Regensburg.Die Schau holt weit aus: "100 Schätze aus 1000 Jahren" lautet der Titel. Und tatsächlich sind echte Prunkstücke aus der Zeit zwischen dem 6. Jahrhundert und 1800 zu bestaunen. Aber auch die Alltagsgeschichte der Menschen wird medial und an Objekten inszeniert. Ministerpräsident Söder geriet bei der Eröffnung vor 400 Gästen am Donnerstag ins Schwärmen. "Bayern ist eine riesige Schatzkammer", sagte er. Gerade würden am Oktoberfest wieder Millionen Menschen aus aller Welt versuchen, "sich ein Stück weit wie ein Bayer zu fühlen".
In der Landesausstellung könnten die Besucher "inhalieren, was die bayerische Geschichte ausmacht". Was Söder so spannend findet: Bayern habe sich nie an die Spitze gekämpft, habe weniger Kriege geführt als andere. Doch im richtigen Moment habe das Land die passenden Verbündeten gesucht und "mit Charme und Lässigkeit" seinen Vorteil gesucht und genutzt. Bayern habe zudem die Kunst verstanden, unterschiedliche Volksstämme und Religionen zu integrieren.
Heraus aus dem Alltag
Die Landesausstellung, die auch die Nöte der Menschen ins Auge nimmt, verdeutliche den Besuchern, "dass wir dankbar sein dürfen, in dieser Zeit leben zu dürfen". Für Söder ist die Schau "Genuss und Auftrag zugleich". Der Museumsbesuch reiße einen auf positive Art und Weise aus dem Alltag heraus. Gleichzeitig werde deutlich, wie wichtig es ist, für gemeinsame Werte einzustehen. "Ich würde mir wünschen, dass der Blick zurück die Augen dafür öffnet, was es heute braucht", sagte der Ministerpräsident.
Bayerns Wissenschaftsminister Bernd Sibler betonte, dass es nun möglich sei, in einem Haus die komplette Geschichte Bayerns zu erkunden: Die Zeit bis 1800 in der Landesausstellung und die modernere Geschichte bis heute in der Dauerausstellung im ersten Stock. Das Team um Richard Loibl, Direktor des Hauses der Bayerischen Geschichte, habe angesichts der Zeitdimensionen Mut zur Lücke beweisen müssen, sagte Sibler. Die Landesausstellung sei "kreativ, durchdacht, umfassend recherchiert und ansprechend präsentiert".
Direktor Loibl verwies auf die große Bandbreite der Leihgeber: Die Exponate stammen aus Weltmuseen wie dem Pariser Louvre, aber auch aus kleineren Heimatmuseen. Besonders stolz ist der Ausstellungsmacher auf die moderne Klimatechnik im Museum der Bayerischen Geschichte. Dass Temperatur und Luftfeuchtigkeit exakt gesteuert werden können, habe das Ausleihen mancher wertvollen Stücke erst möglich gemacht.
Inszenierte Biografien
Der Kurier, der die Skulptur des Heiligen Wolfgangs aus dem Louvre angeliefert hatte, sei so beeindruckt von der Klimatechnik gewesen, dass er versprochen habe, bei der Abholung seine Chefin mitzubringen, um Kooperationsmöglichkeiten zwischen den beiden Häusern zu besprechen, erzählte Loibl strahlend.
Die Landesausstellung schlägt in zehn Abteilungen den Bogen vom Frühmittelalter bis in die Zeit der Französischen Revolution. Kostbare Prunkstücke wie das imposante Lukasbild des Freisinger Doms stehen dabei neben Alltagsgegenständen wie den Lederstiefeln der einzigen erhaltenen bayerischen Moorleiche. Ergänzt wird die Schau durch zehn medial inszenierte Biografien von Menschen aus den jeweiligen Epochen, darunter ein Nachtwächter und eine Bauerstochter.














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