29.05.2020 - 08:10 Uhr
BayernDeutschland & Welt

Bauern in Sorge: Almwiesen „belagert mit Picknickdecken“

Kühe und Wanderer - das geht nur gut, wenn sich beide nicht zu nahe kommen. Abstandsregeln galten hier schon vor den Corona-Zeiten. Zu Pfingsten könnte es nun eng werden auf den Almen.

Kühe stehen auf einer Weide.
von Agentur DPAProfil

Die Almbauern blicken mit Sorge auf die Pfingstferien. Sie erwarten angesichts eingeschränkter Reisemöglichkeiten einen Ansturm von Erholungssuchenden - Stress für die Almtiere. Manche Besucher seien auch ohne entsprechende Rücksichtnahme unterwegs, sagte Hans Stöckl, Geschäftsführer des Almwirtschaftlichen Vereins Oberbayern.

„Die Leute laufen kreuz und quer über die Almwiese. Sie sollen sich einfach an die Wege halten“, sagte Stöckl. Manche Almfläche sei „belagert mit Picknickdecken“. Mangels anderer Möglichkeiten habe es bereits an den vergangenen beiden Wochenenden einen Ansturm gegeben. Wenn Sportmöglichkeiten eingeschränkt und Einrichtungen bis hin zu Freibädern geschlossen seien, verwundere es nicht, „dass die Leute mit aller Macht in die Berge drängen“.

Dabei startet just zu Pfingsten die Almsaison in den vollen Betrieb. Teils sind die Tiere schon jetzt auf den niedriger gelegenen Almen. Am Wochenende soll fast überall das Vieh auch auf die höheren Wiesen getrieben werden. Dabei sind auch Mutterkühe - eine immer noch unterschätzte Gefahr.

In Österreich war 2014 ein 45-jährige Hundebesitzerin aus Rheinland-Pfalz im Stubaital von einer Herde totgetrampelt worden, die wohl ihre Kälber vor dem Hund schützen wollte. Nun haben Alm- und Alpwirtschaftliche Vereine, Tourismusämter und Bauernverband Tafeln aufgestellt, die vor dem Vieh warnen. „Mit Hunden muss man vorsichtig sein auf der Alm“, sagte Stöckl. Nicht nur Muttertiere, auch Jungrinder könnten eine Verteidigungshaltung einnehmen.

Dabei haben die Tiere auch nachts immer weniger ihre Ruhe. „Es wird immer mehr zur Untugend, dass man auch nachts in den Bergen unterwegs ist“, sagte Stöckl. Nicht zuletzt Mountainbiker seien auch in der Dämmerung oder bei Dunkelheit noch unterwegs. Gerade sie schrecken ruhende Tiere besonders auf. In Bad Feilnbach musste ein Bauer gleich zu Saisonbeginn drei Jungtiere von der Alm wieder heim holen, weil sie sich vermutlich auf der Flucht am Lauf verletzt hatten. In einem anderen Fall sei ein Bauer mit einem Radfahrer aneinandergeraten.

Mancherorts müssen Wanderer an den Almen auf die gewohnte Brotzeit verzichten. Angesichts der Corona-Beschränkungen und der damit verbundenen Auflagen verzichte mancher Bauer lieber ganz auf die Bewirtung.

Info:

Tiere auf den Almen

In Oberbayern und im Allgäu verbringen alljährlich rund 53.000 Kühe den Sommer auf Almen, zusätzlich sind es in ganz Bayern etwa 5000 Schafe und Ziegen und rund 800 Pferde.

Kuhglocken-Streit: Nach Richter-Besuch nur drei Schellen

Bayern

Almwirtschaftlicher Verband Oberbayern

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

Videos

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.