Am dritten Tag des Stromausfalls im Südwesten Berlins kämpfen noch rund 30.000 Haushalte mit Kälte und weiteren großen Einschränkungen. Von den anfangs etwa 45.000 Haushalten erhielten bis Sonntagabend etwa 15.000 wieder Energie. Der Betreiber Stromnetz Berlin versucht, die durch den vermutlich linksextremistischen Brandanschlag vom Samstag zerstörten Starkstromleitungen so schnell wie möglich zu reparieren. Angekündigt war die komplette Behebung des Schadens bis Donnerstag.
„Angreifbarkeit abstellen“
Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner sagte im ZDF-„Morgenmagazin“: „Das zeigt einmal mehr, dass es 100-prozentige Sicherheit nicht gibt.“ Der Staat sei bei solchen Angriffen weiterhin angreifbar. „Diese Angreifbarkeit müssen wir abstellen“, betonte er. Das brauche jedoch Zeit. Nur ein geringer Anteil des Stromnetzes verlaufe überhaupt oberirdisch. Diesen Teil gelte es effektiver zu schützen - etwa mit Videoüberwachung und Sicherheitsdiensten.
Wegner hatte den Anschlag als Terrorismus eingestuft. Das Landeskriminalamt (LKA) und der Verfassungsschutz seien eingeschaltet. Berlin sei auch im Austausch mit dem Bundeskriminalamt und der weiteren Bundesebene.
Das Schreiben der mutmaßlichen Täter „Vulkangruppe“ trägt die Überschrift „Den Herrschenden den Saft abdrehen“. „In der Gier nach Energie wird die Erde ausgelaugt, ausgesaugt, verbrannt, geschunden, niedergebrannt, vergewaltigt, zerstört“, hieß es dort. Das Gaskraftwerk in Lichterfelde sei „erfolgreich sabotiert“ worden.
Erster Schultag fiel für viele aus
Für viele Schüler in den betroffenen Stadtteilen im Bezirk Steglitz-Zehlendorf fiel am ersten Tag nach den Weihnachtsferien die Schule aus. Die Senatsverwaltung für Bildung veröffentlichte eine Liste mit Schulen, die wegen des Stromausfalls zunächst geschlossen bleiben müssen - darunter Grundschulen sowie weiterführende Schulen und Berufsschulen. Für rund 20 betroffene Schulen wurden Notbetreuungen an anderen Schulen eingerichtet.
Bezirk, Feuerwehr und andere Hilfsorganisationen richteten bislang sechs Notunterkünfte in Sporthallen und Gebäuden der Verwaltung ein. Dazu gibt es in zahlreichen Gemeindehäusern und Kirchen, die Möglichkeit, sich aufzuwärmen, sich zu waschen und an Strom zu kommen.
Viele Supermärkte haben inzwischen wieder geöffnet. Weitere sollen über Notstrom angeschlossen werden, teilte der Senat mit. Die Polizei informiere die betroffenen Menschen mit 30 Lautsprecherwagen und zeige auch ansonsten erhöhte Präsenz, um Kriminalität zu verhindern. Die Bundeswehr unterstütze inzwischen bei Logistik, Transport und Betrieb von Notstromaggregaten.
Krisenstab eingerichtet
Der Senat richtete einen Krisenstab ein, geleitet von der Senatsinnenverwaltung. Dort sollen die Arbeiten der betroffenen Senatsverwaltungen und der Bezirke sowie die Zusammenarbeit mit Hilfsorganisationen koordiniert werden.
Die Berliner Tourismusagentur Visit Berlin rief 200 Partnerhotels dazu auf, Hotelzimmer für betroffene Berliner zur Verfügung zu stellen. „Die Hotelzimmer können bis zur vollständigen Behebung des Schadens und zur Wiederherstellung der Stromversorgung zu Sonderkonditionen (ab 70 Euro pro Doppelzimmer inkl. Frühstück) gemietet werden.“
Giffey: Stromkabelverlauf künftig geheimer halten
Die Berliner Generalstaatsanwaltschaft übernahm die Ermittlungen zu dem Brandanschlag. Sie begründete dies mit der „besonderen Bedeutung des Einzelfalls“. Auch im Fall des rund 60-stündigen Stromausfalls in Treptow-Köpenick Mitte September 2025 hatte die Generalstaatsanwaltschaft die Ermittlungen geführt.
Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) forderte dazu Unterstützung vom Bund. „Ich glaube, dass es jetzt vor allen Dingen um Bundeshilfe bei den Ermittlungen gehen muss“, sagte sie im RBB-Inforadio. „Die Frage ist: Sind das einfach nur linke Gruppen von Aktivisten, die ideologisch unterwegs sind oder steckt da mehr dahinter?“ Zudem verlangte Giffey, Informationen zum Verlauf von wichtigen Stromkabeln künftig geheimer zu halten. „Sie finden sehr viel im Internet“, sagte sie dem Deutschlandfunk. Es dürften nicht noch mehr kritische Daten veröffentlicht werden.
Die Grünen wollen eine doppelte Absicherung für das Stromnetz. Wie könne es sein, dass ein Anschlag an einer einzigen Stelle so gravierende Folgen habe, fragte der Abgeordnete Vasili Franco. „Es müssen alle vulnerablen Stellen identifiziert werden.“ Für jede Schwachstelle sei eine entsprechende Absicherung nötig. Die Grünen-Abgeordnete Gollaleh Ahmadi kritisierte: „Der Senat hat Sicherheit jahrelang fast ausschließlich mit Polizeipräsenz gleichgesetzt und versäumt, unsere Infrastruktur resilienter zu machen.“
© dpa-infocom, dpa:260105-930-498481/3



















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