22.10.2018 - 20:08 Uhr
BayernDeutschland & Welt

CSU macht es sich zu einfach

Die vermeintliche Ursache für die Wahlpleite der CSU war schnell ausgemacht: Horst Seehofer. Doch Alleinschuldiger will er nicht sein. Zu Recht. Denn als "Sündenbock" lenkt er von anderen Problemen ab. Ein Kommentar von Tobias Schwarzmeier

Horst Seehofer weist die Schuld von sich.
von Tobias Schwarzmeier Kontakt Profil
Kommentar

Wieder einmal brodelt es, wieder wird lautstark mit Rücktrittsforderungen und -ankündigungen gespielt, wieder einmal geht es um Horst Seehofer. Mittlerweile steht allein schon sein Name für Assoziationen der Unberechenbarkeit, der Alleingänge, der Instabilität. Zuletzt auch für die personifizierte Schuld am Absturz der CSU bei den Landtagswahlen und dem Verlust der absoluten Mehrheit.

Fakt ist: Die Personalie Seehofer muss geklärt werden. Sie ist einer von jeweils mehreren Faktoren, um sowohl in der Großen Koalition als auch in der CSU wieder zum sachlichen Arbeiten übergehen zu können. Doch letztlich sind weder Seehofers Störfeuer noch der suboptimale Wahlkampf Markus Söders, in dem er mehr auf Landesvater statt Erneuerer, mehr auf Symbolik als auf das Betonen reeller Erfolge setzte, der alleinige Grund für die Wahlpleite.

Die CSU muss sich neu erfinden. "Bayern ist schön, die Wirtschaft boomt, alles passt, uns geht es gut", reicht als Mantra heute nicht mehr aus. Auch die künftige Koalition mit den Freien Wählern könnte dazu verführen, alles einfach weiterlaufen zu lassen. Scheinbar ändert sich nichts - es bleibt wie's is'.

Doch es hat sich Entscheidendes verändert: die politische Landschaft, das enttabuisierte Verhältnis der Bürger zur Politik, das individuelle Wahlverhalten. Der moderne, fordernde Wähler hat den traditionellen Stammwähler abgelöst. Und der denkt, dass eben nicht "alles passt". Die CSU kann sich einer gründlichen Evaluation und dem Wandel nicht verweigern. Seehofers Abschied wäre ein Beginn. Denn mit dem Allzweck-Sündenbock verliert die Partei auch eine Komfortzone.

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