10.05.2020 - 14:39 Uhr
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Die erste Professur für Sportökologie an der Universität Bayreuth

Skifahren, Klettern oder Kanufahren: Sport an der frischen Luft ist gesund, für die Menschen. Die Natur leitet unter Outdoor-Sport. An der Uni Bayreuth gibt es den ersten Professor, der das untersucht - unter anderem in der Oberpfalz.

Manuel Steinbauer, Professor für Sportökologie an der Uni Bayreuth, steht hier im Winter auf der Anlage des Langlaufzentrums Fichtelberg neben einer Schneekanone.
von Redaktion ONETZProfil

Nach Angaben des Bundesumweltministeriums treiben mehr als 15 Millionen Menschen in Deutschland wöchentlich Sport im Freien. Tiere und Pflanzen leiden, auch wenn Sportler die Schäden meistens nicht sehen. Doch schlimmer als jeder Sport ist meistens die An- und Abreise mit dem Auto, wie Manuel Steinbauer, der erste Professor für Sportökologie im Interview erklärt.

ONETZ: Mit Sportökonomie beschäftigen sich einige Lehrstühle. Was ist Sportökologie?

Prof. Manuel Steinbauer: Die Sportökologie beschäftigt sich mit den Wechselwirkungen zwischen Sport und Natur. Dies umfasst die vielfältige Bedeutung von Natur und Umwelt für den Sport ebenso wie direkte und indirekte Auswirkungen von Sport und Sportereignissen auf ökologische Systeme.

ONETZ: Warum gibt es diesen Lehrstuhl an der Universität Bayreuth?

Prof. Manuel Steinbauer: Der Sport nimmt hinsichtlich seiner wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Bedeutung zu. Die Wechselwirkungen zwischen Sport und Ökologie werden damit immer wichtiger. Dazu kommt, dass die Universität Bayreuth die sehr erfolgreiche Strategie verfolgt, Forschung und Lehre an den Schnittstellen zwischen etablierten Disziplinen zu etablieren. Die Sportökologie bildet an der Universität ein neues Bindeglied zwischen den bereits etablierten, sehr erfolgreichen Forschungsgruppen in der Ökologie und im Sport.

ONETZ: Inwieweit sind die Auswirkungen von Outdoor-Sport auf die Natur bereits erforscht?

Prof. Manuel Steinbauer: Für einzelne Sportarten sind die Auswirkungen auf die Natur sehr gut erforscht. Denken Sie beispielsweise an den Skisport. In anderen Bereichen gibt es erhebliche Forschungslücken. Auch verändert die zunehmende Digitalisierung und Individualisierung das Nutzerverhalten von Sportlern und Sportlerinnen erheblich. Hieraus ergeben sich wichtige Konsequenzen nicht nur für den Tourismus, sondern auch für das Management von ökologischen Systemen.

ONETZ: Wie und wo erforschen Sie Sportökologie? Gibt es ein Untersuchungsgebiet in der Oberpfalz?

Prof. Manuel Steinbauer: Wir nutzen die neuen Möglichkeiten, die sich aus der zunehmenden Digitalisierung und technologischen Entwicklungen der letzten Jahre ermöglichen. So können wir heute viel besser nachvollziehen, wo sich Sportler und Sportlerinnen bewegen und warum sie bestimmte Entscheidungen treffen. Auch ökologische Systeme sind heute viel besser erfassbar. Die Oberpfalz liegt für uns als Untersuchungsgebiet vor der Haustür und ist gerade im Outdoor-Sport sehr attraktiv.

ONETZ: Mit was beschäftigt sich ein Sportökologie-Seminar?

Prof. Manuel Steinbauer: In der Lehre erschließen die Studenten und Studentinnen sich, dass ökologische Systeme heute durch menschliches Handeln dominiert werden. Wir erarbeiten uns nicht nur die offensichtlichen, sondern auch die indirekten Konsequenzen sportlicher Aktivitäten, aber auch die Bedeutung „der Natur“ als Ökosystemdienstleistung für unsere Gesellschaft. Das klingt sehr theoretisch, aber wir haben dabei viel Spaß und kommen auch raus.

ONETZ: Welcher Sport beeinflusst die Natur besonders stark? Welche Sportart schont sie?

Prof. Manuel Steinbauer: Pauschalisierungen sind immer schwierig. Hinsichtlich des klimawirksamen CO2-Fußabdrucks ist oft die Anreise der entscheidende Aspekt. Reiseintensive Sportarten wie das Tauchen das mit Flugreisen verbunden ist, summieren sich hier schnell zu erheblichen Zahlen. Vom Flächen- und Wasserverbrauch sind andere Sportarten wie Golf oder Skisport kritischer. Wenn man den Effekt auf den einzelnen runterbricht, schneiden gerade Individualsportarten schlecht ab. Am schonendsten ist der Sport, den man vor der Haustür beginnt. Die Oberpfalz ist dafür vielerorts sehr attraktiv.

ONETZ: Wie stehen Sie zum Thema Outdoor-Sport? Betreiben Sie selbst welchen?

Prof. Manuel Steinbauer: Ich selbst bin begeisterter Kletterer. Outdoor-Sport ist meines Erachtens schon deswegen wichtig, weil er einen wichtigen Zugang zur Natur bietet. Viele Menschen fahren heute fast ausschließlich in die Natur, um dort sportlichen Aktivitäten nachzugehen. Der Zugang zur Natur erfolgt daher über den Sport.

Info:

Zur Person

Manuel Steinbauer, 36 Jahre, ist in Geisenhofen (Landkreis Fürstenfeldbruck) geboren. Er studierte an der Universität Bayreuth Geoökologie und machte dann seinen Master in Global Change Ecology. Steinbauer promovierte in Biogeographie 2013. Anschließend wechselte er als Postdoktorand an die Universität Aarhus in Dänemark. Ab 2017 unterrichtete er am Institut für Geographie und Geowissenschaften an der FAU Erlangen-Nürnberg. 2019 kehrte er an die Universität Bayreuth zurück - nun als Professor.

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