21.08.2026 - 05:02 Uhr

Dax-Konzernchef: „Mir gefällt dieses Rumgenörgel nicht“

Der Chef von Siemens Healthineers spricht im dpa-Interview Klartext: Unternehmer sollen nicht dauernd hilfesuchend auf die Politik schauen - schließlich gebe es in Deutschland keine Planwirtschaft.

Konzernchef Montag: „Mir persönlich gefällt dieses Rumgenörgel einfach nicht.“ Bild: Soeren Stache/dpa
Konzernchef Montag: „Mir persönlich gefällt dieses Rumgenörgel einfach nicht.“

Der Vorstandvorsitzende des Dax-Konzerns Siemens Healthineers, Bernhard Montag, hat die Anspruchshaltung vieler Wirtschaftslenker in Deutschland gegenüber der Politik kritisiert. „Mir persönlich gefällt dieses Rumgenörgel einfach nicht. Weil ich sage: Das sind Unternehmen, wir sind nicht in einer Planwirtschaft oder Staatswirtschaft“, sagte Montag in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. „Dauernd auf die Regierung zu schauen, finde ich schwierig.“ 

Ein Teil der Wirtschaftsführer verhalte sich in Bezug auf politisches Handeln so, wie sie es ihren Mitarbeitern gerne vorwerfen: „Es ist dieses Verhalten, das man Arbeitnehmern gerne mal vorwirft: Ich habe ein Recht, dass da jemand was für mich zur Seite räumt und ich glaube, da ist ein fundamentales Missverständnis drin“, erklärte der Vorstandschef des im fränkischen Erlangen ansässigen, weltweit tätigen Medizintechnik-Konzerns. 

Siemens Healthineers ist die ehemalige Medizintechniksparte von Siemens und ging im Jahr 2018 an die Börse. Siemens blieb jedoch Hauptaktionär. Das Unternehmen stellt Geräte und Systeme her, mit denen Krankheiten wie etwa Krebs diagnostiziert, überwacht und behandelt werden können. 

Standort Deutschland ist wichtig 

Montag habe nicht das Verständnis, dass die Regierung für Wirtschaftswachstum verantwortlich sei, sagte der Manager. Und es liege auch nicht an deutscher Bürokratie oder fehlenden Baugenehmigungen, dass hierzulande kein Unternehmen wie etwa der US-Chiphersteller Nvidia entstanden sei. Nvidia stellt Hochleistungschips für KI-Anwendungen her und gehört zu den börsennotierten Unternehmen mit den derzeit höchsten Marktkapitalisierungen weltweit. 

Für Siemens Healthineers bleibe der Standort Deutschland von großer Bedeutung, sagte Montag. „Wir haben mehr als 20 Prozent der Mitarbeiter in Deutschland. Das heißt: Wir sind immer noch da. Wir haben unseren Kern da. Wir haben in den letzten Jahren 650 Millionen Euro investiert in die deutschen Standorte“, so der Manager weiter. „Wir bauen und wir haben auch immer mehr Beschäftigte. Also sozusagen die Beschäftigung in Deutschland nimmt zu. Das ist erstmal das Faktische. Und wir haben auch eigentlich kein Problem, Mitarbeiter zu finden.“ 

Seit 2021 ist Siemens Healthineers im Dax 40 gelistet, dem Index der wichtigsten börsennotierten Unternehmen in Deutschland. Kurz zuvor war die Übernahme des US-Krebsspezialisten Varian abgeschlossen worden, ein Deal im Wert von 16,4 Milliarden Euro. Das Mutterunternehmen Siemens will in Kürze seine Aktienmehrheit abgeben. 

Im zurückliegenden Geschäftsjahr 2025 erzielte Siemens Healthineers einen Umsatz in Höhe von 23,4 Milliarden Euro und überschritt mit einem Nettogewinn von 2,1 Milliarden Euro erstmals die Zwei-Milliarden-Marke. Für das laufende Geschäftsjahr wird nach einer Korrektur ein Umsatzwachstum von bis zu vier Prozent erwartet. Die Gewinne sollen noch kräftiger steigen - unter anderem, weil es zu einer Rückerstattung von zu viel bezahlten US-Zöllen kam.

© dpa-infocom, dpa:260821-930-560650/1

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