Reaktionen der Kirche
Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer: "Sowohl das Bistum Regensburg und als auch ich ganz persönlich Papst Benedikt emeritus Benedikt zutiefst dankbar und werden alles daran setzen, das große Erbe, das er uns hinterlassen hat, fruchtbar zu machen für die Zukunft der Kirche."
Privatsekretär von Papst Benedikt XVI., Erzbischof Georg Gänswein: Benedikt sei „kein gefühlloser Papstautomat“ gewesen, schrieb Gänswein in einem Beitrag für die „Bild“, der am Samstag wenige Stunden nach dem Tod des früheren Papstes veröffentlicht wurde. „Er war und blieb auch auf dem Thron Petri ganz und gar Mensch.“ Zugleich betonte Gänswein, dass dem früheren Papst der Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche sehr nahe gegangen sei. „Von seinen Reisen bleibt mir besonders die Begegnung mit Missbrauchsopfern auf Malta 2010 unvergessen. Der Papst hat still zugehört und die aufgewühlten Herzen der Betroffenen getröstet. Mehr als Worte vermochten seine bloße Präsenz und seine Tränen, die er nicht unterdrücken konnte“, schrieb Gänswein. „Die Beschämung über das Geschehene führte zur Bekräftigung des Heiligen Vaters, alles zu tun, damit sich solche Fälle nicht wiederholen.“
Passauer Bischof Stefan Oster bezeichnete Benedikt in einem am Samstag verbreiteten Nachruf als „großen Sohn unserer Heimat und unseres Bistums“, er sei ein „Denker mit dem Herzen“ gewesen. Zum Thema Missbrauch sagte er: „Wir verlieren einen Mann, der in den letzten Jahren seines Lebens noch sehen musste und auch eingestanden hat, als Erzbischof von München und Freising Betroffene von sexuellem Missbrauch in der Kirche zu wenig im Blick gehabt zu haben.“ Als Präfekt der Glaubenskongregation habe Benedikt aber entscheidend dazu beigetragen, „dass das Problem des Missbrauchs in der Kirche in seiner ganzen Dramatik erkannt wurde und der deshalb wesentliche Veränderungen angestoßen hat“.
Georg Bätzing, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz: "Papst Benedikt XVI. war ein beeindruckender Theologe und erfahrener Hirte. Er hat die Stimme des Evangeliums – gelegen oder ungelegen – hörbar gemacht." Mit hohem Respekt denke er an Benedikts mutige Rücktrittsentscheidung 2013 zurück. Bätzing erinnerte auch an den Brief, mit dem Benedikt Anfang dieses Jahres auf die Veröffentlichung des Münchner Missbrauchsgutachtens reagiert hatte. "Die Betroffenen hat er um Vergebung gebeten und doch blieben Fragen offen", so Bätzing. Das Gutachten hatte Benedikt mehrfaches Fehlverhalten im Umgang mit Missbrauchsfällen während seiner Zeit als Erzbischof von München und Freising vorgeworfen.
Franz Haringer, theologische Leiter des Geburtshauses von Benedikt XVI. in Marktl am Inn: „Dankbar erinnern wir uns zurück an sein Wirken als Professor der Theologie, als Bischof, Kardinal und Papst. Auch in den Jahren nach seinem Rücktritt vom Petrusdienst hat er seine Gebete und sein Denken in den Dienst der Kirche gestellt. In seinem Geburtshaus in Marktl am Inn bleibt es weiterhin die ehrenvolle Aufgabe, seinen Lebensweg und sein theologisches Vermächtnis zu bewahren. Ich bin überzeugt, dass sein Leben, Glauben und Denken für die Gläubigen wie für alle fragenden Menschen auch in Zukunft eine Vielzahl von Impulsen bereithält.“
Kardinal Reinhard Marx, Erzbischof von München und Freising: „Benedikt XVI. war ein großer Papst, der sein Hirtenamt stets mit Freimut und starkem Glauben ausübte. Als Theologe prägte und prägt er die Kirche lange und nachhaltig. Die christliche Prägung Bayerns und die lebendigen Ausdrucksformen der Frömmigkeit zu fördern, war ihm stets ein wichtiges Anliegen. Wir sind ihm zutiefst dankbar für seinen jahrzehntelangen Einsatz, seine exzellente Theologie und sein beeindruckendes Lebens- und Glaubenszeugnis. Sein Vermächtnis wird weiterwirken.“
Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki: „Er war ein tiefer geistlicher Denker. Seine Theologie hat ungezählte Menschen in ihrem Glauben geprägt und bestärkt - genauso wie die Demut und der Mut, mit denen er all seine Ämter ausfüllte."
Eichstätts Bischof Gregor Maria Hanke hat den verstorbenen emeritierten Papst Benedikt XVI. gewürdigt. In die Trauer mische sich Dankbarkeit für das Lebenswerk des „letzten großen Impulsgebers und Theologen des II. Vatikanischen Konzils.“
Heinrich Bedford-Strohm, evangelischer Landesbischof in Bayern: „Ich spreche Papst Franziskus und seiner ganzen Kirche meine herzliche Anteilnahme am Tod von Papst Emeritus Benedikt XVI. aus. Ich habe großen Respekt vor dem Lebenswerk des früheren Papstes. Ganz besonders vor seiner theologischen Gelehrsamkeit. Viele Bücher zeugen davon. Benedikt hat sich immer um den ökumenischen Dialog bemüht. Er hat beim Zustandekommen der Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre 1999 mit den lutherischen Kirchen eine wichtige Rolle gespielt. Was die Ökumene angeht, ist die Bilanz aber gemischt. Bei den Protestanten hat die Erklärung 'Dominus Jesus', die der damalige Kardinal Ratzinger als Präfekt der Glaubenskongregation 2000 veröffentlicht hat, Verletzungen hinterlassen, die nachgewirkt haben. Dort heißt es, die protestantischen Kirchen seien nicht 'Kirche im eigentlichen Sinne'. Die damit verbundene Vorstellung, dass die katholische Kirche die eigentliche Kirche ist und die anderen Kirchen nur 'kirchliche Gemeinschaften', ist kein wirklich tragfähiges Konzept von Ökumene."
Justin Welby, Erzbischof von Canterbury: "Er hatte in allen Dingen, nicht zuletzt in seinen Schriften und seinen Predigten, seinen Blick auf Jesus Christus gerichtet, die Verkörperung des unsichtbaren Gottes." Benedikt habe zudem mit seiner Entscheidung zum Rücktritt vom Amt des katholischen Kirchenoberhaupts die "Zerbrechlichkeit des Menschen" anerkannt.
Reaktionen aus der Politik
Bayerns Ministerpräsident Markus Söder: "Der Tod von Benedikt XVI. berührt mich genau wie viele Menschen in Bayern und aller Welt sehr. In bewegten und herausfordernden Zeiten war er das religiöse Oberhaupt der katholischen Gläubigen. Viele Menschen in seiner Heimat werden ihn nicht nur als Papst Benedikt XVI., sondern auch als bescheidenen Seelsorger in dankbarer Erinnerung behalten. Er gab vielen Menschen Kraft und Orientierung. Zugleich hat sich Benedikt XVI. auch der Verantwortung für schwierige Phasen in seinem Wirken stellen müssen. Unvergessen ist sein mehrtägiger Besuch in Bayern als neuer Papst, der seine Liebe zu Land und Leuten zum Ausdruck brachte. Er trug seine Heimat immer im Herzen."
Regensburger Bundestagsabgeordneten Peter Aumer: "Mit dem Tod des emeritierten Papstes Benedikt XVI. haben wir eine beeindruckende Persönlichkeit verloren. Sein Intellekt aber vor allem auch seine Bescheidenheit und Bodenständigkeit haben mich tief beeindruckt. Ich erinnere mich noch gut an eine Begegnung im Jahr 2011 in Rom. Ein sehr emotionaler Moment, der mich tief berührt hat."
Bundeskanzler Olaf Scholz auf Twitter: "Als "deutscher" Papst war Benedikt XVI. für viele nicht nur hierzulande ein besonderer Kirchenführer. Die Welt verliert eine prägende Figur der katholischen Kirche, eine streitbare Persönlichkeit und einen klugen Theologen. Meine Gedanken sind bei Papst Franziskus."
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier: "Die Einheit der Christenheit und der Dialog der Religionen, das Miteinander von Religion und Gesellschaft lagen ihm besonders am Herzen. Er suchte das Gespräch mit Juden und Muslimen sowie allen christlichen Konfessionen weltweit." Schon im Wirken des Professors Joseph Ratzinger habe sich hohe theologische und philosophische Bildung mit verständlicher Sprache verbunden. "Deswegen fanden viele Menschen, nicht nur Katholiken, in seinen Schriften und Ansprachen klare Orientierung. Er hat sich dem Suchen und Fragen der Menschen gestellt."
Bundesfinanzminister Christian Lindner auf Twitter: "Der erste deutsche Papst seit 482 Jahren ist heute verstorben. Benedikt XVI war eine geschichtsträchtige Persönlichkeit und ein nicht unumstrittener Intellektueller. Heute aber gedenken wir seiner als Menschen."
Friedrich Merz, Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion: "Papst Benedikt hat vor allem in seinem Heimatland Deutschland eine neue Hinwendung zur katholischen Kirche über alle Generationen hinweg auslösen können. Wir verneigen uns in Trauer und Dankbarkeit vor dem Lebenswerk des Heiligen Vaters Papst Benedikt XVI."
Bayerns Sozialministerin Ulrike Scharf: „Der Tod Papst Benedikt XVI. ist ein großer Verlust für die katholische Kirche und die Gemeinschaft der Gläubigen. Als Papst gab er Millionen Christen auf der ganzen Welt Orientierung und Halt. Seiner bayerischen Heimat und dem sozialen Leben in Bayern blieb er dabei ein Leben lang eng verbunden. Wir verlieren mit ihm einen großen Papst und Theologen im Dienste der Menschen und der sozialen Gerechtigkeit. Politik und Wirtschaft müssen ihr Tun immer am Menschen orientieren – dieser Aufruf aus der Sozialenzyklika ist aktuell wie nie. Seine Verdienste für die Menschen, die Gläubigen in aller Welt und die katholische Kirche wirken nach!“
Bayerns Landtagspräsidentin Ilse Aigner: „Als Benedikt XVI. erkannte, dass seine Kräfte nicht mehr reichten, legte er - als erster Papst seit 719 Jahren - sein Amt nieder. Diese mutige und historische Entscheidung spiegelte in besonderer Weise sein großes Verantwortungsbewusstsein wider. Ich habe ihn als sehr warmherzigen Menschen empfunden. Die Begegnungen mit ihm werde ich in dankbarer Erinnerung behalten.“
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen: "Der Tod von Papst Benedikt macht mich traurig. Mein Mitgefühl gilt allen Katholiken. Er hat mit seinem Rücktritt ein starkes Zeichen gesetzt. Er sah sich selbst zuerst als Diener Gottes und seiner Kirche. Als seine körperliche Kraft schwand, diente er weiter durch die Kraft seiner Gebete."
Russlands Präsident Wladimir Putin: "Benedikt XVI. war ein prominenter Ordensmann und Staatsmann, ein überzeugter Verteidiger traditioneller christlicher Werte", heißt es in dem vom Kreml am Samstag veröffentlichten Beileidsschreiben. Während seines Pontifikats seien vollwertige Beziehungen zwischen Moskau und dem Vatikan aufgenommen und die Beziehungen zwischen der russisch-orthodoxen und römisch-katholischen Kirche entwickelt worden. "Ich hatte die Gelegenheit, mich mit dieser herausragenden Person auszutauschen, und ich werde für immer die schönsten Erinnerungen an ihn bewahren", schrieb Putin weiter. Und an Benedikts Nachfolger Franziskus gewandt: "Ich möchte Ihnen in dieser traurigen Stunde die Worte aufrichtiger Anteilnahme übermitteln."
US-Präsident Joe Biden hat den gestorbenen emeritierten Papst Benedikt XVI. als angesehenen Theologen und hingebungsvollen Kirchenmann gewürdigt. "Er wird als renommierter Theologe in Erinnerung bleiben, der sich ein Leben lang mit Hingabe für die Kirche einsetzte und sich dabei von seinen Prinzipien und seinem Glauben leiten ließ", hieß es am Samstag in einer schriftlichen Stellungnahme des Präsidenten.
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron: "Meine Gedanken sind bei den Katholiken in Frankreich und der ganzen Welt, die um Seine Heiligkeit Benedikt XVI. trauern, der sich mit Seele und Verstand für eine brüderlichere Welt eingesetzt hat."
Polens Präsident Andrzej Duda: "Die Welt hat einen der außerordentlichsten Theologen des 20. und 21. Jahrhunderts verloren." Mit seinem Leben, seinem Werk und seinem pastoralen Dienst habe er wie ein Wegweiser durch die verwundenen und trügerischen Straßen der Gegenwart gewirkt.
Polens Regierungschef Mateusz Morawiecki beschrieb den Verstorbenen als einen "großen katholischen Denker, eine geistliche Autorität und einen - wenngleich bescheidenen - Menschen außergewöhnlichen Formats". Ratzinger habe als langjähriger Vorsitzender der Glaubenskongregation eng mit dem aus Polen stammenden Papst Johannes Paul II. zusammengearbeitet. "Vielleicht hatte er deshalb ein besonderes Verhältnis zu unserem Land."
Italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni nannte Benedikt „einen Mann aus Liebe zum Herrn, der sein Leben in den Dienst der Weltkirche gestellt hat und mit der geistigen, kulturellen und intellektuellen Tiefe seines Lehramtes zu den Herzen und Köpfen der Menschen gesprochen hat und weiterhin sprechen wird“.

















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