Update 19.10.2020 - 21:49 Uhr
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"Lockdown" für Berchtesgadener Land ab Dienstagmittag

Immer mehr Regionen in Bayern überschreiten kritische Marken bei den Corona-Zahlen. Der Ministerpräsident warnt vor einem neuen landesweiten Lockdown. Im Berchtesgardener Land ist es ab Dienstagmittag soweit.

Markus Söder (CSU), Ministerpräsident von Bayern, spricht vor Beginn einer Videokonferenz des CSU-Vorstands auf einer Pressekonferenz.
von Agentur DPAProfil

Angesichts einer ungebremsten Ausbreitung des Coronavirus gelten im Kreis Berchtesgadener Land ab Dienstagmittag die bayernweit ersten Ausgangsbeschränkungen seit dem Lockdown im Frühjahr. Die eigene Wohnung darf ab 14 Uhr nur noch aus triftigen Gründen verlassen werden. Schulen, Kitas, Freizeiteinrichtungen und Restaurants müssen schließen, Veranstaltungen werden untersagt. Die drastischen Einschnitte verkündeten Agrarministerin Michaela Kaniber (CSU) und Landrat Bernhard Kern am Montagabend in Bad Reichenhall.

Nach Angaben Kanibers lag die sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz - die Zahl der Corona-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen - am Montagabend bei 272,8. Alleine seit Montag habe es 57 Neuinfektionen gegeben. Das Robert Koch-Institut hatte am Montag (Stand: 0 Uhr) für den Landkreis noch eine Sieben-Tage-Inzidenz

von 252,1 gemeldet - das war zunächst ein bundesweiter Rekord.

Kontakte werden beschränkt

Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte bereits am Montagmittag angekündigt, das öffentliche Leben müsse im Berchtesgadener Land heruntergefahren werden. "Anders geht es nicht", sagte Söder nach einer Schalte des CSU-Vorstands in Nürnberg. Die Kontakte der Infizierten könnten dort nicht mehr verfolgt werden. "Also müssen Kontakte fundamental beschränkt werden", sagte der CSU-Chef.

Der Landkreis ganz im Südosten ist mit einer Bevölkerungsdichte von 126 pro Quadratkilometer vergleichsweise dünn besiedelt. Wie es zu der Infektionswelle kommen konnte, ist nicht genau geklärt. "Ausgangspunkt war auch wieder eine entsprechende Party", sagte Söder. Möglicherweise kommen noch weitere Infektionsherde infrage.

Maßnahmen gelten bis 2. November

Insgesamt werden kritische Corona-Werte derzeit in mehr als der Hälfte des Freistaats überschritten. Von Dienstag an gelten in mittlerweile 57 der 96 Landkreise und kreisfreien Städte eine schärfere Maskenpflicht auch am Arbeitsplatz, strikte Kontaktbeschränkungen und eine Sperrstunde in der Gastronomie. Im Kreis Berchtesgadener Land aber greifen von Dienstag an zunächst bis zum 2. November die mit Abstand schärfsten Anti-Corona-Maßnahmen.

Für Schul- und Kita-Kinder gibt es lediglich Notbetreuungs-Angebote. Gottesdienste sind die einzigen Veranstaltungen, die stattfinden dürfen. Restaurants dürfen nur Speisen zum Mitnehmen anbieten, und dies auch nur bis 20 Uhr. Schließen müssen unter anderem Sauna- und Badeanstalten, Kinos, Tagungs- und Veranstaltungsräume, Clubs, Bars und Diskotheken, Spielhallen, Theater, Vereinsräume, Bordelle, Museen, Sporthallen, Sport- und Spielplätze, Fitnessstudios, Bibliotheken, Tierparks, Musik- und Volkshochschulen. Hotels dürfen nur noch Geschäftsreisende aufnehmen. In Kliniken, Alten- und Pflegeheime gelten strikte Besuchsverbote.

Zu triftigen Gründen für das Verlassen der Wohnung zählen dort beispielsweise die Ausübung beruflicher Tätigkeiten, nötige Einkäufe, aber auch Sport und Bewegung an der frischen Luft - dies aber nur alleine oder mit Angehörigen des eigenen Hausstands, wie Landrat Kern sagte. Die "Daumenschrauben" müssten nun angezogen werden.

29 Landkreis über 50er-Marke

57 Landkreise und kreisfreie Städte hatten in den vergangenen Tagen die Marke von 35 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen überschritten, 29 davon liegen oder lagen sogar über der noch kritischeren 50er-Marke. Schon bei einer Sieben-Tages-Inzidenz von 35 gilt eine verschärfte Maskenpflicht auch auf stark besuchten öffentlichen Plätzen, am Arbeitsplatz und in Schulen, ab Überschreiten des 50er-Werts auch in Grundschulen und Horten.

Die landesweit gültige Corona-Ampel sieht zudem vor, dass sich bei Werten über 35 in den Regionen - egal wo - nur noch Bewohner von zwei Hausständen oder maximal 10 Personen treffen dürfen. Bei einer sogenannten Sieben-Tages-Inzidenz von mehr als 50 dürfen sich dann nur noch zwei Hausstände oder maximal fünf Personen treffen. Diese Beschränkungen gelten auch für alle Arten von privaten Feiern.

Mehr Solidarität im Kampf gegen das Virus

Zudem gelten bei hohen Corona-Zahlen regional inzwischen strikte Sperrstunden in der Gastronomie. Bei Überschreiten des 35er-Werts müssen Gaststätten um 23 Uhr schließen, bei einer Sieben-Tages-Inzidenz von mehr als 50 sogar schon ab 22 Uhr. Söder rief die gesamte Bevölkerung - und ausdrücklich nicht nur junge Menschen - zum gemeinsamen Kampf gegen das Virus und mehr Solidarität auf. "Es geht nicht darum, dass man dem Staat folgt", sagte er. Es gehe nicht um Obrigkeitsdenken. "Wir brauchen Solidarität unter den Generationen und Solidarität einer Gesellschaft." Man müsse die besonders Schwachen und die besonders Gefährdeten gemeinsam schützen.

Regierungserklärung am Mittwoch

Bislang sei Deutschland ohne einen neuen landesweiten Lockdown ausgekommen, sagte Söder. Wenn dies so bleiben solle, müsse man nun "ernsthaft gemeinschaftliche Maßnahmen ergreifen". "Entweder schaffen wir es, in den nächsten vier Wochen wieder die Zahlen unter Kontrolle zu bekommen - oder es wird sehr schwierig", sagte er nach Angaben von Teilnehmern in der Schalte. "Dann wird es ein einsames Weihnachten."

Für diesen Mittwoch kündigte Söder eine Regierungserklärung im bayerischen Landtag an. Er wolle sich darin "umfassend mit der Konzeption, der Strategie, aber auch der Frage beschäftigen, wie es weitergeht", sagte er. Zudem solle es um weitere Hilfen für von der Coronakrise betroffene Branchen gehen.

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