06.02.2020 - 13:56 Uhr
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Von Aschaffenburg bis zum Zukunftsmuseum: Kulturbaustellen in Bayern

Wann geht es los, wie lange dauert es und wie viel wird es kosten? Typische Fragen, wenn Theater, Museen und Konzerthäuser saniert werden. Auch an Kulturstätten in Bayern wird eifrig gehämmert, gebohrt oder sogar neu gebaut.

Das Richtfest für das Zukunftsmuseum in Nürnberg wurde im Mai gefeiert. Ende 2020 soll es eröffnen
von Agentur DPAProfil

Konzertsäle, Theater und Museen - Bayern ist reich an Kultureinrichtungen. Doch viele sind in die Jahre gekommen und müssen saniert werden. Und manches wird auch neu gebaut wie das Konzerthaus in München, ein besonderes Anliegen des im Dezember gestorbenen Dirigenten Mariss Jansons. "Er war Stardirigent, Botschafter in der Welt, Musikvermittler. Ich kann mir gut vorstellen, dass der neue Konzertsaal im Konzerthaus seinen Namen tragen wird und wir so sein Andenken in Ehren halten", sagte Kunstminister Bernd Sibler (CSU) der Deutschen Presse-Agentur in München. Bis es soweit ist, werden aber noch Jahre vergehen. Ein Überblick über die Kulturbaustellen in Bayern:

Konzerthaus in München

Das Konzerthaus in München ist noch in der Planungsphase. Es soll nach den Plänen der Architekten Cukrowicz Nachbaur im Werksviertel im Münchner Osten entstehen. Der Akustiker Tateo Nakajima soll für gute Akustik in den Sälen sorgen. Derzeit prüfe man, wie das Klangideal auf möglichst wirtschaftliche Weise baulich umgesetzt werden könne, hieß es aus dem Kunstministerium. Wie viel das Prestigeprojekt kosten soll, ist noch unklar. Für seriöse Angaben sei es noch zu früh. Erst wenn die Vorplanungen im Laufe des Jahres 2020 abgeschlossen sind, soll es eine Schätzung geben. Noch bis Januar finden Bohrungen auf dem Bauplatz statt. Sie sollen Aufschluss über die Beschaffenheit des Baugrundes geben. Das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks soll hier später mal ebenso eine Heimat finden wie die Hochschule für Musik und Theater.

Schloss Johannisburg in Aschaffenburg

Kräftig gearbeitet wird seit Jahren im Schloss Johannisburg in Aschaffenburg. Erneuert werden unter anderem Technik und Fassaden, die Hofbibliothek und die Staatsgemäldegalerie - für insgesamt rund 15,7 Millionen Euro. Besucher sind willkommen, allerdings sind Teile der Anlage geschlossen, darunter die Staatsgalerie, die fürstlichen Wohnräume und die Paramentenkammer. Voraussichtlich Ende 2020 sollen sie laut Finanzministerium wieder öffnen. Ein zweiter Bauabschnitt ist in Planung - für geschätzte rund 17,6 Millionen Euro sollen unter anderem das städtische Museum und die Schlossweinstuben erneuert werden.

Festung Marienberg in Würzburg

Aufwändig sind die Arbeiten an der Festung Marienberg in Würzburg, das Wahrzeichen der Stadt mit mehr als 1000-jähriger Geschichte. Im Juli wurde die berühmte Marienkirche wiedereröffnet, an der restlichen Anlage wird noch gebaut. Im Zuge der Sanierung sollen die Museen in der mächtigen Festung zusammengeführt werden - zu einem Museum für Franken.

Zukunftsmuseum in Nürnberg

Das neue Zukunftsmuseum in Nürnberg macht gute Fortschritte. Das Deutsche Museum konnte seine neue Zweigstelle inzwischen übernehmen und beschäftigt sich bis Mai oder Juni mit dem Innenausbau. "Dann werden die Exponate eingebracht", sagt Andreas Gundelwein vom Deutschen Museum. Im Herbst soll der Probebetrieb starten, Ende 2020 soll dann das Museum in der Altstadt eröffnen, das auf fast 3000 Quadratmetern Ausstellungsfläche Zukunftsthemen vorstellt und die Besucher zum Diskutieren anregen will. Der Freistaat finanziert das Projekt mit 27,6 Millionen Euro. Zusätzlich konnte das Deutsche Museum etwa 3 Millionen Euro an Drittmitteln einwerben. Dieser Finanzrahmen werde eingehalten, sagte Gundelwein.

Deutsches Museum in München

Eine Kostenexplosion gab es bei der Sanierung des Deutschtes Museum in München. 745 Millionen Euro sollen die Arbeiten an dem fast 100 Jahre alten Bau mit seiner berühmten naturwissenschaftlichen und technischen Sammlung kosten. Ursprünglich sollten es 445 Millionen sein. Jetzt legen Bund und Freistaat jeweils noch 150 Millionen Euro drauf. Das Museum begründete die Entwicklung mit überproportionalen Preissteigerungen im Baugewerbe, unvorhersehbaren Mängeln in der Bausubstanz und Schwierigkeiten wegen des Denkmalschutzes. Zu allem Überfluss wurde auch das beauftragte Architekturbüro insolvent, ein Ersatz musste gesucht werden. Bis zum Herbst 2020 soll das Museum nun die Planungen für den zweiten Bauabschnitt sowie eine Berechnung der Kosten vorlegen. Der Ausstellungsbetrieb läuft indes weiter, auch wenn Teile des Hauses geschlossen sind.

Staatstheater Augsburg

Die laufende Generalsanierung des Staatstheater in Augsburg hat im Jahr 2019 die Kostengrenze von 200 Millionen Euro geknackt. Bislang sollte die Modernisierung rund 186 Millionen Euro kosten, nun müssen etwa 20 Millionen Euro mehr eingeplant werden. Die Kostensteigerung ist auch Thema im Kommunalwahlkampf. Die SPD möchte prüfen, ob beim historischen, derzeit geschlossenen Großen Haus wirklich eine zweite Spielstätte entstehen muss. Stattdessen könne einer der derzeitigen Ausweichspielorte als zusätzliche Bühne dauerhaft erhalten bleiben. Die CSU will hingegen an den ursprünglichen Plänen festhalten. Die Bauarbeiten werden so oder so noch Jahre dauern.

Stadttheater Landshut

Das Stadttheater Landshut ist seit mehreren Jahren wegen Sanierung geschlossen. Das Ensemble spielt stattdessen in einem Zelt am Stadtrand. Nachdem die Stadt Ende Oktober überlegt hatte, die Sanierung aus Kostengründen zu stoppen, gab es massiven Protest. Daraufhin beschloss Anfang Dezember der Stadtrat, die Planungen für die Sanierung im Jahr 2020 zunächst fortzusetzen. Dafür sind einem Sprecher zufolge 1,85 Millionen Euro im Etat eingesetzt worden.

Neue Pinakothek in München

Vor einem Jahr mussten sich Kunstinteressierte für die kommenden Jahre von der neuen Pinakothek in München verabschieden. Der Grund: Die dringend notwendige Sanierung. 220 Millionen Euro hat der Haushaltsausschuss des Bayerischen Landtags dafür genehmigt. Seit Anfang 2019 ist das Museum geschlossen. Momentan werden die Kunstwerke aus dem Pinakothekgebäude ausgelagert. Das wird noch dauern - vermutlich bis zum Herbst. Die Bauarbeiten sollen 2021 beginnen. Eine Auswahl besonderer Werke gibt es aber weiter zu sehen - sie hängen in der Alten Pinakothek und in der Sammlung Schack.

Haus der Kunst in München

Bis das Haus der Kunst in München saniert wird, wird es noch ein paar Jahre dauern. Mitte der 2020er Jahre könnten die Bauarbeiten starten, hieß es aus dem Kunstministerium. Am 1. April wechselt Andrea Lissoni von der Tate Modern London als künstlerischer Leiter nach München. Auch der Posten des kaufmännischen Geschäftsführers muss neu besetzt werden. Mitte 2021 sollen die Planungen zur Erstellung einer belastbaren Kostenschätzung abgeschlossen sein. Danach werde man entscheiden, ob das Ausstellungshaus während der Sanierung komplett geschlossen werden muss oder ob es in Teilen geöffnet bleiben kann. Das 1937 von den Nazis errichtete Gebäude soll nach den Plänen des britischen Architekten David Chipperfield renoviert werden.

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