18.09.2019 - 16:27 Uhr
BayreuthDeutschland & Welt

Meister und Meister-Schüler

Die Max-Reger-Tage beweisen Mut und wagen am Donnerstag, 19. September eine Exkursion in das Schloss "Fantaisie" und in die "ausländische" - weil fränkische - Wagner-Metropole Bayreuth, zu einem Konzert in der Klaviermanufaktur Steingräber.

Die beiden spielen am 19. 9. um 19 Uhr 30 in der Klaviermanufaktur Steingräber & Söhne Bach, Reger und Schulhoff.
von Peter K. DonhauserProfil
Sie spielen Johann Sebastian Bach (Sonate für Gambe und Cembalo G-Dur BWV 1027), die Cellosonaten op. 17 von Erwin Schulhoff und a-Moll op. 116 von Max Reger.

Das Duo Stanislas Kim, Violoncello und Marie Rosa Günter, Klavier spielt dort Johann Sebastian Bach (Sonate für Gambe und Cembalo G-Dur BWV 1027), die Cellosonaten op. 17 von Erwin Schulhoff und a-Moll op. 116 von Max Reger. Die Kulturredaktion sprach mit Frau Marie Rosa Günter.

ONETZ: Bei den Max-Reger-Tagen 2019 geht es um „Vorbilder und Nachklänge“. Auf welchen Spuren führt uns Ihr Programm zu dem genannten Motto?

Marie Rosa Günter: Bach ist natürlich DAS Vorbild schlechthin, Reger und Schulhoff haben eine sehr eigene Klangsprache entwickelt, die immer ein gewisses handwerkliches Format hinsichtlich Polyphonie und Form erfüllt. Schulhoff merkt man deutlich den Unterricht bei Reger an, vor allem im ersten Satz dieser frühen Cellosonate.

ONETZ: Bachs streng dreistimmige Sonate übertragen Sie gleich doppelt auf andere Instrumente: Von der 6-saitigen Gambe auf das viersaitige Violoncello, vom Cembalo bzw. der Orgel auf das Klavier. Welche Aspekte der Sonate lassen sich so besonders beleuchten?

Marie Rosa Günter: Die zwei Hauptstimmen werden durchgehend eng miteinander verzahnt geführt - am Klavier kann die Möglichkeit eines sehr kammermusikalischen Dialogs dann auch dynamisch schön ausgeschöpft werden. Allerdings versuchen wir beide auch Kernelemente des barocken Spiels zu integrieren - Generalbass, Verzierung, Vibrato und Artikulation betreffend, oder auch die Klangfarbenmöglichkeiten der Gambe. Das Cello kann einen etwas brillanteren Klang in die Sonate mit einbringen.

ONETZ: Welche Dimensionen begegnen uns in Regers a-Moll-Sonate im vergleichenden Blick auf die Sonaten von Brahms oder Strauss?

Marie Rosa Günter: Brahms ist satztechnisch ziemlich eng verwandt mit Regers Musik, vor allem im langsamen Satz wird dies deutlich. Auch Strauss ist da mit seiner Vollgriffigkeit und spätromantischen Opulenz nahe am Stil Regers. Der moduliert unglaublich viel, man muss erst mal einige Schneisen durchs harmonische Dickicht schlagen, wenn man das Stück lernt. Hat man sich aber Klarheit und eine Art Fahrplan geschaffen, kann man den Reichtum dieser Musik richtig schätzen lernen.

ONETZ: Es spricht für Max Reger als Lehrer, dass sich seine Schüler so individuell und frei entwickelten wie auch Erwin Schulhoff. Welche Überraschungen hält dessen Cellosonate bereit?

Marie Rosa Günter: Diese war für uns eine richtige Entdeckung, Schulhoff war ja einer der vielseitigsten und experimentierfreudigsten Komponisten seiner Zeit. Das Werk ist nicht im Stil der Avantgarde geschrieben wie spätere seiner Stücke. Es scheint als würden typische Formcharakteristika von Sonatensätzen überspitzt, sogar mit einem ironischen Augenzwinkern. Also ein vollgriffiger erster Satz, der sich ständig selbst überbietet und immer "noch einen drauf setzt", der zweite Satz mit typisch spätromantischen, nicht enden wollenden langgespannten Phrasen, ein fast schon übertrieben tänzerisches Menuett und beinahe albern (aber ganz bewusst) als Rausschmiss das Finale. Ein tolles Stück!

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