27.08.2018 - 19:49 Uhr
Deutschland & Welt

In Chemnitz marschiert der Mob: Die rote Linie ist überschritten

Die Jagdszenen in Chemnitz alarmieren nicht nur die Politik. Wieder einmal stellt sich die Frage, wie viel ein freiheitlicher Staat sich von einem aufgebrachten Mob bieten lassen muss. Ein Kommentar von Frank Stüdemann.

Rechte Demonstranten stehen am Tag nach den Ausschreitungen vor dem Karl-Marx-Monument in Chemnitz.
von Frank Stüdemann Kontakt Profil
Kommentar

Was wissen wir? Ein Mann ist tot. Ob der 35-jährige Deutsche von dem 23-jährigen Syrer und dem 22-jährigen Iraker getötet wurde, gegen die ein Haftrichter in Chemnitz Haftbefehl erlassen hat, wissen wir noch nicht. Und falls sie es getan haben, müssen die weiteren Ermittlungen zeigen, wie es zu der Tat kam: War es ein fatales Handgemenge bei einem hitzigen Streit, oder war es kaltblütiger Mord?

Am Sonntag entstand in der sächsischen Stadt aus dieser Ungewissheit in Kombination mit Gerüchten, Ahnungen und Vermutungen ein gefährliches Gemisch, das die üblichen Verdächtigen vom rechten Rand aus zur Explosion brachten - und die sozialen Medien waren, wieder einmal, die Lunte, an die sie ihr Streichholz hielten. Der Mob marschierte durch Chemnitz, und niemand, der ihm nicht deutsch genug aussah, war seines Lebens sicher.

Wir können froh sein, dass am Ende des Tages nicht noch mehr Verletzte oder gar Tote zu beklagen waren. Dennoch muss man ernüchtert zur Kenntnis nehmen: So weit ist es also gekommen in Deutschland. Wieder und wieder muss diese rote Linie aufgezeigt werden: Absolut jeder hat das Recht, auf der Straße zu protestieren und seine Meinung hinauszuschreien - aber absolut niemand hat das Recht, das Gesetz in die eigene Hand zu nehmen oder zu Gewalt aufzurufen.

Niemand.

Die Lage in Chemnitz bleibt angespannt

Deutschland & Welt

Chemnitz kommt nicht zur Ruhe

Deutschland & Welt

Wie reagieren Behörden auf die offensichtlich gut vernetzte rechtsextreme Szene?

Deutschland & Welt
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

A. Schmigoner

Wer hat geschrieben, dass die „Chemnitzer alle Nazis oder rechte sind“? Im Kommentar von Frank Stüdemann, den ich für sehr gelungen halte, steht jedenfalls nichts dergleichen. Es reicht eben nicht, sich „durch mehrere Quellen zu informieren“, wie der Kommentator Senf meint, man muss die Informationen auch korrekt lesen und verstehen. Richtig ist, dass neben vielen Bürgern auch sehr viele Nazis in Chemnitz aufgetreten sind. Falsch ist, wie der Kommentator Senf behauptet, dass sich die rechte Demo „spontan versammelt“ habe. In rechten Foren und Hooligankreisen wurde bundesweit zur Demo mobilisiert. Anders als im Internet kolportiert ging den tödlichen Messerstichen laut Polizei kein sexueller Übergriff auf eine Frau voraus. Landespolizeipräsident Georgie sagt, es habe einen Streit zwischen zwei Männergruppen gegeben, in dessen Verlauf schließlich Messer gezogen worden seien. Nach Aussage von Freunden, habe das spätere Opfer Daniel H., als junger Farbiger, wenig für die rechte Scene übrig gehabt. Richtig ist weiter, dass neben Nazigruppierungen auch Hooligans, AfD, Pro C., NPD, und Herr Bachmann mit seiner Pegida demonstriert haben. Was bewegt einige bürgerliche Demonstranten dazu, die für Recht- und Ordnung und gegen Ausländerkriminalität demonstrieren, ausgerechnet Herrn Bachmann hinterher zu rennen? Bachmann beging seit den 1990er-Jahren mehrfach Straftaten, unter anderem Körperverletzung, Einbruch, Diebstahl und Drogenhandel. Im Jahre 1998 wurde er vom Landgericht Dresden wegen 16-fachen Einbruchs mit Diebstahl zu drei Jahren und acht Monaten Haft verurteilt. Laut Zeitungsberichten verübte er „Auftragseinbrüche“ für das Dresdner Rotlichtmilieu. Er flüchtete nach Südafrika, wurde aber schließlich von der dortigen Einwanderungsbehörde als krimineller Ausländer nach Deutschland abgeschoben.

02.09.2018
Hubert Senf

Hier ein sachlicher Kommentar.

Ich stelle fest, dass die obige Meldung mit entsprechenden Deutungen die Darstellung eines Redakteurs ist. Es gibt jedoch (zum glück aus meiner Subjektiven Sicht) noch andere Darstellungen, die eben "keinen rechten Mob in Chemnitz" gesehen haben.

Für mich als aufmerksam informierter Oberpfälzer ist es leider sehr offensichtlich so, dass die Chemnitzer (die eben nicht alle Nazis oder rechte sind) sich spontan (auf den Messer-Mord hin) versammelt haben, was laut Bundesverfassungsgericht auch LEGAL ist. (Dies nur angemerkt weil viele im Netz von illegal sprechen - Versammlungsrecht etc.)

Ich empfehle und rate jedem dringlich sich selbst durch mehrere Quellen zu informieren und nicht bloßs 1zu1 alles zu glauben (egal aus welchem Medium/ Richtung) was man so hört/ liest.

29.08.2018