08.07.2018 - 11:16 Uhr
BärnauDeutschland & Welt

Der "Brandner Kaspar" in neuem Gewand

So haben die Zuschauer das Stück "Der Brandner Kaspar und das ewig' Leben" noch nie gesehen: der Erzengel Michael mit einem Laserschwert, Heilige in Hippie-Klamotten, und der Boanlkramer ist eine Frau.

Die Bärnauer Inszenierung des "Brandner Kaspars" kommt mit einem minimalistischen Bühnenbild aus.
von Julia BenkhardtProfil

Zum 675-jährigen Stadtjubiläum präsentiert der Kultur- und Festspielverein „Wir im Bärnauer Land“ auf der Freilichtbühne im Klostergarten eine ungewöhnliche Version des Klassikers. Das Ensemble hat die Geschichte von Franz von Kobell in die Oberpfalz verlegt. Als der Brandner Kaspar (gespielt von Hermann Fischer) bei einer kaiserlichen Jagd im Wald nahe Bärnau von einem Streifschuss getroffen wird, sieht er den „schwoazn, saudirren Kerl“ zum ersten Mal.

Doch bei dieser einen Begegnung bleibt es nicht, denn schon kurze Zeit später steht der Boanlkramer (Maria Freundl) höchstpersönlich vor seiner Tür und sagt dem Brandner, dass seine Zeit gekommen sei. Der 72-jährige Kaspar allerdings fühlt sich „g'sund wia a Fisch im Wasser“ und weigert sich, den Boanlkramer zu begleiten.

Mit Kirschgeist verführt

Um den Genossen Tod zu überlisten, verführt der Brandner ihn mit einer Menge Kirschgeist. Und da der himmlische Knecht „nix so Gouds g'wöhnt is“, ist es für den Bärnauer ein Leichtes, den Boanlkramer beim Kartenspiel über den Tisch zu ziehen und damit weitere 18 Lebensjahre zu gewinnen. Von der neuen Lebensfreude übermütig geworden, fängt Kaspar zusammen mit seiner Enkelin Marei (Jasmin Knott) und deren Freund Florian (Christian Ott) an zu wildern, um dem Bürgermeister Alois Senftl (Sigmund Mages) die Schulden zurückzuzahlen.

Doch als Jäger Simmerl (Rainer Schmidkonz) den Wilddieben eine Falle stellt, wird diese Marei zum Verhängnis. Kaspars Enkelin kommt ums Leben. Im Himmel angekommen, stellt sich heraus, dass Marei 18 Jahre zu früh dort angekommen ist, und der Betrug ihres Großvaters fliegt auf. Aus diesem Grund wird der Boanlkramer erneut losgeschickt, den Brandner zu holen. Als der Kaspar einen unverbindlichen Blick in den Himmel werfen darf, ist er hin und weg und möchte nicht mehr zurück in sein altes Leben. Doch erst als – angesichts seiner vielen weltlichen Vergehen – die himmlischen Mächte mühsam überzeugt worden sind, bekommt er die Erlaubnis, in den Himmel einzugehen.

Nicht nur mit einer weiblichen Besetzung des Boanlkramers verleiht Regisseurin Caroline Ghanipour bei ihrer ersten Inszenierung in Bärnau diesem Klassiker ihre ganz eigene Note. Das Flammenschwert des Erzengels Michael (Gabi Härtl) ersetzt sie kurzerhand durch ein Laserschwert mit original "Star Wars"-Sound, das beim Publikum für viele Lacher sorgt. Selbstverständlich darf man auch die rauchenden Hippie-Heiligen, die neben Petrus (Franz Langner) die Himmelspforte bevölkern, nicht vergessen, mit denen sie dieser Inszenierung ihren ganz eigenen Stempel aufdrückt. Dass beim Geburtstag des Brandners keine Blaskapelle spielt, sondern Stevie Wonder aus der Konserve läuft, ist ein weiterer ungewöhnlicher Einfall.

Mit Mut und Gesangstalent

Mit viel Mut und einem minimalistischen Bühnenbild bieten die Darsteller eine außergewöhnliche Version des "Brandner Kaspars", die auch auf das Gesangstalent der Schauspieler setzt. So singen Christian Ott und Jasmin Knott als Liebespaar eine Version des bekannten Liedes „Engel“ von Andreas Gabalier. Schließlich verleiht die Darbietung von Andreas Bouranis Hit „Auf uns“ bei Kerzenschein und Konfetti-Kanonen dem ganzen Stück ein elektrisierendes Finale und lässt Christian Ott nicht nur durch seine schauspielerische Leistung glänzen.

Auch die übrigen Darsteller des 23-köpfigen Teams überzeugen durch eine tolle Leistung und erobern die Herzen der Zuschauer durch ihre humorvolle, vom oberpfälzischen Dialekt geprägte, knapp zweistündige Aufführung. Besonders hervorzuheben sind Hermann Fischer als Brandner Kaspar und Maria Freundl als Boanlkramer, die in ihren Rollen voll aufgehen. Sonderapplaus auch für Evi Schwab und Nicole Zwerenz, welche für die Kostüme und die Maske zuständig sind.

­Die Premiere war mit rund 500 Zuschauern ausverkauft. Diese moderne Version sorgte für Begeisterung bei den Zuschauern. Wer das Stück sehen will, sollte sich sputen. Für die Vorstellungen am Freitag, 13., und Samstag, 14. Juli, sind nur noch Restkarten verfügbar. Aufgrund des großen Interesses gibt das Ensemble eine Zusatzvorstellung am Freitag, 20. Juli.

Weitere Informationen beim Kultur- und Festspielverein "Wir im Bärnauer Land"

Beim Kirschgeist überlistet der Brandner (Hermann Fischer) den Boanlkramer (Maria Freundl).

Theres (Bettina Rößler, rechts) konfrontiert Marei (Jasmin Knott) mit allerlei Gerüchten.

Impressionen von der Generalprobe

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