06.09.2019 - 09:28 Uhr
BayernDeutschland & Welt

Die Zunge des Ministerpräsidenten

Dieses Foto ging um die Welt: Albert Einstein mit herausgestreckter Zunge. Dieses Foto fand eine Leserin "respektlos": Markus Söder mit herausgestreckter Zunge.

Das Bild, dessen Veröffentlichung eine Leserin kritisiert hat.
von Jürgen Kandziora Kontakt Profil

Fangen wir bei Einstein an: Was steckt hinter dem berühmten Zungen-Foto? Bei www.planet-wissen.de kann man nachlesen: "Das ,Zungenbild' entstand am Rande seines 72. Geburtstags, am 14. März 1951 in Princeton. (...) Einstein wurde an diesem Ehrentag immer wieder von Fotografen bedrängt - schließlich war Einstein ein Medienstar. (...) Doch Einstein war der ganze Medienrummel zuwider. Beim Verlassen der Feier nach dem Lunch konnte er den Kameras aber nicht mehr entgehen. Er sollte sogar in Geburtstagspose in die Kamera lächeln. Schon hatte er im Fond der Limousine (...) Platz genommen. (...) Immer wieder sagte Einstein: ,Es ist genug, es ist genug ...', aber die Paparazzi gaben keine Ruhe. Sich der Konsequenzen durchaus bewusst, streckte er mit seinem schalkhaften Lachen dem verblüfften Fotografen Arthur Sasse die Zunge heraus. Der drückte auf den Auslöser und so entstand das Foto, das um die Welt gehen würde. Nur nicht sofort."

Damit zu Markus Söders Zungen-Moment, festgehalten bei der Landesversammlung der Jungen Union in Freystadt, veröffentlicht am vergangenen Samstag auf Seite eins unserer Zeitung. "Die Ausgabe hat nicht nur bei mir Unverständnis ausgelöst, sondern auch bei vielen Lesern in meiner Region", ließ uns Sieglinde S. wissen und vertrat die Meinung: "Das Foto (...) unseres Ministerpräsidenten zu verwenden, ist respektlos. Achtsamkeit und Respekt untereinander gehören zu einem guten Miteinander, das lernten wir in unserem Elternhaus."

Bei der Veröffentlichung des Söders-Bildes in unserer Zeitung hat leider etwas Entscheidendes gefehlt: der Hinweis, warum der Ministerpräsident die Zunge gezeigt hat. Im von der Deutschen Presse-Agentur (dpa) mit angebotenen Text zum Foto hatte es unter anderem geheißen: "Markus Söder (...) steht nach seiner Rede mit durchgeschwitztem Hemd auf der Bühne und streckt aufgrund der warmen Temperaturen die Zunge heraus." Damit wäre das ungewöhnliche Bild von den Lesern besser zu verstehen und einzuordnen gewesen. Ob es richtig oder falsch war, so ein Bild überhaupt zu bringen, lässt sich schwer sagen. Gelungen oder nicht, das ist ohnehin fast nur Geschmackssache.

Zumal für Markus Söder gilt: Er ist sicherlich ein Meister der Selbstinszenierung (siehe auch Fasching in Veitshöchheim) und Medienprofi durch und durch, der genau weiß, was er tut, wenn eine Kamera auf ihn gerichtet ist. Betrachtet man das Bild etwas genauer, glaubt man zu erkennen, dass er die Zunge gezielt in Richtung der Fotografen herausstreckt. Möglicherweise wollte Söder diesen Schnappschuss haben, nach dem Motto: Könnte cool aussehen, man ist schließlich beim CSU-Nachwuchs zu Gast. Nur eine Vermutung, aber vielleicht gar nicht so abwegig.

Fazit: Ohne die Erklärung für die Zunge hätte ich das Söder-Bild nicht veröffentlicht, weil es sich dem Leser so nicht erschließt und er daraus falsche Schlüsse ziehen kann. Mit dem entsprechenden Hinweis hätte ich es ebenfalls auf die Seite eins gestellt, zumal es durchaus ein Hingucker ist. Respektlos finde ich die Verwendung des Fotos nicht. Zeigt es doch einen Politiker, der auch mal auf Konventionen pfeift. Und Söder als Mensch.

Post von Lesern:

Beruf spielt hier keine Rolle

„Mit Befremden“ hat Katja K. in unserer Zeitung den Bericht über einen Unfall auf der A93 bei Pechbrunn gelesen: „In welchem Zusammenhang steht der Beruf (hier Zahnarzt) des Unfallbeteiligten mit dem eigentlichen Hergangs des Unfalls? Bedient sich der Berichterstatter etwa an dem Klischee, dass Zahnärzte in der Regel Porsche fahren? Ein Bericht sollte sachlich sein und keine Ressentiments schüren.“ Ihre Kritik sei berechtigt, antwortete ich der Leserin und schrieb ihr: „Der Beruf des Unfallbeteiligten spielt hier überhaupt keine Rolle, ihn zu erwähnen, ist auch nach meiner Auffassung überflüssig. Der Beruf hat nichts mit dem Geschehen zu tun, das im privaten Umfeld des Mannes stattfand. Er war als Verkehrsteilnehmer auf einer Straße unterwegs. Der Beruf ist in diesem Fall für die Öffentlichkeit nicht von Belang.

Allerdings glaube ich nicht, dass es die Absicht des Verfassers war, das Klischee ,Zahnarzt ist gleich Porschefahrer‘ zu bedienen. Ich vermute vielmehr, dass seitens der Polizei die Info zum Beruf kam. Darauf deutet ein wörtliches Zitat im Text hin: ,Wie durch ein Wunder ist dem Zahnarzt nichts passiert‘, so eine Sprecherin der Verkehrspolizei Weiden. Hier hätte man dann aber besser schreiben sollen: ,Wie durch ein Wunder‘ sei dem Mann nichts passiert.“

Post von Lesern:

Der Borkenkäfer ist kein Ossi

„Der Borkenkäfer ist ein Ossi“: Diese Schlagzeile missfiel Leserin Sieglinde S. Wenn es in dem Text darum gegangen wäre, dass der Borkenkäfer in Ostdeutschland sein Unwesen treibt, wäre die Überschrift okay gewesen. Doch vornehmlich war in dem Artikel davon die Rede, dass der Plagegeist in der westlichen und mittleren Oberpfalz so gut wie gar nicht vorkomme, er im Norden und Nordosten hingegen viel Schaden anrichte. Vom Borkenkäfer als Ossi zu sprechen, war also falsch. Was auch Leser Helmut P. so sah: „Weil in Sachsen die Bundeswehr im Kampf gegen den Schädling im Einsatz ist, ist der Käfer doch kein Ossi.“

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