Es waren zwei Paukenschläge kurz nacheinander im Dezember. Zuerst wurde Horst Wiesent als Vorstandschef der Senivita Social Estate (SSE AG) gefeuert. Knapp zwei Wochen danach meldete die zweite Firma des Sozial-Unternehmens, die Dr. Wiesent Sozial gGmbH, Insolvenz beim Amtsgericht in Bayreuth an. Das Unternehmen betreibt Seniorenheime sowie Kinderkrankenpflege- und Behinderteneinrichtungen. Zudem hält die gGmbH 49,99 Prozent der SSE AG, die sich auf Planung, Bau und das Betreiben von Pflegeeinrichtungen spezialisiert hat.
Zu den Hintergründen kann der vorläufige Insolvenzverwalter Ampferl nicht viel sagen - und darf es auch nicht. Denn noch ist Wiesent rechtlich als Geschäftsführer im Amt. Die Gehälter der Mitarbeiter seien gesichert. In der Dr. Wiesent Sozial werden aktuell 214 Mitarbeiter beschäftigt, sie erhalten bis Anfang März Insolvenzgeld. Bis dahin bleibt Ampferl der "vorläufige" Insolvenzverwalter, wird quasi Chef des Unternehmens.
Sorgen um Arbeitsplätze "unnötig"
Sein erster Akt war es, die Einrichtungen zu besuchen und sich den Mitarbeitern vorzustellen. "Sie sollten verstehen, welche Situation eingetreten ist", sagt er. Es sei außerdem sinnvoll zu sehen, "was die Mitarbeiter täglich leisten". Außerdem wollte Ampferl ihnen "eröffnen", welche Perspektiven in der Situation stecken.
Die Sorgen um Arbeitsplätze sei unnötig, sagt er. Personal in der Pflege sei eh knapp und "Arbeitsplatzabbau kann ich mir nicht vorstellen". Auch für die in den Einrichtungen betreuten Menschen gab er Entwarnung: "Keine Sorge, eine optimale Betreuung ist sichergestellt, wir sind auch wirtschaftlich sehr stabil." Ampferls Ziel ist es, als "stabiler Arbeitgeber Perspektiven" in einem Unternehmen zu bieten, das "finanziell abgesichert" sei, "ohne Altlasten" und "Schulden". Eine Reduktion der Einrichtungen sei nicht geplant. Alles solle "so zusammengehalten werden, wie es ist". Das werde, sagte er, "auf eine Übernahme hinauslaufen". Welche der großen Anbieter das sein könnte könne er nicht sagen. Das gewichtigste Wort spricht in einem solchen Verfahren der Gläubigerausschuss, eine Art Abbild aller Gläubiger. Darin sitzen vom Betriebsrat über die Agentur für Arbeit und Banken auch die Vermieter der Einrichtungen. "Das ist das oberste Entscheidungsorgan", sagt Ampferl. Mit diesem soll eine "Sanierungskonzept auf- und umgesetzt werden". Mitte Dezember war bekannt geworden, dass für die Einrichtung St. Elisabeth in Pegnitz mit Seniorenwohnungen noch keine Mieten überwiesen waren. Die Einrichtung gehört zur SSE AG. Dies bestätigte der Verwaltungsbeiratsvorsitzende.
Wie es mit den Kapital-Anlegern weitergeht, ist unsicher. Denn die insolvente Sozial gGmbH ist zu 49,99 Prozent an der SSE AG beteiligt, bei deren Wandelanleihe es in den letzten Jahren mehrfach zu Verzögerungen bei Zins- und Darlehensrückzahlungen gekommen war. Darüber haben sich Anleger beschwert. Es geht um Schuldverschreibungen und Genussscheine. "Wie das insolvenzrechtlich einzuordnen ist, muss noch geprüft werden", sagt Ampferl. Zumal die Genussscheine nach ihren Bedingungen als "nachrangiges" Kapital gelten, also Forderungen, die hinter die Ansprüche der sonstigen Gläubiger zurücktreten müssten.
Rechtlich getrennt
Ob Firmengründer Wiesent nach der Neuaufstellung der Unternehmen mit an Bord sein wird, gilt als unwahrscheinlich. Es geht bei der Insolvenz auch nicht um justiziable Vorwürfe gegen ihn, es gibt nach Auskunft der Staatsanwaltschaft Hof auch keine Ermittlungen.
Die SSE AG und Dr. Wiesent sind zwei rechtlich voneinander getrennte Gesellschaften. Die Antragstellung auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens von Dr. Wiesent hat keine Auswirkungen auf die SSE AG und deren Tochterfirmen. Der Geschäftsbetrieb der SSE AG wird uneingeschränkt fortgeführt. Die Versorgung der Bewohner ist in allen zwölf Einrichtungen der SSE AG sei sichergestellt, betonte Manfred Vetterl. Der Pegnitzer CSU-Stadtrat und Anwalt ist vorübergehend alleiniger Vorstand der SSE AG.
Senivita und Dr. Wiesent GGmbH
- Die Senivita Social Estate (SSE AG) gehört zu 49,99 Prozent zu Dr. Wiesent
- Die SSE AG betreibt Pflegeeinrichtungen in Kemnath (Senivita Haus St. Antonius), Pegnitz (Seniorenhaus St. Elisabeth) und in Weidenberg (Haus St. Lucia)















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