09.10.2020 - 09:25 Uhr
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Bußgelder inklusive: Beherbergungsverbot wirft Fragen auf

Auch das noch. Die lokal teils steigenden Corona-Infektionszahlen erschweren den im Sommer noch als sicher verkauften Urlaub in Deutschland. Für Betroffene wird es kompliziert - auch im Freistaat.

Wer in einem Corona-Hotspot wohnt, braucht in vielen Urlaubsregionen einen negativen Corona-Test.
von Agentur DPAProfil

Aus Angst vor mit dem Corona-Virus infizierten Urlaubern gilt in Bayern wie auch in einigen anderen Bundesländern ein Beherbergungsverbot für alle Menschen aus Hotspot-Gebieten. Wer dennoch etwa in den Herbstferien von dort an die Küste oder in die Berge will, braucht einen negativen Corona-Test. Was wie eine einfache Regelung klingt, wirft in der Praxis aber dennoch viele Fragen auf. Ein Überblick mit wichtigen Antworten.

Wer soll die Regel kontrollieren? Für wen drohen Strafen?

Für Hotels, Campingplätze oder Pensionen, die Gäste aus Risikogebieten aufnehmen, wird es teuer. Der Bußgeldkatalog sanktioniert das Vergehen mit 5000 Euro. Gäste aus Risikogebieten müssen dagegen in dem Fall kein Bußgeld fürchten. Sie werden erst zur Kasse gebeten, wenn sie ihre Anreise aus einem Risikogebiet oder ihren dortigen Wohnort nicht korrekt angeben oder gar verschleiern. Wie bei falsch ausgefüllten Gästelisten in Restaurants oder Kneipen kostet die Falschangabe bei Beherbergungen 250 Euro.

Wie bei anderen Corona-Auflagen - etwa zu Teilnehmerzahlen bei privaten Feiern oder zu Quarantäneauflagen - ist die Kontrolle aber nur bedingt möglich und schon gar nicht allumfassend. Die Regelung setzt daher zunächst auf die Selbstverantwortung der Menschen. Gleichwohl wird es wie bei allen Auflagen auch hier Stichproben der Gesundheitsämter geben. Und sollte es tatsächlich eine Verbreitung des Virus geben, dürfte auch die Nachverfolgung der Infektionsketten zunächst unerkannte Sünder auffliegen lassen.

Wie kann das System der Risikogebiete überhaupt funktionieren, wenn die Infektionszahlen schnell schwanken?

Entscheidend ist die Festlegung der Risikogebiete durch das bayerische Gesundheitsministerium und dafür ist nicht alleine der sogenannte Inzidenzwert, also die Zahl der Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in sieben Tagen entscheidend. Es handelt sich vielmehr um Einzelfallentscheidungen, in die verschiedene Aspekte einfließen.

Ohnehin gilt: Sind Ausbruchsherde klar eingrenzbar und überschreitet der Inzidenzwert deshalb in einer Region die 50er-Marke, muss es nicht zwingend ein generelles Beherbergungsverbot für Menschen aus der Region geben. Zudem sind nicht einzelne Tageswerte entscheidend, sondern der generelle Trend. Man müsse die "Gesamtentwicklung" anschauen, sagt dazu Ministerpräsident Markus Söder (CSU). Die Liste der innerdeutschen Risikogebiete soll regelmäßig aktualisiert werden - aber auch nicht täglich, sondern laut Söder wohl zweimal pro Woche.

Woher bekommen Touristen einen Corona-Test? Gibt es dafür überhaupt Kapazitäten?

Das könnte in vielen Regionen außerhalb Bayerns zu einem Problem werden, denn hier gilt eine andere Teststrategie. Während sich im Freistaat jeder kostenlos testen lassen kann, ist dies in anderen Bundesländern nur Menschen mit Krankheitssymptomen wie Fieber oder Husten vorbehalten. Wer aber für den Urlaub einen negativen Test braucht, muss ihn im Zweifel selbst zahlen. Hinzu kommt, dass der vorgelegte negative Test, der eine Beherbergung erlaubt, nicht älter als 48 Stunden sein darf. Da viele Labore - auch wegen Engpässen bei den benötigten Materialien - längst an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen, wird die Frist sicher nicht immer zu halten sein. Und dann muss die Reise wohl oder übel mindestens verschoben werden.

Was ist mit Leuten, die jetzt vor dem Hotel stehen und einchecken wollen? Wer zahlt die Stornierungen?

Nach Angaben des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes bleibt der Hotelier oder der Betreiber der Unterkunft aktuell auf den Kosten sitzen. Für Touristen, die bereits angereist sind, ist damit zumindest dieses finanzielle Risiko gering. Sie haben aber auch ein Problem, denn eine Unterkunft werden sie im Freistaat auf legalem Wege nicht finden, außer sie kommen bei Verwandten oder Freunden unter. Hier greift das Beherbergungsverbot nicht.

Wenn die Leute dann bei Freunden auf der Couch schlafen: Steckt man sich da nicht einfacher an als im Einzelzimmer im Hotel?

Grundsätzlich kann man sich natürlich überall anstecken. Söder macht aber deutlich, wo für ihn der Hauptunterschied liegt: In Hotels gebe es sehr viele Gäste, somit könne das gesamte Hotel ein Infektionsherd sein. Datunter werde dann das gesamte Gewerbe leiden. "Wenn wir gerade in Bayern ein erfolgreiches Weihnachtsgeschäft behalten wollen, ist es jetzt wichtig, auch einen guten Probelauf in den Herbstferien zu machen." Zudem seien die Regelungen in Hotels gut kontrollierbar, da es dort Meldepflichten und ähnliches gebe. Private Übernachtungen und Besuche seien dagegen viel schwerer überprüfbar. Söder hat bereits betont, dass es keine Einreiseverbote geben soll.

Wie steht Bayern derzeit zahlenmäßig da, wohin dürfen die Bayern nicht hin, wer darf jetzt nicht Urlaub in Bayern machen?

Zunächst bis zum 14. Oktober gilt das Beherbergungsverbot in Bayern für Reisende aus vier Berliner Bezirken (Mitte, Neukölln, Tempelhof-Schöneberg und Friedrichshain-Kreuzberg), aus Bremen sowie aus den Städten Hamm und Remscheid in NRW. Wer aus einem dieser innerdeutschen Corona-Hotspots einreist und einen negativen Corona-Test vorweisen kann, ist aber auch weiterhin in bayerischen Hotels willkommen. Andersherum gibt es für Menschen aus Bayern derzeit nirgendwo in Deutschland Beschränkungen (Stand Donnerstag).

Was sagen Bayerns Hoteliers?

Die sind natürlich nicht begeistert, denn ihnen drohen Einnahmeverluste und zugleich haften sie für Verstöße. Der Hotel- und Gaststättenverband kritisiert auch die geringe Vorlaufzeit bei der Umsetzung. Er fände es besser, wenn es ein bundesweit einheitliches Verfahren gebe und Bewohner solcher Gebiete ohne einen negativen Corona-Test nicht ausreisen dürften. In dem Fall müssten die Touristen die Kosten für ihre Buchungen trotzdem tragen.

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