04.11.2019 - 16:14 Uhr
BayreuthDeutschland & Welt

Eine Stimme, die alles trägt

Auf ausgedehnter Europa-Tournee ist de Burgh aktuell unterwegs, zum dritten Mal in seiner langen Karriere führt der Weg nach Bayreuth. Der Blick ins Publikum lässt den Schluss zu, dass bei der Premiere 1992 auch schon viele dabei waren.

Chris de Burgh präsentierte sich in der Bayreuther Oberfrankenhalle als musikalischer Geschichtenerzähler - mal rockig, mal gefühlvoll und immer mit satter Stimme.
von Holger Stiegler (STG)Profil
Chris de Burgh präsentierte sich in der Bayreuther Oberfrankenhalle als musikalischer Geschichtenerzähler - mal rockig, mal gefühlvoll und immer mit satter Stimme.
Chris de Burgh präsentierte sich in der Bayreuther Oberfrankenhalle als musikalischer Geschichtenerzähler - mal rockig, mal gefühlvoll und immer mit satter Stimme.

Eine zeitlose Song-Trilogie ist Chris de Burgh vor über drei Jahrzehnten gelungen: Bei „The Leader/The Vision/What about me?“ geht es um Krieg, um Zerstörung, um Schlachtfelder, um Gier nach Macht. „Ich stehe verlassen in der Nacht und zittere vor Furcht, ich habe in die Zukunft geblickt, und die Zukunft ist da. Unser Führer bringt den Sieg, doch unser Land steht in Flammen“, singt der Ire auch am Samstagabend in der sehr gut besuchten Bayreuther Oberfrankenhalle – begleitet von wuchtigen und zerstörerischen Filmsequenzen mit Atompilzen und Städten voller Ruinen. Und heute, so der Sänger, habe „ein komplett verrückter Mensch“ die Finger am Knopf für die Atombombe. Mehr muss Chris de Burgh gar nicht sagen, jeder weiß, wer damit gemeint ist. Ein Song, der sitzt.

Vor knapp drei Wochen ist der Ire 71 Jahre alt geworden, zum Rentner taugt er aber noch nicht. Das Publikum erlebt einen Sänger, so wie man ihn kennt, so wie man ihn mag und so wie er einfach ist: Authentisch, nahbar und mit einer Stimme, die alles trägt.

Zwei Alben stehen im Mittelpunkt seiner aktuellen Tour: „Moonfleet & Other Stories“ aus dem Jahr 2000 sowie das Erfolgsalbum „Into the light“ aus dem Jahr 1986. Der erste Teil des Abends gehört dem 2000er-Album, ein herrliches „old-fashioned“ Werk, ein Konzeptalbum, das rockig und folkig zugleich John Meade Falkners Roman „Moonfleet“ nacherzählt. Chris de Burgh, der Storyteller, ist ganz in seinem Element, wenn er Abenteuergeschichten über Schmuggler und Geister, von Spelunken und gesunkenen Schiffen anstimmt. Begleitet wird er dabei von einer herausragenden vierköpfigen Band: Neben Keyboarder Nigel Hopkins, Dave Levy am Bass und Schlagzeuger Phil Groyssboeck steht der Ex-Robbie-Williams-Gitarrist Neil Taylor mit auf der Bühne. Einen kleinen Haken hat die Sache aber trotzdem: Streicher, Akkordeon und Flöte kommen leider vom Band, mit einer kleinen orchestralen Besetzung würde „Moonfleet“ sicherlich seine ganze epische Kraft entfalten. Aber dennoch: dem Publikum gefällt’s und es lässt sich vom ersten Song an in den Bann der Geschichte ziehen.

Geht es im ersten Teil des Abends im Publikum noch recht gediegen zu, so ändert sich das bald nach der Pause: „Last night“, der erste Song des Albums „Into the light“, gibt den Rhythmus vor und verdeutlicht, dass die Musik der 80er Jahre alles andere als schlecht war. Dem Song „The Ballroom of Romance“ schickt de Burgh eine Anekdote über den Beginn seiner „Tanzkarriere“ als Jugendlicher voraus. Zu einem Höhepunkt des Abends wird „Borderline“, in dem der Ire den Falkland-Krieg musikalisch verarbeitet hat. De Burgh steht allein im weißen Kegel des Scheinwerfers, seine Stimme strahlt auch in den anspruchsvollen hohen Passagen vollen Glanz und Kraft aus. Das berührt, die Textzeile „I will never know how men can see the wisdom in a war" („Ich werde nie verstehen, wie Menschen im Krieg einen Sinn sehen können“) bekommt Szenenapplaus – und die gesamte Song-Performance verdiente Standing Ovations.

Das ist der Moment, ab dem es viele nicht mehr auf den Plätzen hält und Frauen wie Männer zum Bühnenrand strömen. „Ihr tanzt früher als ich es erwartet habe“, bekennt der Sänger auf der Bühne und startet ein Feuerwerk seiner großen Erfolge: „Say goodbye to it all“, „Sailing away“, „Where peaceful waters flow“, „Missing you“ und – natürlich – seine Hommage an „The Lady in Red“. Hier verlässt Chris de Burgh die Bühne in den Zuschauerraum, schüttelt Hände, herzt und umarmt seine Fans. Und ja, dann demonstriert der Songwriter, dass er eben nicht nur Schnulzen und Schmachfetzen kann (die er freilich perfektioniert hat), sondern es auch krachen lässt – bei „Don’t pay the ferrymann“ und „High on Emotion“ bebt die Halle. Mit der Liebes-Ballade „The Snows of New York“ verabschiedet er sich nach knapp drei Stunden (!!) vom Bayreuther Publikum. Und bekommt – ganz „old-fashioned“ – aus dem Publikum noch einen Blumenstrauß gereicht.

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