Sie glitzern in allen Farben und scheinen fast schwerelos. Doch es sind keine Schneeflocken oder Eiskristalle, die das Volkskundemuseum in Burglengenfeld in seiner aktuellen Ausstellung präsentiert. Bei der Schau geht es vor allem um Briefbeschwerer. "Gläserne Kostbarkeiten. Schusser, Briefbeschwerer und Glasobjekte aus aller Welt" lautet der Titel der Zusammenstellung, die durchaus passend erscheint für eine märchenhafte Winterwelt.
"Wir wollten sie schweben lassen", sagt Volkskundlerin Margit Berwing-Wittl zur puren Präsentation der Glasstücke, die in den Vitrinen fast ganz ohne Beiwerk auskommen. Dass die Briefbeschwerer dadurch in einem ambivalenten Verhältnis stehen zu ihrem eigentlichen Bestimmungszweck, nimmt die Museumsleiterin in Kauf. Ohnehin bezweifelt Margit Berwing-Wittl, dass die Briefbeschwerer, die im Fokus der Schau stehen, jemals aus vornehmlich praktischen Gründen angeschafft wurden. Martin Dallmeier jedenfalls, aus dessen Sammlung die in Burglengenfeld gezeigten Stücke stammen, ist vor allem der Schönheit der gläsernen Kostbarkeiten verfallen.
Im Oberpfälzer Volkskundemuseum bringt der Regensburger seine Sammlung nun erstmals an die Öffentlichkeit. Die ansprechende Wirkung steht auch hier im Vordergrund: Stalagmiten aus Glas, die sogar offiziell so heißen, Briefbeschwerer, die wirken wie Schneekugeln von besonders edler Sorte, in Glas festgehaltene kleine Welten - es ist vor allem die klare Optik, die den Zauber der Ausstellung ausmacht.
Dass die Objekte eingeteilt sind in Herstellungstechnik, Motive, Länder und Kunst, erfährt der Betrachter bei genauerem Blick. Internationale Glaszentren wie Murano, Böhmen oder heute China kommen im Begleittext der Schau zur Sprache. Dazu gibt es Informationen zur Entwicklung der gläsernen Liebhaberstücke: Briefbeschwerer waren zunächst in England um die Mitte des 19. Jahrhunderts populär und haben zu Zeiten der elektronischen Post ihren eigentlichen Sinn verloren.
Der geschichtliche Überblick der Schau vereint auch Aspekte zu Käufern und Herstellern. Bevor manch ein gläsernes Kunstwerk den Weg auf den Schreibtisch fand, wurde es durch die Mitarbeiter der Glashütten praktisch in Eigenregie hergestellt. "Geschundene Gläser", so nennt man die aus Abfällen gefertigten bunten Figuren und Objekte. Angestellte der Glashütten durften sie in ihren Pausen formen und anschließend selbst verkaufen. In der Burglengenfelder Ausstellung gehören die geschundenen Gläser genauso zu den Kostbarkeiten wie etwa ein Briefbeschwerer von Tiffany. Freilich gilt letzterer als ein Highlight der Schau - vor allem, da es sich um ein besonders seltenes Exemplar handelt.
Aus regionaler Sicht interessant sind die Glaskünstler der hiesigen Gegend. "Keine Kugel ist wie die andere", sagt Margit Berwing-Wittl über die gezeigten Stücke. Dass Besucher ihre eigenen Briefbeschwerer zum Herzeigen mitbringen, empfindet die Museumsleiterin als Bereicherung. Für manche der aktuellen Ausstellungsstücke mussten die Vitrinen des Oberpfälzer Volkskundemuseums mit einem doppelten Glasboden versehen werden. Trotz ihrer optischen Leichtigkeit sind die Briefbeschwerer durchaus gewichtig. Der Eindruck einer glitzernden Atmosphäre der Schwerelosigkeit bleibt dennoch erhalten. ___Die Ausstellung läuft bis Sonntag, 20. Januar, im Oberpfälzer Volkskundemuseum (Berggasse 3, Burglengenfeld). Öffnung: Mittwoch bis Freitag und Sonntag (jeweils 14 bis 17 Uhr), Informationen unter Telefon 09471/602583.



















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