Bayreuth.30 000 bejubeln am Freitag Campino und seine Mitstreiter beim ersten Auftritt nach dem "Wir sind mehr"-Gratiskonzert in Chemnitz. Ausverkauft! Mehr hätte der Volksfestplatz auch nicht verdaut. Zählt man die Zaungäste vor den Absperrungen dazu, ist der Jacko-Rekord locker geknackt. Wer sich für laute Musik interessiert, ist schon um halb Sechs hier. Die belgische Band "Triggerfinger" entert die Bühne. Im Stundentakt folgen "Feine Sahne Fischfilet" und "Flogging Molly", eine irisch-US-amerikanische Folk-Punk-Rock-Band aus Los Angeles, die allein schon das Eintrittsgeld wert ist. Es geht mächtig ab im Publikum. Man spürt die gewisse Anspannung.
Riesige Fahnen
Dann wird es wird langsam dunkel. Die Bühne grünt effektvoll auf. Ganz weit oben: Der "Jolly Roger", daneben zwei Riesenschlangen. Es ist 20.45 Uhr. Schlachtgesänge sind zu hören. Oberfranken und die halbe Oberpfalz sind vor Ort. Hardcore-Fans schwenken riesige Fahnen. Sie spüren, dass das Warten ein Ende hat. Auf Videoschirmen beginnt eine psychedelische Trickfahrt durch die Traumlandschaft der Düsseldorfer Pogo-Helden, die jetzt die Bühne stürmen - für ihr drittes Bayreuther "Auswärtsspiel" seit 1985.
Vom ersten Akkord an kommt die dicht gedrängte Menge in heftige Bewegung. Die Leute springen hoch, tanzen. Campino, Liverpool- und Fortuna-Fan, gibt den Flitzer: Linksaußen, Rechtsaußen, dann Mittelstürmer. Er hält den Ball sehr gut im Spiel. Immer den Mikroständer bei der Hand. Schwer vorstellbar, dass der Frontmann dieses Tempo zweieinhalb Stunden lang durchhalten kann. Aber er kann. "Wir werden niemals einer Meinung sein." Die "Bayreuther Domspatzen", wie Campino sein Publikum tauft, grölen mit. Im Inneren des Festplatzes bilden sich wilde Pogowellen. Schon der zweite Song ist ein klarer Punktsieg für die "Toten Hosen".
Maximale Lautstärke
Ein politischer Crashkurs wird der "Laune der Natur"-Abend nicht. Aber eine kurze Ansprache kann sich Campino doch nicht verkneifen. Sie betrifft Horst Seehofers jüngste Meldung, Flüchtlinge seien die Mutter aller Probleme. Er solle nur aufpassen, dass nicht er der Vater aller Probleme wird.
Die Toten-Hosen-Formel geht auf mit Songs wie "Willkommen in Deutschland", "Bonny & Clyde", "Alles aus Liebe". Bengalische Feuer, maximale Lautstärke, gewaltige Gitarrensoli und ein Streicherensemble. Es gibt die hosentypischen Vollgaskracher, Powerpop, Balladen und Hymnen. Die ganze Palette: "Steh auf, wenn du am Boden bist." Es geht um Freud und Leid. Vor allem um knackige Texte und herrliche Musik. Ein Songkosmos in dem sich auch viele Familien, die mit ihren Kindern gekommen sind, wiederfinden. Diese Band hat alle Generationen am Start.
Er nennt Bayreuth "Stadt der Hochkultur", und es gibt eine musikalische Hommage an Richard Wagner, allerdings mit Mozarts kleiner Nachtmusik. Zweimal kommen die "Hosen" für mehrere Zugaben zurück. Die Fans dürfen wählen zwischen "Jägermeister" und "Eisgekühltem Bommerlunder". Zum großen Finale krachen Konfettikanonen und feuern Rauchmaschinen. Es ist weit nach 23 Uhr. "An Tagen wie diesen" wird zum Rausschmeißer.



















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