Es ist ein Feiertag, an dem der Katholizismus Glaube, Brauchtum und festliche Pracht vereint: Am Donnerstag ist Fronleichnam, das „Hochfest des Leibes und Blutes Christi“ - und das bereits seit dem 13. Jahrhundert. Papst Urban IV. machte Fronleichnam 1264 zum offiziellen Fest. Die erste Prozession im heutigen Bayern dürfte es 1286 in Benediktbeuern gegeben haben.
Vielerorts werden die Straßen festlich geschmückt, wenn die Prozession durch den Ort zieht. Eine der bekanntesten Prozessionen in Bayern führt durch die Münchner Innenstadt - das Erzbischöfliche Ordinariat rechnet mit zahlreichen Gläubigen. Kardinal Reinhard Marx, der Erzbischof von München und Freising, kann wegen eines gebrochenen Arms nicht dabei sein, er wird von Weihbischof Rupert Graf zu Stolberg und Generalvikar Christoph Klingan vertreten.
Vielerorts werden auch Heiligenfiguren und andere christliche Kunstwerke geschmückt und durch die Straßen getragen. In Bamberg wird alljährlich für Fronleichnam ein ganz besonderer Schatz aus dem Diözesanmuseum hervorgeholt: Das Domkreuz stammt aus dem 11. Jahrhundert, es ist mit Gold beschlagen, mit Edelsteinen besetzt und 600 Kilogramm schwer. Im Zentrum der Prozessionen steht die Monstranz, die der Priester trägt. In dem kostbaren Gefäß befindet sich eine geweihte Hostie.
Doch inzwischen gibt es auch kritische Stimmen zu Fronleichnam und der damit verbundenen Darstellung religiöser Inhalte. Der bekannte tschechische Theologe und Religionsphilosoph Tomas Halik etwa wendet sich sehr deutlich gegen barocke Prachtentfaltung in der katholischen Kirche: "Die Bemühung, die Volksfrömmigkeit einer prämodernen Gesellschaft nachzuahmen, die längst ihren kulturell-historischen Kontext verloren hat, oder liturgische Barockfeste zu veranstalten, erzeugen im besten Fall Folklore für Touristen, häufiger jedoch eine bedauernswerte Peinlichkeit", schreibt er in seinem Buch "Zeit der leeren Kirchen" (2021).
Der Reformator Martin Luther (1483-1546) hatte eine sehr klare Meinung zu Fronleichnam. Er schrieb einst, er sei keinem Fest "mehr feind" als diesem. "Denn da tut man alle Schmach dem heiligen Sakrament, dass man's nur zum Schauspiel umträgt und eitel Abgötterei damit treibet."













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