Die Briten gehen, unsere Liebe bleibt

That's it: Am Freitag um 24 Uhr verlässt Großbritannien die EU. Frank Werner weint den Briten eine Träne nach.

Der britische Premierminister Boris Johnson.
von Frank Werner Kontakt Profil
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Es sind die schrägen Typen wie Mr. Bean oder die Truppe von Monty Python, für die wir die Briten lieben. Ihren schwarzen Humor. Wir feiern ihre Musik - nicht nur die der Beatles. Wir schauen fasziniert auf die Queen und das skurrile Leben rund um den Buckingham Palast. Der Linksverkehr, Jürgen Klopps FC Liverpool, Fish and Chips, Harry Potter, die riesigen Hüte beim Ascot-Pferderennen - der Brexit ist da, aber er kann uns nicht alles von der Insel nehmen.

Mit Sympathie haben wir Boris Johnson einst beobachtet, als er mit dem Fahrrad ins Londoner Rathaus fuhr. Ein kauziger Bürgermeister mit einer stürmischen Frisur. Noch immer haben seine Auftritte etwas Irres. Aber das Lachen ist uns längst vergangen.

Selbst schuld möchte man den Briten zurufen. Ihr Votum für die vermeintliche Freiheit vor dreieinhalb Jahren mag damals eine Affekthandlung gewesen sein. Der Widerstand gegen den Austritt aus der EU war aber in der Folgezeit nicht stark genug, hat sich nicht durchsetzen können. Und nun?

Die Welt dreht sich auch nach dem Brexit weiter. Bis zum Jahresende dauert die Übergangsfrist, müssen Nägel mit Köpfen gemacht werden. Zeit der Diplomaten und Unterhändler. Mal wieder. Wie die Kontrahenten so schnell befriedet werden können, ist völlig offen.

Die verbliebenen EU-Staaten müssen den Briten zeigen, dass sie ihre Lektion aus dem Brexit gelernt haben. Den Menschen erklären, dass Kleinstaaterei und Nationalismus der falsche Weg sind. Dass ökonomische Alleingänge in einer Sackgasse enden. Dass Visionen nur gemeinsam entwickelt werden können. Dass es sich lohnt, für Europa zu kämpfen. Eine starke, demokratische und geeinte EU ist das Gegenmodell für die Briten. Also zum Abschied: Sorry Britain, but it's time to say goodbye. Macht's gut. Ihr geht, unsere Liebe bleibt.

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