07.07.2019 - 17:23 Uhr
BärnauDeutschland & Welt

Theatervergnügen zwischen Himmel und Hölle

Die Geschichte vom Brandner Kaspar geht weiter. Wie, das verrät der Kultur- und Festspielverein Bärnau seit Freitag auf der Bühne im Klostergarten.

Der Brandner Kaspar ist nach nur einem Jahr auf die Bühne in Bärnau zurückgekehrt. Nun wird erzählt, wie die Geschichte im Paradies weitergeht.
von Wolfgang Benkhardt Kontakt Profil
Der Brandner Kaspar (Hermann Fischer) und der Boandlkramer (Maria Freundl) brechen zur Erde auf. Natürlich haben sie auch ein Kartenspiel dabei.
Theaterabend in Bärnau.

Wer kennt sie nicht, die Geschichte vom Brandner Kaspar, dem Boandlkramer und dem ewigen Leben? Die von Franz Kobell 1871 veröffentlichte und danach von Josef Maria Lutz (1934) und Kurt Wilhelm (1975) in Theaterfassungen gepackte Erzählung ist unzählige Male von professionellen und von Laienschauspielern auf die Bühne gebracht worden. Auch der Kultur- und Festspielverein Bärnau hat das Stück im vergangenen Jahr inszeniert. Seit Freitag stehen der Brandner Kaspar, der Boandlkramer, der Portner, die Marei und all die anderen im ehemaligen Klostergarten im Grenzstädtchen wieder auf der Bühne. Doch diesmal ist vieles ganz anders als sonst.

Regisseurin Caroline Ghanipour hat sich an eine Fortsetzung der bekannten Geschichte herangewagt. Die gibt es seit 2016 und sie stammt von dem gebürtigen Münchner Wolfgang Maria Bauer. Der Autor zahlreicher Bühnenstücke, Regisseur und Schauspieler hat die Geschichte mit den bekannten Charakteren weitergeschrieben. „Der Brandner Kaspar kehrt zurück“ ist 2017 am Landestheater Niederbayern uraufgeführt worden und erobert seitdem erfolgreich Bayerns Bühnen.

Premiere ausverkauft

Die Bärnauer sind die Ersten in der Region, die sich an die Fortsetzung heranwagen. Das Interesse ist riesig. Die Premiere ist mit rund 450 Besuchern ausverkauft. Bereits vor der ersten Vorstellung wird ein Zusatztermin angesetzt. Auch dafür gehen die Karten weg wie die berühmten warmen Semmeln.

Das Spiel beginnt sieben Jahre, nachdem der Brandner Kaspar (Hermann Fischer geht in der Rolle wieder voll auf) ins Paradies gekommen ist. Dauernd Weißwürste und Drinks nerven den Brandner mittlerweile. „An ganzen Tag immer nur Paradies, des hält koaner aus“, grantelt er. Er könne Eva nun nur zu gut verstehen.

Natürlich verfolgt er mit Interesse auch das Geschehen auf der Erde weiter mit, schließlich will man ja wissen, wie es der lieben Verwandtschaft da unten so geht. Seine Enkelin Marei (Jasmin Knott) und deren Mann Flori (Christian Ott) haben mittlerweile drei Kinder und sind nicht gerade auf Rosen gebettet. Da zeigt der mit einem Klumpfuß über die Bühne humpelnde und Mofa fahrende Kleingangster (Sigmund Mages) dem Flori, wie er alle Geldsorgen durch einen Diebstahl bei der unbeliebten reichen Bürgermeisterwitwe Agatha Senftl (Nicole Zeitler) auf einen Schlag lösen könnte. Da der Pfarrer (Christian Zeitler) präventiv beim Beichtgespräch unter gewissen Auflagen die Absolution erteilt, willigt Flori ein. Der Brandner liest in der himmlischen Zeitung, wie das Vorhaben enden wird und ist entsetzt. Er muss „Flori“ aufhalten.

Das geht natürlich nur auf der Erde. Also macht er mit dem Boandlkramer (wieder brillant gespielt von Maria Freundl) ein „Geschäft“. Es kommt, wie es kommen muss: Die Fahrt auf die Erde löst ein großes Durcheinander aus. Doch was wirklich passiert ist, lässt sich danach gar nicht so leicht sagen: Der Boandlkramer hat nach einer Flasche Kerschgeist mehr als nur „kloane Erinnerungsluckn“, sondern einen kompletten Blackout. Er weiß nicht einmal mehr, wer den Karren zurück in den Himmel gesteuert hat. Und dann ist da noch der fast heilige, liebestolle Nantwein (Rainer Schmidkonz), der sich in die Frau Senftl verliebt hat und die Engel zu seinen Handlagern machen will.

Natürlich endet der Fall am Ende wieder vor dem himmlischen Gericht. Doch diesmal ist der Fall noch verzwickter als das erste Mal. „Denn vom Paradies ins Fegefeuer, das geht gar nicht“, so der Portner (Franz Langner). Beim Tauziehen zwischen Himmel und Hölle gibt es auch diesmal wieder ein salomonisches Urteil und ein Happy-End, bei dem der Brandner nicht mehr jeden Tag Weißwürste essen muss und der Boandlkramer regelrechte Luftsprünge macht.

Zahlreiche Pointen und witzige Anspielungen machen das Stück zu einer kurzweiligen Angelegenheit. So schließt der Brandner das Mofa des Gangsters kurz, ein Engel ist in der Mauser und verliert Federn, der Boandlkramer darf dem Brandner aus Datenschutzgründen nicht den Adressaten seiner Reise verraten, der Pfarrer hört beim Kirchenputz „Highway to Hell“ von AC/DC und in der himmlischen Meldestelle müssen Formulare über die Vermögensverhältnisse ausgefüllt werden. Besonders schön: Die Regisseurin kann auf die Kernmannschaft des vergangenen Jahres bauen. Damit fügt sich das Stück nahtlos an die Vorgeschichte an. Die Inszenierung endet wieder mit einer eindrucksvollen Gesangseinlage. Christian Ott singt solo „Sowieso“ von Mark Forster.

Die Zuschauer belohnen die Aufführung mit einem donnernden Applaus. Autor Wolfgang Maria Bauer, der extra zur Premiere nach Bärnau gekommen ist, zeigt sich tief beeindruckt. Sein Kommentar zur Inszenierung: „Einfach Weltklasse“.

Autor Wolfgang Maria Bauer (Mitte) zeigt sich von der Inszenierung von Caroline Ghanipour (links) begeistert, sehr zur Freude von Alfred Wolf vom Kultur- und Festspielverein "Wir im Bärnauer Land" (rechts).
Aufführung "Der Brandner kehrt zurück".
Ein Gauner (Sigmund Mages, links) versucht, Flori (Christian Ott) zu einem Einbruch zu überreden.
Der Brandner Kaspar und der Boandlkramer stehen auch diesmal wieder vor dem himmlischen Gericht.
Der Boandlkramer wird in Bärnau von einer Frau gespielt. Maria Freundl geht in der Rolle voll auf.
Die Zuschauer sind im ehemaligen Klostergarten ganz nah am Geschehen dran.
In der Fortsetzung der Geschichte haben Flori (Christian Ott) und Marei (Jasmin Knott) drei Kinder.
Flori (Christian Ott) will die Bürgermeisterwitwe Agatha Senftl (Nicole Zeitler) bestehlen.
Auch Nantwein (Rainer Schmidkonz. links) ist wieder mit von der Partie. Diesmal sorgt der fast Heilige wegen seiner Liebe zu Agatha Senftl für ein Durcheinander im Himmel.

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