München. Reiter hatte dem Engländer Antisemitismus vorgeworfen, weil der sich zuletzt in Köln über eine "außergewöhnlich mächtige jüdische Lobby" geäußert hatte, die anderen Musikern Angst einflöße. Ferner, weil der 74-Jährige prominenter Fürsprecher der gegen Israel gerichteten Kampagne "Boycott, Divestment, Sanctions" ist.
Applaus für Statement
Waters nutzt die kurze Pause vor der Zugabe für ein viel beklatschtes Statement. Es sei ein kleiner Schritt vom Verbieten eines Konzerts zum Bücherverbrennen. Er sei kein Antisemit, sagt er. Das hat er auch auf der Leinwand deutlich gemacht. Da steht irgendwann mal "Resist Antisemitism". Er fordere nichts anderes als Menschenrechte für alle. Die Begeisterung seiner Fans tue ihm gut. Dank dieser Liebe, die ihm in der restlos ausverkauften Münchner Olympiahalle entgegenschlage, sei er wieder hoffnungsvoll, anders als noch bei seiner Ankunft.
Das Konzert ist gespickt mit politischen Statements. Und die kommen von links und rechts. Bombenhagel, Flüchtlinge. Bei "Money" schütteln sich Diktatoren und Despoten die Hand. An anderer Stelle sieht man hungernde Kinder, die in Abfällen nach Essensresten suchen. Das Konzert wühlt auf. Warum hilft hier die Staatengemeinschaft nicht? Die "Us + Them"-Tour ist eine virtuelle Anklage gegen die Ungerechtigkeit auf dieser Welt. Mit einer Schweinemaske vorm Gesicht hält Waters das Schild hoch: "Pigs rule the World".
Also kein Pink-Floyd-Konzert - und nichts anderes ist dieser Gig - ohne die berühmte Schweinenummer. Zu "Pigs" fliegt eine aufblasbare, ferngelenkte und bonbonfarbene Gummi-Sau über den Rängen. Aufschrift: "Bleibe menschlich". Auf einer riesigen Leinwand, die fast während des kompletten zweiten Teils quer über der Arena hängt, sieht man parallel zum Schweineflug den amerikanischen Präsidenten. Und dann der eingeblendete Satz: "Trump ist ein Schwein". Waters Abrechnung mit dem Regierenden.
Massenhaft Effekte
Der Brite spielt klangtechnisch in der Champions-League. Das hat er von Pink Floyd gelernt. Wohl kaum ein anderer - David Gilmour ausgenommen - schafft das so perfekt, die Dimension einer Halle mit 11 000 Zuschauern soundmäßig so zu meistern. Mittels der in der kompletten Arena verkabelten Lautsprecher gibt es reihenweise quadrophonische Effekte.
Man muss großgeworden sein mit Pink Floyd, muss die Zeile ".. Leave us Kids alone" in der Schule persönlich verinnerlicht, muss das Konzeptalbum "The Wall" früher selbst in Händen gehalten haben. Auf andere wirkt diese Lebensbetrachtung vielleicht seltsam. Wie auf einen Besucher etwa, der nach dem Konzert beim Hinausgehen erklärt: "Alice Cooper hat mir besser gefallen."
Waters und seine Ausnahmemusiker liefern sie alle: Die Klassiker und die Gassenhauer der Floyd-Geschichte. "Time", "Wish You were here", "Comfortably Numb", "Eclipse", "Another Brick in the Wall", "One of these Days". Die Show ist bombastisch. Im Mittelpunkt steht "The Dark Side of the Moon". Ein perfekter Mix aus Spielarten von Entfremdung, aus Sphären, Psychedelic und Paranoia. Selten hat man in der Olympiahalle solch einen Sound erlebt. Am Ende baut sich aus Laserstrahlen die berühmte Pyramide auf, die wie ein geometrisches Bindeglied zwischen Fans und Künstler wirkt.













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