausgehe. Darin bestärkten ihn vor allem die Kommentare auf Seite 2: "Von denen habe ich noch kaum einen ausgelassen, und sie tragen in ihrer Gesamtheit zu einem guten Teil zu meiner Meinungsbildung bei."

Für Loos sind "freie Medien als vierte Gewalt unabdingbar". Tendenzen in ihnen nach links oder rechts seien hinzunehmen und dienten der Meinungsfindung. Wenn sich der Journalismus mit der Verfassung gemein macht, brauche einem nicht bange zu sein.

Erwin Schmidbauer aus Kastl kann Anja Reschke "nur teilweise zustimmen". Das Magazin "Panorama" gehöre zu einem ähnlichen Format wie "Kontraste". "Hier zeigen sich Problematiken eines Journalismus, der eher auf reißerische Skandalisierungen aus ist, als auf gute Berichterstattung", sagt Schmidbauer. Gute Berichterstattung sei es, wenn die Meinung des Journalisten in der Meldung nicht erkennbar ist.

Ein "Grundübel" ist für Schmidbauer die "unschöne Vermengung" von Bericht und Meinung. "Der Journalist darf, ja muss eine Meinung haben, er muss sich für die Verfassung und auch für anderes, was er für ,das Gute' hält, einsetzen, aber er sollte den Bericht davon weitgehend frei halten." Auf diese Trennung sollte mehr Wert gelegt werden. Dann würden die Vorwürfe eines "Lügenjournalismus" ins Leere laufen.

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