17.01.2022 - 12:29 Uhr
BayernDeutschland & Welt

Bayern setzt Hotspot-Regelung bis auf weiteres aus

Das bayerische Kabinett hat am Montag beraten. Die Hotspot-Regelung sah vor, dass Regionen mit einer Inzidenz über 1000 massiv runtergefahren werden. Die wird nun vorerst weiter ausgesetzt. Auch Lockerungen werden in Aussicht gestellt.

Die Hotspot-Regelung wurde an die Omikron-Variante des Coronavirus angepasst.
von Matthias Schecklmann Kontakt Profil

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Kommentare

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Martin Pfeifer

Mir fällt es mittlerweile schwer, irgendeinen Sinn in den bayrischen Corona-Begrenzungen zu erkennen.

Die Corona-Zahlen steigen kontinuierlich an. Die Kontaktnachverfolgung, eines der elementarsten Mittel zur Eindämmung einer Epidemie, findet aufgrund von Personalmangel faktisch nicht mehr statt. Sehr gut, da kann man sich ja gleich die Kosten für die Lizenz der LucaApp sparen. Bei den Impfzentren war man im Sommer auch der Meinung: zu teuer, nichts mehr los. Auftrag erfüllt, das wird eh nicht mehr gebraucht. Also schließen. Keinen Monat später wurden die Impfzentren wieder aufgemacht und händeringend Personal gesucht.

Die Corona-Zahlen steigen kontinuierlich an. Mittlerweile reichen die Kapazitäten für die PCR-Testung nicht mehr aus, es wird priorisiert. Schön, da gehen die Zahlen runter - oder nicht so steil in die Höhe. So etwas hatten wir am Anfang der Pandemie. Das sich solche Zustände knapp 2 Jahre später wiederholen, ist ein Trauerspiel. Es zeugt davon, das die bayrische Staatsregierung immer noch nichts dazugelernt hat.

Die Corona-Zahlen steigen kontinuierlich an, aber trotzdem wird wegen der Omikron-Variante die Hotspot-Regel aufgehoben. Damit sich noch mehr Personen anstecken? Die Hospitalisierung steigt mittlerweile auch an. Das auf steigende Fallzahlen auch steigende Einweisungen in Krankenhäuser und steigende Belegung der Intensivbetten folgen zeigt sich jetzt. Das ist wohl ein Naturgesetz, das die Staatsregierung ignoriert, weil es politisch nicht in den Kram passt. Es gibt mittlerweile ausgereifte Modelle, mit denen man die Wirkung verschiedener Kontaktbeschränkungen ermitteln kann. Die bayr. Staatsregierung macht anscheinend lieber den Versuch im Maßstab 1:1 mit der Bevölkerung.

Die Corona-Zahlen steigen kontinuierlich an. Natürlich bleibt es bei 2G in der Gastronomie ohne eine nennenswerte Begrenzung der Auslastung oder gar eine Maskenpflicht am Platz. Es ist jetzt wohl geradezu selbstverständlich, das es bei 2G plus mit massiver Begrenzung der Auslastung auf 25% und FFP2-Maske die ganze Veranstaltung über bleibt. Wo steckt man sich wohl eher an? In der Gastronomie, deshalb muß die unbedingt weiterlaufen. Kultur kann das nicht so gut! Herr Söder hat offensichtlich seine besondere Vorsicht bei der Gastronomie zu Beginn der Pandemie, die er - völlig richtig mit den Vorkommnissen in Ischgl begründete - völlig abgelegt. Ja, das auch Bayern in der Gastronomie Hotspot kann, ist doch schon längst bekannt. Der Kulturbranche empfehle ich, gegen die bayrische Corona-Verordnung zu klagen. Die Urteile zu 2G im Einzelhandel lassen erwarten, das dann 2G plus und die 25%-prozentige Auslastung gleich weg sind. Ähnlich wie bei 2G im Einzelhandel hat die bayrische Staatsregierung hier keine guten Argumente. Und der restliche Einzelhandel möge auch bitte gleich klagen, statt sich immer nur zu beschweren. Sich regen bringt Segen, aber muß es an der richtigen Stelle tun.

Genauso wenig ist es überhaupt nicht verständlich, warum es für Geimpfte Kontaktbeschränkungen im privaten Bereich gibt, aber nicht im öffentlichen Raum? Ist eine nahezu voll ausgelastete Gaststätte wirklich so viel harmloser als ein gut belüftbare Wohnung, wo sich keiner über die Zugluft beschwert, wenn mal ein Fenster aufgemacht wird.

Man kündigt noch Lockerungen an. Offensichtlich beabsichtigt die bayrische Staatsregierung, die Vorhersage des damaligen Gesundheitsminister Jens Spahn, das am Ende dieses Winters alle entweder geimpft, genesen oder tod sind, mit aller Macht umzusetzen. Sieht, wir können Ankündigungen unser Minister, auch wenn sie nur noch geschäftsführend im Amt sind, umsetzen. Egal um welchen Preis. Sollte es auch 2022 einen Gedenktag für die Opfer der Corona-Pandemie geben, in Bayern wird man wohl nicht der Toten gedenken.

Oder will die bayrische Staatsregierung nach Ostern 2020 und 2021 auch Ostern 2021 wieder einen Lockdown machen? Weihnachten 2020 und 2021 ist man ja ohne alles-zumachen durhgekommen.

Der Virus jedenfalls freut sich diebisch über das Wirken von Lobbyisten, gute Freuden in der Wirtschaft und über "Geschäfte mit Geschmäckle". Ich bin sicher, am Ende wird einiges rauskommen, was für die bayr. Staatsregierung unangenehm ist.

17.01.2022