25.04.2019 - 21:21 Uhr
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"Avengers: Endgame": Endspiel im Mega-Heldenepos

Nach elf Jahren und 21 erfolgreichen Filmen steht im Kino-Universum der Marvel-Superhelden eine Zeitenwende an. Nach "Avengers: Endgame", dem vierten Ensemble-Einsatz der kostümierten Rächer, wird nichts mehr sein, wie es war. Eine Filmkritik von Frank Stüdemann.

Clint Barton, James Rhodey, Tony Stark, Steve Rogers, Nebula, Rocket, Scott Lang und Natasha Romanoff (von links) machen sich bereit für den finalen Kampf gegen Thanos.
von Frank Stüdemann Kontakt Profil

Wir erinnern uns: Vor gut einem Jahr schnippte der kosmische Tyrann Thanos mit den Fingern - und die Hälfte aller Lebewesen löste sich in Asche auf. Die Avengers hatten am Ende von "Infinity War" die ultimative Niederlage erlitten. Auch Helden wie Spider-Man, Doctor Strange und Black Panther waren der Willkür des Titanen zum Opfer gefallen, der sich mit den sechs Infinity-Steinen göttliche Allmacht unter die lila Fingernägel gerissen hatte. Fassungslos blieben Captain America (Chris Evans) und die restlichen Helden zurück.

Kopfloser Fiesling

Jetzt, im knapp dreistündigen Mammutwerk "Endgame", geht es für die Avengers darum, ungeschehen zu machen, was Thanos (Josh Brolin) angerichtet hat. Der hat es sich auf einem fernen Planeten als Hobbygärtner gemütlich gemacht, genießt den Gedanken an das von ihm "ins Gleichgewicht gebrachte" Universum und hat dummerweise auch die Infinity-Steine vernichtet, damit auch ja alles so bleibt, wie es ist. Wenig hilfreich, dass Thor (Chris Hemsworth) beim Angriff der Rest-Avengers Thanos enthauptet, was ein Verhör des Mega-Bösewichts deutlich erschwert. Wieder stehen die Helden hilflos da und ohne Plan. Da all das allerdings in den ersten Minuten des Films passiert, kann man sich ausrechnen, dass der kosmische Käse damit noch nicht gegessen ist.

"Endgame" springt dann fünf Jahre in die Zukunft und zeigt eine trauernde Welt, die mit dem Verlust von Milliarden von Menschen fertig werden muss. Jeder tut das auf seine Art: Steve Rogers/Captain America leitet eine Therapiegruppe für Traumatisierte, Natasha/Black Widow (Scarlett Johansson) hält im Avengers-Hauptquartier die Stellung, und ein verbitterter Tony Stark/Iron Man (Robert Downey Jr.) will mit dem ganzen Helden-Zirkus nichts mehr zu tun haben - mit seiner großen Liebe Pepper Potts (Gwyneth Paltrow) hat er eine Tochter und lebt zurückgezogen auf dem Land. Bruce Banner (Mark Ruffalo) hat mittlerweile sein grünes Monster-Ich, den unglaublichen Hulk, im Griff und macht lieber Selfies mit Fans, als sich noch mit Thanos und seinen Taten zu beschäftigen.

Ein Quäntchen Rettung?

Als der totgeglaubte Ant-Man alias Scott Lang (Paul Rudd) aus einem fünfjährigen Zwangsexil in der Quantenebene zurückkehrt, glaubt er, einen Weg gefunden zu haben, um das Universum wieder ins Lot zu bringen: Weil in der Miniaturwelt der Quanten die Uhren anders - und bei Bedarf rückwärts - gehen, könnte das der Schlüssel im Kampf gegen Thanos sein. Die Avengers wollen, in kleine Teams aufgeteilt, in der Zeit zurückreisen, um die Infinity-Steine zu bunkern und dem wuchtigen Tyrannen rückwirkend einen Strich durch die Rechnung zu machen. Dabei kehren sie an Schauplätze und in Momente aus früheren Marvel-Filmen zurück, was zu teils urkomischen, aber auch zu sehr rührenden Begegnungen führt. Leider aber ist auch Thanos in der Vergangenheit noch am Leben und durchschaut den Plan der Helden. Und so kommt es am Ende zum ultimativen Fight mit dem Fiesling, der einen hohen Preis fordern wird ...

Iron Man, gespielt von Robert Downey Jr., ist zu Beginn des Films an Bord eines Raumschiffs im Weltraum gestrandet. Bilder: Marvel Studios/Disney

Vollgepackt bis oben hin

Nach drei Stunden "Endgame" fühlt man sich ein bisschen so, als hätte man drei Episoden seiner Lieblings-TV-Serie am Stück geschaut - so vollgepackt ist das Epos. Und damit sind mitnichten die Actionszenen gemeint, im Gegenteil. Während im Vorgängerfilm noch der Kampf im Vordergrund stand, geht es diesmal um zutiefst menschliche Dinge: Trauer, Verlust, Hoffnung, Familie. Außerdem sind die Regie-Brüder Anthony und Joe Russo dazu verdammt, eine ganze Menge loser Enden aus Erzählsträngen vergangener Marvel-Filme zu verknüpfen, damit "Endgame" als eine Art Abschluss und Neubeginn zugleich funktionieren kann. Das allerdings ist für den Film auch Fluch und Segen zugleich: Was eine mitreißende "Wir retten die Welt"-Geschichte hätte sein können, wird durch diesen Story-Ballast gebremst und aufgebläht. Für Fans und Kenner der Filmreihe ist das ein Genuss, denn für sie hätte der Film auch zehn Stunden lang sein können. Wer allerdings bislang wenige oder gar keine der miteinander verwobenen früheren Filme gesehen hat, bleibt diesmal wohl weitgehend außen vor.

Jungfrauen willkommen

Wenn man sich also nicht auskennt, kann man mit 80 Prozent der Geschichte wahrscheinlich nichts anfangen. Lohnen dürfte sich der Kinobesuch für Marvel-Jungfrauen trotzdem: Der knochentrockene Humor, die teils überwältigenden Spezialeffekte und das großartige Schauspiel des starbesetzten Ensembles allein sind schon den Eintritt wert. Hochkaräter wie Robert Redford, William Hurt, Michael Douglas, Natalie Portman, Michelle Pfeiffer und Marisa Tomei sind in Mini-Nebenrollen zu sehen - welcher Film kann das schon von sich behaupten?

Thor (Chris Hemsworth) lässt Blitze zucken.

Der große Kniefall gebührt den beiden Regisseuren, die "Infinity War" und "Endgame" zusammen an einem Stück gedreht haben wie einen einzigen Mega-Film. Allein für das Kunststück, Dutzende von Stars unter einen Hut zu bekommen, haben sie Applaus verdient. Dass sie es bei all dem Spektakel und der Realitätsferne der Geschichte aber auch noch geschafft haben, den Charakteren genug Luft zum Atmen zu lassen und Menschlichkeit statt Superheldentum in den Vordergrund zu stellen - dafür haben sie einen Haufen Oscars verdient. Ihr "Endgame" ist die vorläufige Krönung einer filmischen Erfolgsgeschichte, die noch lange nicht zu Ende ist.

Regie: Anthony Russo und Joe Russo - Mit Robert Downey Jr., Mark Ruffalo, Scarlett Johansson u.v.a.- 182 Minuten - frei ab 12 Jahren

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