10.11.2020 - 17:59 Uhr
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Kommentar zum Notenmarathon mit Maske: Mehr Feingefühl tut not!

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Es ist ein politischer Balanceakt: Wirken die verschärften Corona-Maßnahmen bereits? Wann kann Entwarnung gegeben werden? Jürgen Herda kommentiert Widersprüche der Corona-Schulpolitik.

Eine Lehrerin mit einer Schutzmaske steht vor einer Schulklasse, in der die Schülerinnen einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Das könnte bald flächendeckend angeordnet werden.
von Jürgen Herda Kontakt Profil
Kommentar

Eigentlich ist jetzt Licht am Ende des Corona-Tunnels in Sicht: Nicht ein, wie von Donald Trumps großmäulig angekündigt, US-Konzern, sondern ein deutsches Unternehmen bereitet den Weg zum ersten Impfstoff. Zeit also, um Entwarnung zu geben?

Zu früh zum Durchatmen

Das plante die Staatsregierung für den Schulalltag mit Corona

Weiden in der Oberpfalz

Sicher, es wäre fatal, gerade auf den letzten Metern vorm Ziel leichtsinnig zu werden und noch ehe wirklich etwas erreicht ist im Kampf gegen das Virus vorzeitig den Sieg auszurufen - wie bei einer 1:0-Führung in der 60. Minute. Was im Fußball fahrlässig und in der Politik dummdreist ist, wäre bei einer Pandemie lebensgefährdend.

Dennoch: Gerade jetzt muss die Regierung besonders umsichtig um Verständnis werben. Genau dann, wenn viele Bürger bereits tief und maskenlos durchatmen möchten, müssen Söder und Co. besonders gründlich argumentieren, weshalb sie welche Lockerungen nicht durchgehen lassen wollen. Absolut nachvollziehbar ist es etwa, wegen einer wahrscheinlichen Abflachung der Kurve nicht zur Kursumkehr auf halber Strecke aufzurufen.

Reiter läuft Sturm

Wenn aber wochenlang gepredigt wurde, dass es in Schulen kaum Ansteckungen gegeben habe, überrascht die Absicht, die Maskenpflicht am Platz auszuweiten. Dagegen läuft etwa Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) Sturm.

Insbesondere in einer Situation, in der Schüler, Eltern und Lehrer mit den Nachwirkungen der Unterrichtsausfälle während der ersten Corona-Welle zu kämpfen haben, wäre hier pädagogisches Fingerspitzengefühl besonders wertvoll. So prangert etwas die Landes-Eltern-Vereinigung der Gymnasien in Bayern und der Bayerische Elternverband in einem Brandbrief den Klausuren-Marathon an, vor allem weil das Versprechen der Aufarbeitung von Corona-bedingten Defiziten nicht eingehalten worden sei.

Digitales Chaos

"Das Kultusministerium hat den Takt der Leistungserhebungen seit Schuljahresbeginn so massiv forciert, dass die Kinder und mit ihnen die Familien nur noch ächzen", heißt es darin. Dabei herrsche in vielen Schulen noch immer digitales Chaos, simpelste Lüftungsregeln würden diffus umgesetzt, in Bussen stünden Kinder aller Klassen und Schulen trotz Verstärkerbussen eng an eng.

Solche Widersprüche sorgen für Unmut und Unverständnis. Wer die Corona-Regeln nicht nachvollziehbar findet, wird eher dazu neigen, sie nicht einzuhalten. Dabei täte gerade jetzt ein großer Konsens not.

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