08.02.2021 - 19:29 Uhr
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Senivita-Insolvenz: Aufsichtsrat geht gegen Vorstand vor

Zu den Geschehnissen beim Sozialkonzern Senivita meldet sich der Aufsichtsratschef zu Wort. Hartmut Koschyk wählt klare Worte: Mindestens ein Immobilien-Geschäft sei "rechtlich fragwürdig" gewesen. Es geht um Millionen.

Der damalige Vorsitzende der deutsch-koreanischen Parlamentariergruppe im Bundestag, Hartmut Koschyk (CSU) besucht am 1.6.2015 Pjöngjang, Nordkorea.
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Von Otto Lapp

Die Vorwürfe gegen Senivita-Gründer Horst Wiesent werden ernster. Jetzt fordert seine eigene insolvente Firma Senivita Social Estate AG (SSE AG) 6,4 Millionen Euro von ihm ein.

Hintergrund ist ein Immobilien-Geschäft, das Wiesent vergangenen Herbst getätigt hat. Er soll neun Objekte in Weidenberg und Königsberg verkauft haben - und zwar an eine seiner anderen Firmen. 11,4 Millionen Euro sollten in dem Geschäft zwischen der SSE AG und der BSI50 GmbH fließen.

Der Aufsichtsrat hat das in dieser Form nicht genehmigt. Hinter der BSI steckt eine Stiftung Wiesents und seiner Frau; statt den 11,4 Millionen sind zudem nur fünf Millionen Euro angekommen. Nach unbestätigten Informationen des Nordbayerischen Kuriers soll Mitvorstand Manfred Vetterl für das Geschäft unterschrieben haben. Auch gegen ihn soll es Vorwürfe geben.

Von wegen "ordnungsgemäß"

Aufsichtsratchef Hartmut Koschyk sagt, dieser Verkauf von Wohnungen der SSE AG im Wert von 11,4 Millionen Euro könne nicht als "ordnungsgemäßes Rechtsgeschäft" bezeichnet werden. "Alle Unterlagen in diesem Zusammenhang hat der Aufsichtsrat noch vor Weihnachten einer unabhängigen Kanzlei übergeben, die ein 15-seitiges Rechtsgutachten erstellt hat."

Damit ist klar, dass der Aufsichtsrat der SSE AG in Windeseile gehandelt haben muss: Denn erst am 4. Dezember war Wiesent aus seiner eigenen Firma herausgeflogen. Das Gutachten kommt laut Koschyk zu dem Ergebnis, "dass dieses Immobilien-Geschäft keineswegs ,ordnungsgemäß' zustande gekommen ist". Deshalb hätten "Aufsichtsrat und Unternehmen SSE AG gegenüber BSI 50 juristische Schritte wegen der noch ausstehenden Summe von 6,4 Millionen Euro sowie Schadenersatzansprüchen gegenüber Wiesent eingeleitet und sich weitere rechtliche Schritte vorbehalten".

Nicht abgesegnet

Was Hartmut Koschyk, der seit mehr als zwei Jahren Aufsichtsratschef der Senivita Sozial GmbH ist, nicht sagt: Eigentlich hätte Vetterl wissen müssen, dass Wiesents Immobilien-Geschäft vom Aufsichtsrat nicht abgesegnet war. Als Vorstand müsste er auch das 15-seitige Gutachten kennen. Dass Vetterl sich im Nachhinein auf die Seite Wiesents stellt und dem Geschäft den Segen erteilt, lässt vermuten, dass es einen klaren Gegensatz zwischen Aufsichtsrat und Vorstand gibt.

Der Düsseldorfer Anwalt Gustav Meyer zu Schwabedissen, der die Anleger vertritt, hatte in einem Schreiben Anfang Januar moniert, die Immobilien-Geschäfte seien mit GmbHs gelaufen, "von denen es keine Nachweise gibt, dass sie überhaupt mit dem Bau von Pflegeheimen irgendwelche Erfahrungen haben und außerdem gehören diese GmbHs Stiftungen im Einflussbereich von Dr. Wiesent persönlich". Die verschwundenen 6,4 Millionen vermutet Anwalt Meyer zu Schwabedissen in "diversen Projekten".

Wer ins Handelsregister schaut, findet diese Vermutungen bestätigt. Etwa um die Zeit des Geschäftes hat sich die Stiftung von Horst und Christina Wiesent an der BSI 50 GmbH beteiligt: Am 13. Oktober 2020 wurde sie Gesellschafterin.

Keine zwei Wochen vorher änderte sich der Geschäftszweck der BSI 50: Ging es bisher um Personalschulungen, Seminare und Reisen, sollte es ab September vergangenen Jahres, also mutmaßlich kurz vor dem Immobilien-Geschäft um "Erwerb, die Verwaltung und die Veräußerung von Immobilien" gehen. So der Handelsregister-Auszug.

"Mehrere Anzeigen"

Weiter fällt auf, dass die Stiftung der Wiesents noch nach dessen Rauswurf am 4. Dezember bei einer seiner weiteren Immobilien-Firmen Gesellschafterin wurde, der BSI Emmering GmbH: Und zwar am 16. Dezember, genau an dem Tag, an dem Wiesents erste Firma Insolvenz anmeldete. Auch hier fällt auf, dass es nun um "Erwerb, die Verwaltung und die Veräußerung von Immobilien" gehen sollte.

Bei der für Wirtschaftsstraftaten zuständigen Staatsanwaltschaft lagen Ende Januar bereits "mehrere Anzeigen" gegen Wiesent vor, wie Oberstaatsanwalt Andreas Cantzler bestätigte. Alle würden sich um den Komplex Betrug oder Untreue bewegen. Sie würden "zurzeit geprüft". Dr. Wiesent steht nicht für Interviews bereit. Er sei gesundheitlich angeschlagen und seit Dezember krankgeschrieben.

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