19.10.2018 - 09:59 Uhr
BayernDeutschland & Welt

Zarte Wilde

Auf ihrem aktuellen Album hat sich die bayerische Liedermacherin Karin Rabhansl gleich die ganz großen existenziellen Themen vorgenommen, wie bereits der Titel des Werks verrät: "Tod & Teufel".

„Tod & Teufel“, das vierte Studioalbum der Sängerin und Gitarristin aus dem niederbayerischen Trautmannsdorf, ist eine Mörder-Scheibe geworden: Leichtfüßig grenzüberschreitend, frei von jeglicher Befindlichkeitssäuselei und weder Kaff noch Großstadt (weil du das Mädchen zwar aus dem Wald, aber den Wald nicht aus dem Mädchen kriegst).
von Autor MFGProfil

"Ich fürchte, jeder Mensch muss sich seinen Dämonen irgendwann stellen", seufzt sie. "Denn jeder Mensch besitzt Dämonen, denen kommt er nicht aus. Schon auf meinen letzten Platten waren düstere Klänge zu hören. Aber jetzt habe ich mich diesen Tönen ganz bewusst gestellt. Wobei ich im Morbiden viel Spaß gefunden habe. Ich wollte Tod und Teufel nicht gar so ernst nehmen. Man darf auch nicht vergessen, dass Wien meine Lieblingsstadt ist. Vor allem der Zentralfriedhof dort. Es ist so ruhig da. Es geht entspannt zu an diesem Platz. Und nein - ich hege keine Selbstmordabsichten."

Dass dem so ist, merkt man schon der Musik von "Tod & Teufel" an: "Pop raus, Rock rein", lautete die Devise unmissverständlich. "Dieses Motto war ein Befreiungsschlag", jubiliert die gebürtige Passauerin und Wahl-Nürnbergerin. "Die neue Platte ist was ganz Besonderes, Aufbruchsstimmung herrscht allerorten. Das beweist bereits der Umstand, dass ich schon mal auf Hochdeutsch statt in meinem niederbayerischen Slang singe."

Denn: "Warum ich zwischen all meine bayerischen Texte auch mal ein Lied auf Hochdeutsch im Programm habe", beantwortet Karin Rabhansl die Frage des Reporters mit einer Gegenfrage. Um gleich darauf munter zu erklären: "Das Bayerische ist recht derb, deshalb singe ich das meiste in meiner Heimatsprache", lacht die Niederbayerin vergnügt. "weil ich bin schon mal eine recht hemdsärmelige Person. Aber wenn es um einfühlsamere Inhalte geht, um für mich Wegweisendes, dann funktioniert das nur in elegantem Hochdeutsch. Manche der Inhalte auf meiner aktuellen CD sind eher trist. Die kommen am Ende ,für jeden Menschen verständlich gesungen, überzeugender rüber."

Karin Rabhansl wurde in der Nähe von Passau geboren und lebt seit rund sieben Jahren in Nürnberg. Die aparte Blondine hat nach der Schule eine Banklehre hinter sich gebracht, "was Solides vor allem für die Eltern", schmunzelt sie, danach hat sie drei Jahre lang die renommierte "Berufsfachschule für Musik" in Dinkelsbühl absolviert, "das war eine Sache, die ich in erster Linie für mich getan habe." Denn tatsächlich wollte die heute 31-Jährige seit ihrer Jugend Profi-Musikerin werden, "das ist meine Lebensaufgabe, dagegen möchte ich nicht ankämpfen, ich habe mit 17 meine ersten eigenen Lieder komponiert."

Sich selbst sieht Karin Rabhansl schlicht als "Gitarrenmädchen, das Popmusik macht". Was nicht ganz stimmt, denn tatsächlich ist die junge Frau ein Talent, das ähnlich wie Claudia Koreck auf der weiblichen oder Stefan Dettl auf der männlichen Seite die besondere Gabe besitzt, den Heimat-Gedanken mit trans-globaler moderner Musik zu verbinden. "Stimmt schon", grübelt Rabhansl, "denn in der Tat liebe ich klassische Liedermacher wie Reinhard Mey oder Konstantin Wecker, auf der anderen Seite sind Alternative-Ikonen wie P. J. Harvey oder Radiohead große Helden von mir. Und auch Deutschrock-Heroen wie Tomte, Element Of Crime sowie Tocotronic sind mir mit ihren Songs richtig nahe."

"Tod & Teufel" ist, bei allem Ernst der Thematik, ein auf irritierende Weise federleichtes Werk, das aber immer wieder in die Seelen-Landschaften einer leidenschaftlichen, nachdenklichen jungen Frau blicken lässt. "Ich wirke gerne tough nach außen", zuckt Karin Rebhansl mit den Schultern, "aber auf Dauer taugt mir diese coole Rolle auch nicht."

Ab sofort ist die "zarte Wilde" wieder in ihrem großen Element - auf der Bühne, zusammen mit den drei Kumpanen in ihrer Band. "Wir sind ziemlich rockig unterwegs, wenn es live zur Sache geht", erzählt die Niederbayerin. "Und außerdem bin ich jedes Mal aufs Neue nervös, wenn ich raus ins Rampenlicht muss. Doch das ist gut so. Wenn ich aufgeregt bin, steht einem unvergleichlichen Auftritt nichts mehr im Weg."

Am Samstag, 27. Oktober (20 Uhr) gastieren Karin Rabhansl mit Band auf der "Tod & Teufel"-Tour im Musicclub "Salute" (Weingasse 5) in Rothenstadt bei Weiden. Karten unter Telefon 0961/4701033 und an der Abendkasse.

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