12.07.2018 - 17:08 Uhr
BirglandDeutschland & Welt

Autobiografie in Bildern

Seit jeher ist es die Kunst, die Zeitströmungen vorausahnt, gesellschaftliche Entwicklungen dokumentiert und für andere sichtbar macht. Aber auch die Künstler selbst bestimmen mit ihrer künstlerischen Arbeit den eigenen Standort.

Eingerahmt von den Bildern „Die Nacht im Wald“ (links) und Groß und Klein“ präsentiert sich die Künstlerin Evi Steiner-Böhm in ihrer Galerie auf dem Wunderhof.
von Autor ESBProfil

Eckertsfeld.(esb) "Woher komme ich? Wo bin ich? Wohin gehe ich?" sind Fragen, die sich die Künstlerin immer wieder mit Selbstporträts beantwortet haben. Evi Steiner-Böhm (Jahrgang 1956) zeigt in ihrer aktuellen Ausstellung in der Kunstgalerie auf dem Wunderhof bei Birgland (Kreis Amberg-Sulzbach) eine Autobiografie in Bildern.

Den Beginn machen drei großformatige Arbeiten, die sie als Kind mit ihren Geschwistern zeigt, den "wichtigsten Bezugspersonen im Leben eines Kindes neben Eltern und anderen Familienmitgliedern", wie es im Ausstellungstext heißt. Da ist sie als "Kind mit 3 Jahren", dann mit dem großen Bruder, den sie sich als Vorbild nimmt und mit der kleinen Schwester, für die sie selbst Verantwortung übernimmt. Die Vorzeichnung, jeweils als blinde Konturenzeichnung angefertigt, lässt Verzerrungen entstehen, die unbewusste Gefühle sichtbar macht. Die reduzierte Farbpalette entspricht der unscharfen Erinnerung an diese Zeit.

Entstanden sind diese Arbeiten im Rahmen ihrer Ausbildung in Kunsttherapie. Bilder aus der Zeit als Ehefrau und Mutter lassen den inneren Konflikt erahnen, zwischen dem Eingepasstsein in die traditionelle Rolle der Hausfrau und einem eigenständigen, selbstbestimmten Leben, das damals für Frauen langsam möglich wurde. Der impressionistische Stil wandelt sich hier immer mehr zu einem expressiven Farbausdruck. Die intensive Beschäftigung mit der eigenen Geschichte, der Rolle der Religionen, aber auch der gesellschaftlichen Entwicklung, mündet schließlich in dem Entschluss, mit dem Aufbau eines eigenen Künstlerhofs ihr Leben völlig neu auszurichten. Die Rückkehr zur Natur im Dorf ihrer Kindheit, dokumentiert in dem Bild "Die Nacht im Wald", hilft ihr in dieser Zeit, sich völlig neu zu erfinden. "Groß und Klein" zeigt sie als ältere Frau vor ihrem Porträt als fünfjähriges Kind mit einem neuen Blick auf sich selbst. Eine weitere Verwandlung deutet sich in einem abstrakten Doppelporträt an: Zwei Gesichter liegen übereinander, das eine passiv-duldend, das andere resolut-entschlossen.

Zwei weitere Porträts nehmen die nun folgenden Jahre als ältere und als alte Frau voraus. Das "Kind mit 83 Jahren" entstand zeitgleich mit dem "Kind mit 3 Jahren" wieder als blinde Konturenzeichnung und, wie sie selbst sagt, entspricht auch heute noch dem Bild, von der, die sie hofft, dann zu sein: einer energischen, wachen Frau, die ihr Leben lang hart gearbeitet hat und immer noch Lust auf morgen hat.

Die Ausstellung ist bis 12. Oktober zu sehen. Kunstgalerie und Atelier auf dem Wunderhof sind immer freitags von 15 - 18 Uhr geöffnet (außer Schulferien). www.wunderhof.de



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