Bayern
13.03.2021 - 16:09 Uhr

Astrazeneca-Lieferprobleme: Auswirkungen auf Bayern unklar

Gerade erst hat Bayerns Gesundheitsminister Holetschek angekündigt, dass Bayerns Hausärzte früher impfen sollen als anderswo - und dann meldet Astrazeneca Lieferprobleme. Stoppt das den viel beschworenen bayerischen „Impfturbo“?

Auf einem Tisch stehen Ampullen mit dem Covid-19 Impfstoff von AstraZeneca. Bild: Nicolas Armer
Auf einem Tisch stehen Ampullen mit dem Covid-19 Impfstoff von AstraZeneca.

Nach Bekanntwerden drastischer Lieferprobleme des Corona-Impfstoffs Astrazeneca sind die Konsequenzen für Impfungen in Bayern unklar. „Wir werden die genauen Auswirkungen sorgfältig prüfen“, sagte ein Sprecher des bayerischen Gesundheitsministeriums am Samstag auf Anfrage in München. Für die kommende Woche solle sich erstmal nichts ändern: „Die Auslieferungen von Impfstoff an die Impfzentren in der kommenden Woche laufen wie geplant“, betonte der Sprecher. Weitere Angaben machte er nicht.

100 Millionen Dosen statt 220 Millionen

Der Hersteller Astrazeneca hatte am Freitag angekündigt, statt der zuletzt anvisierten 220 Millionen Dosen nur noch 100 Millionen bis zur Jahresmitte an die EU-Staaten zu liefern. Der Konzern begründete dies unter anderem mit Exportbeschränkungen.

Thüringen stoppte daraufhin die Vergabe von Impfterminen und verschob den geplanten Start von Impfungen beim Hausarzt. Thüringens Gesundheitsministerin Heike Werner (Linke) bezeichnete die angekündigte Lieferkürzung als „absolut inakzeptabel“.

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Oberpfalz10.03.2021

Ihr Amtskollege Klaus Holetschek (CSU) hatte erst Freitag bekanntgegeben, dass die bayerischen Hausärzte schon am 1. April und damit früher als anderswo in Deutschland mit dem Impfen starten sollen. Ob sich an dieser Strategie angesichts der Lieferprobleme etwas ändert, blieb zunächst offen.

Impfrekord in Bayern

Holetschek meldete stattdessen einen Rekord bei Corona-Impfungen in Bayern. Wie sein Ministerium am Samstag mitteilte, wurden am vergangenen Donnerstag knapp 47.000 Menschen geimpft - so viele wie noch nie zuvor an einem Tag. „Wir haben einen neuen Impfrekord. Am Donnerstag haben wir 46.813 Impfungen im Freistaat verabreicht“, betonte Holetschek.

In gut zweieinhalb Monaten wurde demnach in Bayern bislang (Stand 12. März) 1 504 039 Mal geimpft. 1 026 999 davon waren Erst- und 477 040 Zweitimpfungen. Im Verhältnis zur Bevölkerung liege Bayern damit im Vergleich der Bundesländer auf Platz drei, sagte Holetschek.

Seit Beginn der Corona-Impfungen Ende Dezember 2020 hat Bayern nach Ministeriumsangaben vom Bund 1.934.850 Impfdosen geliefert bekommen. Den Unterschied von gut 400 000 Dosen erklärt Holetschek mit einem festgelegten Lieferplan und damit, dass Bayern Reserven zurückhält, „um bei möglichen Lieferengpässen weiterhin Zweitimpfungen garantieren zu können“.

Software für Lieferwahrscheinlichkeiten

Bayern arbeite mit dem Impfstoffhersteller Biontech zusammen für eine Software, die Lieferwahrscheinlichkeiten - unabhängig vom Hersteller – präzise berechnen soll. „Damit wollen wir auch frühzeitig erkennen, ob Kapazitätsengpässe drohen“, sagte Holetschek. „So können wir flexibel reagieren und bei Bedarf aufstocken. Die neue Software wird unsere Impflogistik einen großen Schritt nach vorne bringen.“

Weniger gut als in der Impf-Rangliste schneidet Bayern bei der Corona-Inzidenz ab. Die Zahl der Corona-Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner liegt im Freistaat deutlich über dem Bundesschnitt. Das Robert Koch-Institut gab die Sieben-Tage-Inzidenz für den Freistaat am Samstag mit 82,0 im Landesdurchschnitt an. Damit liegt Bayern deutlich über der bundesweiten Inzidenz von 76,1. Nur in Thüringen (152,1), Sachsen (100,5) und Sachsen-Anhalt (96,0) lag sie höher als in Bayern.Vor knapp einem Monat lag die Sieben-Tage-Inzidenz in Bayern noch bei knapp über 50.

Inzidenz in Bayern steigt

Insgesamt wurden nun binnen 24 Stunden 1968 Neuinfektionen in Bayern gezählt, 28 registrierte Todesfälle kamen hinzu. Die höchste Inzidenz zeigte am Samstag die Stadt Hof mit 318,6. Über der 200er Grenze lagen auch der Landkreis Kulmbach mit 248,7 und der Landkreis Wunsiedel mit 246,4.

Nur noch fünf Kreise und kreisfreie Städte lagen unter der Marke von 35 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in sieben Tagen: Spitzenreiter ist der Landkreis Kitzingen mit einer Inzidenz von 8,8 - gefolgt von den Landkreisen Eichstätt (16,2), Weißenburg-Gunzenhausen (30,6), Günzburg (33,9) und Landsberg am Lech (34,9).

In zahlreichen Städten und Landkreisen in Bayern herrschen inzwischen wieder nächtliche Ausgangsbeschränkungen, weil sie die Sieben-Tage-Inzidenz-Marke von 100 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner geknackt haben. Wo die Beschränkungen gelten, veröffentlicht das bayerische Innenministerium täglich auf seiner Homepage.

Oberpfalz25.05.2022

Liste der Städte und Landkreise mit Ausgangsbeschränkungen

 
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