11.09.2018 - 22:21 Uhr
BärnauDeutschland & Welt

Bärnau wird Studentenstadt

Tag der Superlative in Bärnau: Bei Kaiserwetter eröffnet ein bayerisch-böhmisches Ministerduo samt politischem und wissenschaftlichem Tross die Archaeo-Werkstatt - ein weiterer Meilenstein für das Freiluftmuseum Bärnau.

Fröhliche Runde vor der Eröffnung der Archäo-Werkstatt: (von links) Wiesaus Bürgermeister Toni Dutz, Bezirkstagsvizepräsident Lothar Höher, Landrat Wolfgang Lippert (Mitte), Landtagsabgeordneter Tobias Reiß und Kultusminister Bernd Sibler.
von Jürgen Herda Kontakt Profil

Kein Wunder, dass sich Bürgermeister Alfred Stier an dem ganz großen Kino in seiner 3300-Einwohnerstadt ein wenig berauschte: "Bisher sagen wir Knopfstadt, den Terminus müssen wir erweitern - wir wachsen unheimlich - gefühlt sind wir schon bei 100 000."

Erste Stadt Neuböhmens

Zu verdanken sind die Impulse für die zurzeit Kaiser Karls IV. erste Stadt in Neuböhmen dem Motor des Vereins Via Carolina, Alfred Wolf, und seinem Antriebsriemen Stefan Wolters, den wissenschaftlichen Leiter des Geschichtsparks. "Wir sind auf euch beide sehr stolz", lobt Stier, "darauf, was ihr in den vergangenen nur acht Jahren auf die Beine gestellt habt." Mit Mittel der Städtebauförderung und Unterstützung der Staatsregierung entstehe jetzt auch noch ein Studentenwohnheim. "Bärnau wird sich weiter entwickeln."

Keinesfalls selbstverständlich, wie Wolf ausführt, bei einem Projekt, "das anfangs belächelt oder sogar bekämpft" worden sei. "Jetzt wurde just in time - um 14 Uhr wurden die letzten Sachen abgeholt - die Werkstatt mit Labor, Büros und Ausstellungsraum fertig." Ein vorläufiger Höhepunkt eines Projekts, in das der Verein 55 000 freiwillige Arbeitsstunden investiert habe. Mit der Unterzeichnung der Partnerschaftserklärung der beteiligten Hochschulen - Karlsuniversität Prag, Westböhmische Universität Pilsen und Universität Bamberg - ziehe demnächst junges Leben in die Grenzregion ein.

Die Glasfassade der Architekten Roider und Sollfrank sei ein schönes Symbol für Transparenz und die bayerisch-böhmische Zusammenarbeit, die dort drinnen zu besichtigen sei, sagt Kultusminister Bernd Sibler. "Ich bin begeistert", ruft der Historiker, der seine Mittelaltergeschichtsprüfung über Kaiser Karl IV. abgelegt habe. Auch sein tschechischer Kulturministerkollege Antonín Stanek zeigte sich vom deutsch-tschechischen Lehr- und Lernort an der durchlässigen Grenze beeindruckt. "Uns verbindet eine gemeinsame Kultur an der Goldenen Straße."

Sechs Millionen Euro der EU

Labor der Archäologen: Die Archaeo-Werkstatt ist eröffnet, hier werden demnächst Studenten arbeiten.

Fast sechs Millionen Euro europäischer Fördergelder seien in diesem Leuchtturmprojekt sehr gut angelegt, findet Regierungspräsident Axel Bartelt. "Mich hat Heimatbürgermeister Alfred Stier heute wieder drei Stunden durch Bärnau begleitet - es ist die Stadt in der Oberpfalz, die ich am besten kenne."

Seine familiäre Herkunft - die Mutter sei 1946 aus Außig geflohen - mache ihn dankbar, dass er in seiner heutigen Position dazu beitragen könne, das deutsch-tschechische Verhältnis weiter zu verbessern. "Das ist ein Leuchtturmprojekt für das bayerisch-tschechische Verhältnis." Die Verbindung von Wissenschaft und Tourismus mache das Archaeo-Zentrum so einzigartig: "Hier wird der Gedanken an ein geeintes Europa aus Überzeugung gelebt."

Seit 2001 bestehe zudem eine wunderschöne Partnerschaft zwischen der Oberpfalz und der Region Pilsen. "Es ist bei uns gute Sitte", lädt Bartelt die tschechischen Gäste ein, "die gute Nachbarschaft mit einer Maß Bier zu besiegeln - ich denke, Sie haben durchaus Interesse an einem bayerischen Bier, das verbindet uns mit Tschechien, auch dort wird hervorragendes Bier gebraut."

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