(dpa/kaz) Etwa eine Million Autobesitzer im Freistaat können auf geringere Beiträge bei Kfz-Haftpflichtversicherungen hoffen. In 16 der 97 bayerischen Zulassungsbezirke gelten künftig niedrigere Regionalklassen.
Für die meisten Autofahrer aus der Oberpfalz ändert sich dagegen relativ wenig. Die drei Regionalklassen werden sich dort nächstes Jahr nicht ändern. Während sich der Landkreis Schwandorf über eine geringere Vollkasko-Regionalklasse freuen darf, muss in Weiden zukünftig mit einer höheren Vollkaskoklasse gefahren werden.
Amberg in Klasse 11
Autos, Motorräder und Traktoren müssen in Deutschland versichert werden. Daher ist die Haftpflicht- Regionalklasse für jeden Fahrzeughalter interessant. „Es ist nicht wichtig, wo der Schaden entstanden ist, sondern wo das Fahrzeug angemeldet ist“, so der GDV. Insgesamt gibt es in der Haftpflichtversicherung 12 Regionalklassen. Besonders Autofahrer aus Amberg eckten demnach häufiger an und werden deshalb in die Klasse 11 eingestuft. Besonders wenige Haftpflichtschäden verursachten Fahrer aus dem Landkreis Tirschenreuth – Regionalklasse 2.
In der Kaskoversicherung wird zwischen Voll- und Teilkasko unterschieden. Über eine Vollkaskoversicherung werden selbstverschuldete Unfälle abgewickelt. In die Berechnung der Teilkasko-Regionalklasse fallen Diebstähle, Glasschäden, Wildunfälle oder Hagelschäden.
Im Vergleich zum Vorjahr wird sich die Einstufung der Vollkasko für die Stadt Weiden und den Landkreis Wunsiedel um eine Klasse verschlechtern. Für Weiden gilt nächstes Jahr die Klasse 3 von 9. Trotzdem bleibt die Stadt Weiden der Zulassungsbezirk mit der niedrigsten Regionalkasse. „Spitzenreiter“ ist der Landkreis Cham mit Klasse 8. Positive Nachrichten gibt es für die Fahrzeughalter aus dem Landkreis Schwandorf. Die Regionalklasse sinkt nächstes Jahr um eine Stufe.
In der Teilkaskoversicherung könnten sich die Einstufungen für rund eineinhalb Millionen Autofahrer vor allem in oberbayerischen Bezirken um jeweils eine Klasse verschlechtern. Als Ursache nennt der GDV Fahrzeugschäden durch schwere Hagelstürme im Sommer des vergangenen Jahres.
Keine Änderung in der Teilkasko
Bei der Teilkasko bleibt in den Oberpfälzer Landkreisen alles beim Alten. Die meisten Glas- und Hagelschäden oder Kollisionen mit Tieren gibt es weiterhin im Landkreis Cham und Schwandorf (Klasse 11 von 16). Mit der Klasse 10 müssen weiterhin die Tirschenreuther kalkulieren. Die Städte Regensburg und Weiden fahren mit Klasse 5 am günstigsten.
Wie sich eine andere Regionalklasse auf die Versicherungsprämie auswirkt, wollte der GDV nicht beantworten. „Jede Versicherung legt das für sich selber fest“, erklärte der GDV. Erfahrungswerte zeigen aber, dass der Unterschied zwischen den Regionalklassen zwischen 20 und 50 Euro im Jahr liegt. Eine veränderte Einstufung erlaubt „keine Aussage darüber, wie sich der gesamte Beitrag entwickeln wird“, so der Pressesprecher. Auch bringt es nichts, bei einem Umzug in die Ballungsgebiete das Heimatkennzeichen zu behalten. Die Versicherungen stufen die Verträge allein anhand des Wohnortes ein.
Für die Versicherer sind die Regionalklassen nicht verbindlich, dennoch formen sie mit vielen weiteren Faktoren den Versicherungsbeitrag. Alter der Fahrzeugnutzer, Laufleistung, Versicherungsschutz und die Typenklasse des Autos bestimmen den Preis mit.
Für jedes Automodell wird, wie bei der Regionalklasse, jährlich die Einstufung neu ermittelt. Der GDV will die Typenklassen für 2021 in den nächsten zwei Wochen bekanntgeben.
Hier lesen Sie mehr zum Thema Versicherung
Was ist eine Regionalklasse
Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) ermittelt jährlich die Schadenbilanzen von 413 Zulassungsbezirken. Je besser man dort eingestuft ist, desto günstiger wirkt sich das in der Regel auf den Versicherungsbeitrag aus.
Entscheidend ist nicht, wo ein Schaden entstanden ist, sondern in welchem Zulassungsbezirk der Fahrzeughalter angemeldet ist. Für die Berechnung zählt der GDV alle ausgezahlten Leistungen, der letzten fünf Jahre, zusammen und ermittelt daraus Bundesdurchschnitt. Dieser wird auf die Zulassungsbezirke heruntergebrochen. Die Regionalklassen werden separat für die KFZ-Haftpflicht, Voll- und Teilkasko ermittelt.
Die neuen Einstufungen gelten ab dem 1. Januar, sind aber für die Versicherer unverbindlich.
- Haftpflichtversicherung: Für die Haftpflichtversicherung sind die Versicherungsleistungen für den Geschädigten nach Verkehrsunfällen maßgeblich. Die Einstufung erfolgt in den Klassen 1 bis 12. Zum 1. Januar werden deutschlandweit 48 Zulassungsbezirke herauf- bzw. heruntergestuft. Besonders in großen Städten geschehen viele Haftpflichtschäden, deshalb sind Augsburg, Fürth, Kempten, Ingolstadt, München und Nürnberg in der Regionalklasse 12
- Vollkasko: Für die Vollkasko-Regionalklasse werden die Auszahlungen nach einem selbstverschuldeten Schaden am eigenen Fahrzeug verwendet. Hier wird bis zur Klasse 9 eingestuft.
- Teilkasko: Für die Teilkasko-Regionalklasse werden Aufwendungen für Autodiebstähle, Glasschäden, Fahrzeugbrände, Wildunfälle, Maderbisse und Hagel- und weitere Umweltschäden einberechnet. Für die Teilkasko gelten 16 verschiedene Regionalklassen.
- Weitere Fahrzeuge: Regionalklassen gibt es außerdem für Motorräder, Traktoren und Wohnmobile















Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.
Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.