16.08.2018 - 18:44 Uhr
Deutschland & Welt

Bayern und der Wolf: Auch Artenschutz hat seine Grenzen

Der Bund Naturschutz feiert die Rückkehr des Wolfes. Aber Bayern darf nicht die selben Fehler wie bei Kormoran, Biber und Fischotter machen, meint Albert Franz in seinem Kommentar.

Der Wolf ist da. Die Freude über seine Rückkehr ist getrübt.
von Albert Franz Kontakt Profil
Kommentar

Für den Bund Naturschutz ist die Sache klar: Bayern kann sich den Luxus nicht mehr leisten, Kühe und Schafe frei und unbeaufsichtigt herumlaufen zu lassen. Die Rückkehr des Wolfes habe Vorrang, der Freistaat soll Herdenschutzhunde zahlen und wolfsichere Zäune finanzieren.

Nicht zum ersten Mal treibt der Bund Naturschutz den Artenschutz auf die Spitze. Und wiederholt die Fehler, die bei Kormoran, Biber und Fischotter gemacht wurden. Es geht nicht darum, eine Hetzjagd auf den Wolf zu veranstalten. Aber blauäugige Aktions- und Managementpläne helfen hier nicht weiter. Es gibt keine friedliche Koexistenz von Wolf und Lamm, von Fischotter und Karpfen. Man kann weder alle Weiden, noch alle Teiche einzäunen. Kurzum: Es hatte seine Gründe, dass Bär, Wolf und Fischotter ausgerottet wurden.

Die Debatte um die Rückkehr des Wolfs ist symptomatisch dafür, wie verzerrt und durcheinander die Sicht auf Mensch und Tier geworden ist. Die Öffentlichkeit nimmt regen Anteil am Schicksal von fünf mutterlosen Hundewelpen, schert sich aber vergleichsweise wenig um 500 Flüchtlinge, die im Mittelmeer ertrinken. Jede Katze, die ein Opfer des Straßenverkehrs wird, erregt mehr Mitgefühl als ein Rentner, der im Altersheim schlecht gepflegt wird. Einerseits leisten wir uns Tierfriedhöfe, andererseits füllen sich jedes Jahr zur Urlaubszeit die Tierheime, weil Haustiere beim Mallorca-Urlaub stören.

Der Wolf ernährt sich eben nicht von Tofu und Grünkernbratlingen, sondern von Rehen Kälbern, Schafen, Hunden und Katzen. Es mag Landstriche geben, in denen Wolf und Fischotter nicht weiter stören. Aber Wolf und Weidehaltung vertragen sich so wenig wie Fischotter und Teichwirtschaft. Der Bund Naturschutz wird das nie kapieren. Aber es besteht noch Hoffnung, dass das zumindest die Staatsregierung versteht.

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Kommentare

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Tobias Punzmann

Einfach mal ganz nüchtern forschen, was Weidetieren den meisten Schaden zufügt. Da gibts neben dem Wolf Fehler bei der Haltung, Verkehrsunfälle durch nachlässige oder absichtliche Freisetzung, kontaminiertes Futter, Tierquäler, Krankheiten, freilaufende Haustiere und eben auch den Wolf. Und dann kann man mal bei den größten Gefahren anfangen und nach und nach das Wohlergehen der Weidetiere verbessern. Dann wird der Wolf sicher noch lang seine Ruhe haben bis er dran ist.
Und wenn man dann noch wie im Kommentar hier die Gefahr für die Menschen mit einbezieht, sollte man vielleicht auch mal Statistiken bemühen. Wolfsangriffe in Deutschland sind noch aus dem 18. oder 19. Jahrhundert überliefert, im Rest der Welt gibt's quasi auch keine. Die Gefahr einem Wolf zum Opfer zu fallen ist für einen Menschen deutlich geringer, als vom Blitz auf dem Abort getroffen zu werden. Also sollte man da auch erst mal mit Blitzschutzmaßnahmen anfangen, als gleich wieder dem Wolf ans Fell zu wollen.
Aber man braucht ja ein schönes Feindbild. Da taugt auch ein tierischer Zuwanderer aus dem Osten zum Ängste schüren und sich politisch in Szene setzen. Warum solls bei den Viechern anders sein als bei den Menschen?

17.08.2018
Annegret Sproesser

Bayern und der Wolf: Auch Artenschutz hat seine Grenzen

Besten Dank für diesen Ausweis des gesunden Menschenverstandes.

Der einseitige Schutz für Wölfe, die in keiner Weise vom Aussterben bedroht sind, gefährdet direkt unter anderen die Bodenbrüter und indirekt, durch die Aufgabe von Weiden in schwierigen Lagen, die Habitate für seltene Pflanzen, die dazughörigen Insekten, Hecken- und Bodenbrüter, die auf offengehaltene Wiesen als Habitat angewiesen sind. Was der NABU treibt ist die einäugige Pflege seines Goldesels mit Heiligenschein.

Wölfe müssen, wie jedes andere herrenlose Wildtier, ins Jagdrecht mit Jagd- und Schonzeiten, und zwar von Anfang an. Nur so erlernen und erhalten sie die Scheu vor Menschen und deren Einrichtungen. Als Beutegreifer an der Spitze der Nahrungskette haben sie keinen natürlichen Feind. Die Wolfsangriffe auf vorschriftsmäßig geschützte Herden im Nordosten der Bundesrepublik und die erhöhte Anzahl von verkehrstoten Wölfen sind ein Indiz für den zu hohen Wolfsbestand dort.

Werden Wölfe von Anfang an bejagt, halten sie sich von Menschen und deren Tieren einigermaßen fern, werden sich still und leise in einigermaßen menschenleere Gebiete zurückziehen und still und leise Deutschland besiedeln. Das passiert dann zwar etwas langsamer, als im Augenblick, aber von den meisten Menschen akzeptiert.

17.08.2018