03.04.2020 - 15:47 Uhr
BruckDeutschland & Welt

Der Pferdeprofi aus der Oberpfalz

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Sie treten und buckeln, steigen und beißen: Problempferde. Millionen sehen samstags um 19.10 Uhr zu, wie Bernd Hackl aus bockigen Gäulen lammfromme Rösser macht. Der Oberpfälzer ist Star der Vox-Serie "Die Pferdeprofis".

Bernd Hackl auf seiner Ranch im Landkreis Cham mit "Fips", seinem treuen Quarter Horse, das ihn als Ponyhorse beim Training unterstützt.
von Christine Ascherl Kontakt Profil

Bis vor wenigen Wochen galt seine Sorge großen, schweren Vierbeinern. Bernd Hackl ist der „Pferdeprofi“, bekannt aus der gleichnamigen Vox-Serie. Doch auch in sein Leben hat sich das Virus geschlichen: Seine Arbeit ist zur Zeit nur eingeschränkt möglich.

Seit 15. Februar läuft die neunte Staffel der Coaching-Doku, immer samstags auf Vox um 19.10 Uhr. Millionen Zuschauer – zurzeit haben vielleicht sogar noch etwas mehr Zeit – sehen mit Staunen, wie der Pferdetrainer aus dem bockigsten Gaul ein lammfrommes Ross macht. Nie mit Gewalt, sondern mit Geduld. Und nicht mit Kuschelkurs, sondern mit Konsequenz.

„Ich Chef, du nix“, so habe er einmal ein Trainingsprinzip beschrieben und sei dafür viel gescholten worden. Dabei sei das anders gemeint gewesen: „Ein guter Chef ist einer, der weiter weiß, wenn mir der Plan ausgeht“, sagt der Oberpfälzer.

Gedreht wird die Sendung auf Hackls „7p-Ranch“ im Landkreis Cham. Vor drei Jahren hat der 46-jährige (aufgewachsen in Eitl-brunn bei Regenstauf) mit seiner Frau Simone eine Reitanlage in Bruckmühle bei Michelsneukirchen übernommen. „Ein Glücksfall. Wir haben in ganz Europa gesucht und dann hat sich das durch Zufall ergeben – und auch noch in der Oberpfalz, da, wo ich herkomme.“

Mit 20 in die USA

Hackl ist viel herumgekommen. Mit 21 Jahren ging er in die USA, ermuntert von seinem damaligen Chef, einem Druckermeister. „Ohne den Helmberger Fritz wäre ich heute nicht Pferdetrainer.“ Helmberger war so ein Chef, „einer, zu dem man immer kommen konnte“. Dieser sagte zum frisch ausgelernten Druckergesellen Hackl: „Bua, geh nach Amerika und schau, was du aus deinem Traum machen kannst.“ Ginge etwas schief, könne er „auf Lebenszeit“ zurückkommen.

Bernd Hackl lernt fürs Leben. Er heuert auf Farmen in Florida, Kalifornien und Texas an, für freie Kost und Logis. Er arbeitet unter anderem für Reining-Legende Bill Horn und reitet als Profi Turniere in hohen Klassen. Hackl lebt stellenweise wie im Western. „Ich war mit den Cowboys draußen bei den Rindern unterwegs, habe Brandzeichen gemacht und Bullen kastriert.“ Als er wieder kommt, hängt er den Turniersport an den Nagel, der ihm in Deutschland zu profitorientiert erscheint. Er will sich ganz dem Horseman-Ship widmen. „Mir wurde der Untergang prophezeit.“

Am Ende kam es anders. Seit zehn Jahren hat Hackl ein treues Fernsehpublikum mit den „Pferdeprofis“. Was die Supernanny für Kinder und Martin Rütter für Hunde, das ist Bernd Hackl für Pferde. In manchen Jahren hielt er 100 Kurse für Reiter und Pferd mit je 10 bis 12 Teilnehmern. Dazu kamen über die Jahre unzählige Berittpferde: Jungtiere und Problempferde. „Ich hatte tausende Pferde in der Hand.“

Seit fünf Jahren tourt Hackl mit einer Live-Show mit Comedy-Elementen durch Deutschland. Diesjähriger Titel: „Einhorn – besser als keins!“ Die ersten Termine in Wolfsburg und Rosenheim mussten jetzt aufgrund der Corona-Krise verschoben werden.

Wildfremde auf dem Hof

Der Bach an der Bruckmühle plätschert, Pferde schnauben auf den Koppeln. Auf dem Hofgelände ist der Fuhrpark der beiden kleinen Söhne verstreut: Minitraktoren und Kettcars. Auf der „7P-Ranch“ ist eine ungewohnte Ruhe eingekehrt. Es passiert ansonsten nicht selten, dass während der Ausstrahlungszeiten Wildfremde die Stalltür aufreißen („zufällig aus Hannover in der Gegend“). „Wir sitzen auf gefährlichen Pferden“, sagt Hackl. „Die wissen oft gar nicht, wie knapp das ist.“

Im Fernsehen arbeitet er pro Folge mit einem Pferd – ebenso seine norddeutsche Kollegin Katja Schnabel. Die Rösser treten und bocken, steigen und buckeln. Sie scheuen vor Wasser und beißen den Hufschmied. In 60 Minuten bekommen die „Pferdeprofis“ beinahe jedes Problem gelöst. In der Realität arbeiten Hackl und seine Co-Trainerin Kerstin, Schwester seiner Frau, oft monatelang mit den Tieren.

Grundsätzlich gebe es auch Pferde, die tatsächlich nicht zum Reitpferd geeignet sind. Hackl vergleicht’s mit einem kerngesunden Arbeitnehmer, „aber wehe, er bekommt Druck“. „Genauso gibt es Pferde, bei denen die Psyche nicht mitmacht.“ Und nicht jedes Tier ist zu zähmen. Hackl hat schon Pferde aufgegeben, weil er sie letztlich für lebensgefährlich hielt. „Ich habe fünf Pferde meiner Kundschaft persönlich zum Metzger gebracht.“

Nachdenken beim Pferdekauf

Er rät zu überlegtem Vorgehen beim Pferdekauf, zudem zum Kauf beim Züchter oder Trainer. „Die Anschaffung eines Pferdes ist die Anschaffung von einem großen Lebewesen für eine lange Zeit.“ Das „Unterschätzungspotenzial“ sei riesengroß. Viel zu oft würden „riesige Warmblüter“ gekauft – „und dann stehen sie bei uns und haben die Hosen voll“. Er selbst, ganz Cowboy, schwört auf Quarter-Horses.

Woher kommt die Gabe, Pferde zu verstehen? „Das hat nicht unbedingt mit Pferden zu tun, eher generell damit, sich in Lebewesen hineinzuversetzen.“ Pferde seien Fluchttiere, und sie leben in einer Herdenordnung. „Mir ist irgendwann gelungen, dass ich für Menschen übersetze, was Pferde denken.“ Den Ausdruck „Pferdeflüsterer“ mag er nicht: „Bei uns sagt man: Wer flüstert, lügt.“

Bernd Hackl auf seiner Ranch in der Oberpfalz

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