05.07.2019 - 09:00 Uhr
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Gartenschau punktet mit Heimatschätzen

Wassertrüdingen in Mittelfranken ist die kleinste Gemeinde, die sich jemals an eine Landesgartenschau gewagt hat. Rund 250 000 Besucher werden bis 8. September erwartet.

von Gertraud Portner Kontakt Profil

Die Kleine Bayerische Landesgartenschau in Wassertrüdingen startete Ende Mai mit großem Zuspruch. Bereits am 28. Juni konnte die 100 000. Besucherin begrüßt werden. Das idyllische Städtchen im Landkreis Ansbach in Mittelfranken bietet sich für einen Familienausflug geradezu an. Das Besondere: Die Altstadt liegt zwischen den beiden großen und sehr unterschiedlichen Geländeteilen – dem Wörnitzpark und dem Klingenweiherpark – und ist als eigener Bereich mit eingebunden. Auf der rund 13 Hektar großen Ausstellungsfläche können die Gäste nach Herzenslust flanieren und die Natur in vollen Zügen genießen. Spielplätze, Mitmach-Stationen und Info-Pavillons lassen keine Langeweile aufkommen.

Wassertrüdingen ist mit seinen 6066 Einwohnern der bislang kleinste bayerische Ort, der ein solches Großprojekt ausrichtet. Natur und Bürger profitierten: Die Maßnahmen für den Hochwasserschutz am Wehr ließen einen Veranstaltungsbereich direkt bei der Altstadt entstehen. Und die ehemalige Deponie wurde zu einem Aussichtspunkt am Klingenweiherpark umfunktioniert, angrenzend an das neue Baugebiet.

Wer allerdings großflächige Blumenbeete erwartet, wird etwas enttäuscht. Die Schau titelt mit „Heimatschätze“ und so liegt ein Schwerpunkt der Aktionen und Attraktionen bei den Werten, die typisch für Stadt und Region sind. So wie beim Eingang „Entengraben“ zum Wörnitzpark. Hier wird auf das Handwerk der Korbflechter verwiesen, es gibt archäologische Funde zu bewundern und die Besucher können sich über Tiere und Pflanzen die im Fluss leben informieren. Zentrales Thema war hier der Hochwasserschutz, ohne dass eine unansehnliche Mauer vor den Wassermassen schützen soll. Um den Mühlenweiher herum sind kleine Plätze und Sitzstufen angelegt, das alte Sägewerk ist denkmalgerecht saniert. Dort gibt es während der Gartenschau Kaffee, Kuchen und Snacks. Danach soll das Haus allen Bürgern offen stehen und für Feste angemietet werden können. An der Heubrücke treffen Stadt und Landschaft, Mühlbach und Wörnitz, Wege und Deich aufeinander. Die Kinder können sich auf der „Schatzinsel“ zum zentralen Motto „Vom Glück einen Schatz zu finden“ austoben. Übrigens: Dem Nachwuchs wird es bei dieser Gartenschau nicht langweilig.

Doch auch das Herz des Hobbygärtners wird angesprochen und besonders im südlichen Teil des Wörnitzparks (Haupteingang beim Parkplatz) berührt. Blumenbeete und Themengärten (wie Wasser, Japangarten, Outdoor-Küche) warten mit Anregungen auf, der „Auftritt der Ahorne“ überrascht und auch der Artenschutz wird nicht vergessen. Im Infozentrum „Bayern blüht“ erhalten die Besucher Antworten auf Fragen rund um Pflanzenschutz und Gartengestaltung. Florale Farb- und Wunderwelten beeindrucken in der Indoor-Ausstellung, die alle 14 Tage wechselt (5. bis 18. Juli: Topfgarten; 19. Juli bis 1. August: Farbenrausch mit Sommerblumen). Ideen für Balkon und Terrasse gibt es entlang am Fluss Wörnitz. Ein Tipp: Sich Zeit nehmen und auf die Details achten! Auf einer Aussichtsplattform erhält man einen guten Überblick über das Gelände und im Pavillon stellen sich Städte der Region näher vor. Wer Glück hat, trifft hier schon mal auf eine Hoheit, wie die Apfelkönigin oder die Miss Donau-Ries.

Der kostenlose Shuttlebus spart einiges an Fußweg und so geht es bequem zum Klingenweiherpark. Zwischen Friedhof und Neubaugebiet zieht sich ein grünes Band durch die Natur. Direkt am Eingang befinden sich ein großer Erlebnisspielplatz und ein allerdings etwas enttäuschender Gartenmarkt. Architektonischer Mittelpunkt der Anlage ist der fast einen Kilometer lange Weihersteg aus goldfarbenen Blechen mit der begehbaren „Seerose“. Der Weg führt vorbei an Infoständen von Verbänden, an Bienenhaus, Most-Pavillon und über die Streuobstwiese mit den Präsentationen der Obst- und Gartenbauvereine bis zum „Bett im Kornfeld“. In der Scheune und am Feld der „Ackerschätze“ präsentieren Landwirte der Region viele heimische Feldfrüchte und machen Lust aufs Land. Hier wird am 7. Juli auch der Mittelfränkische Landfrauentag begangen. Das Thema vom 19. bis 22. Juli lautet: „Wildlebensraum Blühfäche“.

Der goldene Steg führt in weiten Serpentinen auf einen kargen, steinigen Hügel: Die ehemalige Erddeponie bietet als „Bergrose“ einen schönen Aussichtspunkt über das Gelände und zum nahen Hesselberg. Auf fast gleicher Höhe gibt es römische Gartenschätze wie Rauke und Schildampfer zu entdecken, schließlich ist der Limes und das Grenzkastell Ruffenhofen nur zehn Kilometer entfernt. Ebenfalls nicht weit entfernt ist der Schlosspark Dennenlohe, der mit dem Auto in fünf Minuten erreicht wird.

Zeit nehmen sollte man sich aber auch für einen Spaziergang durch die malerische Altstadt von Wassertrüdingen, welche die beiden Teile der Gartenschau verbindet. Im Regionalladen „KostBar“ gibt es Spezialitäten zum Genießen oder Mitnehmen und der Sonnenuhrenpark präsentiert sich als ein Ort für alle Generationen. Das gärtnerische Band zieht sich weiter über den Entengraben bis zum neuen Stadtgarten mit Bouleplatz, Rosen- und Staudenbeet.

Mehr als eine Gartenschau:

Preise, Anfahrt und Veranstaltungen

n Öffnungszeiten

Die Gartenschau ist bis 8. September täglich ab 9 Uhr geöffnet. Die Kassen schließen um 17 Uhr (außer bei Abendveranstaltungen).

n Preise

Eintritt für Erwachsene 13,50 Euro sowie für Kinder von 6 bis 17 Jahren 3 Euro.

n Anfahrt/Parken

Wassertrüdingen liegt in Mittelfranken, im Dreieck zwischen Gunzenhausen, Dinkelsbühl und Nördlingen. Ein Parkplatz steht am Eingang Wörnitzpark (Oettinger Straße 56) zur Verfügung. Anreise mit der Bahn möglich (vom Bahnhof Wassertrüdingen fahren regelmäßig Busse zu allen Eingängen). Kostenlose Shuttlebusse verkehren zwischen den Ausstellungsbereichen und der Altstadt.

n Veranstaltungen

Jedes Wochenende neue Aktionen und Musikprogramm sowie wechselnde Themen in den Pavillons. Highlights im Juli: „Tag der Sagen und Märchen“ (6. Juli); Mittelfränkischer Landfrauentag (7. Juli); Blaulicht-Tag (13. Juli); Bläser-Tag (14. Juli); „Spiel ohne Grenzen“ (20./21. Juli); Jugendverbändetag (27. Juli); Tag der geistlichen Musik (28. Juli); Thailandfest (3./4. August). Ein Konzert mit über 600 Bläsern gibt es am 14. Juli von 16 bis 17 Uhr zu hören; „Rodscha und Tom“ treten am 10. August von 16 bis 18 Uhr auf.

Termine und Infos:

www.wassertrüdingen2019.de

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