Das stark kritisierte Bühnenbild des Bayreuther KI-„Ring“ wird nach Angaben von Kurator Marcus Lobbes stetig fortentwickelt. Bereits während der Premierenwoche sei kontinuierlich an dem System gearbeitet worden. Aktuell läuft der zweite Aufführungszyklus. Am Freitag steht mit „Siegfried“ der dritte Teil der Tetralogie „Der Ring des Nibelungen“ von Richard Wagner auf dem Programm der Jubiläumsfestspiele.
In der Premierenwoche hatte es an der „Ring“-Inszenierung deutliche Kritik gegeben. Die von der KI getroffene Bildauswahl war teils schwer nachvollziehbar. Besucher sprachen von „Bildersalat“. Zudem verdeckten die Bild-Projektionen in manchen Szenen gar die Sängerinnen und Sänger.
KI reagierte anders als erwartet
Verglichen mit den Hauptproben habe das System unter den Premierenbedingungen – insbesondere durch die stärkere Dynamik von Gesangsensemble und Orchester – etwas sensibler reagiert als erwartet, sagte Lobbes. „Deshalb haben wir über den Ring-Zyklus hinweg verschiedene Parameter der reaktiven Prozesse angepasst, häufig über Nacht, aber auch in den einstündigen Pausen zwischen den Aufführungen.“ Die Änderungen seien unmittelbar dramaturgisch und künstlerisch evaluiert worden.
Zum Beispiel seien die Reaktionen der KI auf die akustischen Inputs wie Gesang und Orchester gemildert worden, um ein ruhigeres Gesamtbild zu generieren. Zudem hätten sie „an der Durchlässigkeit der Frontprojektion gearbeitet“, so Lobbes. Die Maschine wisse zwar, wer wann wo singt und stelle die Personen in der Regel frei, „aber den Grad können wir verändern“.
Bildauswahl angepasst
Neue Bilder seien der KI in ihrer Bildauswahl nicht zur Verfügung gestellt worden, sie habe jetzt aber einen variableren Zugriff. Außerdem sollen durch einige Veränderungen in der Technik bestimmte Bildgenerierungen vermieden werden. „Die Maschine generiert bei Themen wie Schwur oder Vertrag gerne Hände oder Finger; das fanden wir nicht sehr zielführend“, sagte Lobbes.
Der „Ring“-Kurator betonte aber auch, dass es sich um ein geschlossenes, selbstlernendes KI-System handele, „das innerhalb der gesetzten Rahmenbedingungen weiterhin autonome Entscheidungen trifft und sich dadurch fortlaufend weiterentwickelt“.
© dpa-infocom, dpa:260806-930-493627/1













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