"Luchsmord" bleibt nicht ungesühnt

Im Mai 2015 wurden im Landkreis Cham vier abgetrennte Luchspfoten gefunden. Nun soll ein möglicher Täter vor Gericht.

Diesem Luchs in einem Wildgehege im Harz geht es gut. Auch in Ostbayern streifen trotz Wilderei wieder mehr Luchse durch die Wälder. Das Landesamt für Umwelt geht aktuell von 26 Luchsen und 22 Jungtieren im Grenzraum zu Österreich und Tschechien in freier Wildbahn aus.
von Angela BuchfelderProfil

Von Sonja Esmailzadeh

Der Luchs schleicht wieder durch Ostbayern. Doch auch heute sind die Pinselohren in Gefahr: Wilderer machen Jagd auf sie. Nun soll ein möglicher Täter vor Gericht.

2012 wurde Luchskatze Tessa bei Rinchnach (Kreis Regen) vergiftet, eine trächtige Lüchsin wurde 2013 erschossen, ein Tier 2015 im Kreis Freyung-Grafenau erdrosselt. In einem besonders grausamen Fall gab es damals auch einen Ermittlungserfolg. Ein 53-Jähriger muss sich nun tatsächlich vor Gericht verantworten, obwohl sich mancher Vorwurf nicht hat belegen lassen.

Im Mai 2015 waren vier abgetrennte Luchspfoten im Kreis Cham gefunden worden. Der Wilderer hatte sie provozierend in der Nähe einer Fotofalle drapiert. Hinweise führten zu einem Landwirt und Jäger aus Lohberg. Beim Verdächtigen wurden tatsächlich Luchsohren und Pfoten sichergestellt. Jetzt, rund zwei Jahre später, meldet die Staatsanwaltschaft Regensburg, dass sich "der Verdacht der Jagdwilderei sowie Verstöße gegen das Bundesnaturschutzgesetz und das Tierschutzgesetz" konkretisiere. Einige Tatvorwürfe mussten fallengelassen werden. So konnte nicht sicher festgestellt werden, dass der Mann die beiden Luchse mit den Namen Leo und Leonie getötet hat. Die sichergestellten Pfoten und Ohren gehörten zu anderen Tieren. Auch für die Tötung dieser Tiere fanden sich keine eindeutigen Belege.

Umweltschützer werten die Ermittlungen dennoch als Erfolg: Denn in einem Wald wurden Lebendfallen gefunden, die mit dem 53-Jährigen in Verbindung gebracht werden konnten. So bestehe "der hinreichende Verdacht, dass der Beschuldigte mit Hilfe dieser Falle Luchsen nachstellte und zwischen Juni 2014 und September 2016 einen Luchs fing, den er mit einer Kurzwaffe tötete", folgert die Staatsanwaltschaft. Außerdem fanden sich bei Durchsuchungen ein Wurfstern und ein Nachtsichtzielgerät.

Wegen unerlaubten Waffenbesitzes und "vorsätzlichen Nachstellens und Tötens eines wildlebenden Tieres einer streng geschützten Art" wurde nun Anklage erhoben. Der Beschuldigte muss sich vor dem Amtsgericht Cham verantworten. Ihm drohen bis zu fünf Jahre Haft. Lob für die Ermittler gab es am Dienstag gleich von mehreren Umweltschutzorganisationen: Der Landesbund für Vogelschutz gratulierte den Beamten und hob den hohen Aufwand bei der Ermittlung hervor, "die wie bei einer Mordermittlung betrieben wurde".

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