Cham in der Oberpfalz
23.10.2018 - 17:02 Uhr

Spaziergang durchs lichte Dickicht

Ein Waldspaziergang ist ein gerne praktiziertes Freizeitvergnügen. Als besonderes Erlebnis präsentieren den Forst aber Eva Ertl und Anne Pincus. Um ihr Angebot zu erleben, geht man nicht hinaus in die Natur sondern ins Cordonhaus in Cham.

Anne Pincus (links) und Eva Ertl stellen derzeit gemeinsam im Cordonhaus in Cham aus. Bild: Susanne Wolke
Anne Pincus (links) und Eva Ertl stellen derzeit gemeinsam im Cordonhaus in Cham aus.

Ein Besuch in die Städtische Galerie ist annähernd ebenso erfrischend wie ein tatsächlicher Ausflug ins Grüne. Wobei "grün" hier schon mal irreführend ist. Die Eindrücke von Wäldern, seien sie oberhalb oder unterhalb der Wasseroberfläche, die die beiden Künstlerinnen in Cham eröffnen, lassen den nahe liegendsten Farbton oftmals missen. Der Wirkung tut dies keinen Abbruch. Die "Blicklichtung", so der Name der Ausstellung, lenkt das Schauen auf natürliche Elemente, die ebenso selbstverständlich daherkommen wie die Farbe des Laubes. Auch wenn der Blick auf das zurückhaltendere durch die beiden Künstlerinnen zunächst einmal geschärft werden muss.

Beide spielen dabei mit unbewussten Verbindungen, die das Dargestellte allerdings zweifelsfrei in den richtigen Kontext rücken. Anne Pincus reichen dazu nahezu abstrakte Andeutungen. Die Strukturen von "Naturalien", die sie auf kleinformatigen Ölbildern festhält, wecken die entsprechenden Assoziationen an die Natur.

In Australien geboren und seitdem viel in der Welt herumgekommen, bringt die heute in München lebende Anne Pincus mitunter ungewöhnliche Aspekte des Waldes nach Cham. Zwar zeigt sie unter anderem einzelne Baumansichten, die auf Textilbahnen in den Raum hinein hängen. Daneben gibt es aber auch Anspielungen auf Korallenwälder in den Tiefen des Ozeans.

Geheimnisvoll, manchmal auch unheimlich wirkt der Wald in der gesamten Ausstellung. So auch auf den Zeichnungen Eva Ertls. Im Bayerischen Wald geboren bleibt die Künstlerin der Umgebung ihrer Kindheit auch in ihren Arbeiten treu. Bei ihr sind es ungewöhnlich große Zeichnungen, die den Wald in ebenso ebenso ungewöhnlicher Weise aufs Blatt bannen.

Wurzelgeflechte, die sich in unübersehbaren Strukturen über die Bildfläche ziehen, sind ein Beispiel für das Ansinnen der Künstlerin. Sie wolle den Blick auf Dinge lenken, erklärt Eva Ertl, ihn frei machen für das große und das kleine.

"Blicklichtung", der Titel der Ausstellung im Cordonhaus ist mehrdeutig zu verstehen. Die Schau, in der übrigens nicht ausschließlich Waldbilder zu sehen sind, sondern auch Darstellungen von Wasser und sogar von Städten, löst sich nicht nur von künstlerischen Traditionen. Aufgeräumt wird hier auch mit optischer Überladung. Ein Waldspaziergang im Herbst macht die Seele frei. Der Besuch der aktuellen Ausstellung in Cham ist eine ähnlich erfrischende Ergänzung oder Alternative.

Info:

Die Ausstellung „Blicklichtung“ mit Werken von Eva Ertl und Anne Pincus läuft bis zum 25. November im der Städtischen Galerie Cordonhaus, Propsteistraße 46 in Cham. Öffnungszeiten sind Mittwoch bis Sonntag und feiertags von 14 bis 17 Uhr, Donnerstag von 14 bis 19 Uhr, geschlossen ist am 1. November. Weitere Infos gibt es unter www.cordonhaus-cham.de. (wsu)

 
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