Bayreuth
08.02.2022 - 12:25 Uhr

Nach Doppelmord von Mistelbach: Praxis-Partner kämpft mit Geldsorgen

Während im Fall des Doppelmordes von Mistelbach die Ermittlungen noch laufen, bekommt die Gemeinschaftspraxis, an der der getötete Kinderarzt beteiligt war, nun die wirtschaftlichen Folgen schmerzhaft zu spüren.

Gerald Hofner und seine Mitarbeiter müssen den Start der Gemeinschaftspraxis „med4kidz“ in Bayreuth nun ohne den getöteten Partner stemmen. Bild: Ralf Münch
Gerald Hofner und seine Mitarbeiter müssen den Start der Gemeinschaftspraxis „med4kidz“ in Bayreuth nun ohne den getöteten Partner stemmen.

Von Peter Rauscher

Der Doppelmord an dem Arztehepaar in Mistelbach Anfang Januar hat nicht nur zwei Menschenleben ausgelöscht und eine Familie zerstört, sondern auch eine große neue Kinderarztpraxis wirtschaftlich ins Schlingern gebracht. Doch Hilfe kommt von vielen Seiten.

Wie berichtet, hatte das Mordopfer Dr. Stefan S. zusammen mit seinem Kollegen und Partner Dr. Gerald Hofner die Einrichtung und den Betrieb der Gemeinschaftspraxis Med4Kidz im Spinnereigebäude über dem Medcenter geplant.

Drei Tage vor der Eröffnung der Praxis fielen seine Frau und er einem Doppelmord zum Opfer. Der 18-jährige Freund der ältesten Tochter wurde verhaftet, die Ermittlungen laufen noch. Die Praxis mit 40 Beschäftigten, davon zehn Kinderärzte, musste ohne einen der beiden Chefs starten. „Sie wird auch sehr gut von unseren Patienten angenommen“, sagt Hofner jetzt dem "Nordbayerischen Kurier".

Dennoch bedeutet der Tod von Dr. Stefan S. nicht nur den Verlust eines geschätzten Kollegen und Menschen, er hat auch gravierende wirtschaftliche Folgen.

Große Investition

Die Einrichtung der neuen Praxis auf knapp 1000 Quadratmetern war eine große Investition. Nicht einmal die Hälfte davon sei bei der Eröffnung bereits gezahlt gewesen, sagt Hofner. Nun warten die Handwerker auf ihr Geld, doch die Banken können den Finanzierungsanteil, den Dr. S. übernehmen wollte, nicht auszahlen, weil der Mann tot ist.

Ihm als Rechtsnachfolger drohe nun ein Liquiditätsengpass, sagt Hofner. Deshalb hat er über eine Spendenplattform im Internet begonnen, Geld einzusammeln. Auf der Plattform „betterplace.me“ schreibt Hofner, im Vordergrund stehe nun das Wohlergehen der vier minderjährigen Kinder des ermordeten Ehepaars. Sie brauchten aber zunächst die Chance, das schreckliche Geschehen abseits jeder Öffentlichkeit bewältigen zu können.

Das Zentrum Med4Kidz sei ein Herzensprojekt von Stefan S. gewesen, das sich auch überregional um Randgruppen der Medizin und Kinder aus schwierigen sozialen Verhältnissen kümmern soll.

Mit dem Rücken zur Wand

Der Mord habe die Finanzierung platzen lassen. „Als Rechtsnachfolger stehe ich nun als Privatmensch mit dem Rücken zur Wand“, schreibt Hofner. Er bitte um Geldgeschenke – aus steuerlichen Gründen keine Spenden - , weil das Geld knapp zu werden droht.

Die geschenkte Summe werde ihm einen größeren Spielraum verschaffen, damit das Zentrum funktionieren könne. Er gehe davon aus, dass sich die Praxis in einigen Jahren sehr gut tragen werde. „Dann soll die gesamte Summe, die auf diesem Weg bei mir angekommen ist, an karitative Zwecke weitergeleitet werden“, schreibt Hofner.

Am Herzen liege ihm vor allem die körperliche und seelische Gesundheit von Waisenkindern, und anderen Kindern, deren Chancen auf ein gutes Leben in der Gesellschaft beeinträchtigt seien.

Hofner kündigt an, auf seinem Twitter-Account in regelmäßigen Abständen über die Entwicklung von med4kidz zu berichten, auch darüber, für welche karitativen Zwecke die geschenkten Gelder letztlich eingesetzt werden.

Der Sammelaufruf in den sozialen Medien schlug offenbar ein wie eine Bombe. Binnen zwölf Stunden kamen bereits mehr als 90 Prozent des Ziels von 200.000 Euro zusammen. Hofner ist überwältigt von der Resonanz: „Wenn sogar noch etwas mehr Geld zusammenkommen sollte, wäre es toll.“

Bayreuth21.01.2022
 
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