Faktencheck: Profitiert die Ehefrau von Markus Söder von der Maskenpflicht?

Karin Baumüller-Söder soll 242 Millionen Euro Umsatz mit der Herstellung von Masken erwirtschaftet haben – so kursiert es im Netz. Die Behauptung ist unwahr, recherchierten mehrere Faktenchecker-Teams.

Karin Baumüller-Söder mit ihrem Mann Markus Söder.
von Susanne Forster Kontakt Profil

Die Ehefrau von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder ist Miteigentümerin der Baumüller-Gruppe. Im Internet kursiert der Vorwurf, Karin Baumüller-Söder würde mit der Maskenpflicht Millionen verdient haben. Und zwar, weil sie mit ihrer Firma angeblich Masken produziere.

BEWERTUNG

Die Angaben sind falsch. "Karin Baumüller-Söders Unternehmen Baumüller ist im Bereich Maschinenbau tätig und hat nach eigenen Angaben lediglich rund 200 Face Shields (Gesichtsvisiere) hergestellt – die anschließend gespendet worden seien", schreibt die Deutsche Presse-Agentur.

Laut eigenen Angaben ist Baumüller Services Dienstleister im Bereich elektrische Maschinen und Anlagen und spezialisiert auf die Inbetriebnahme und Installation, sowie die Instandhaltung oder Modernisierung von elektrischen Maschinen und Anlagen.

In einer Pressemitteilung des Unternehmens vom 4. Mai 2020 heißt es: "Baumüller Services, eine Tochter der Nürnberger Firmengruppe Baumüller, reagiert auf die aktuellen Herausforderungen und stellt einen Teil seiner Fertigung auf die Herstellung von Face Shields um." Face Shields sind Gesichtsvisiere aus Kunststoff. "Diese können als ergänzende Schutzmaßnahme gegen COVID-19 eingesetzt werden und eine direkte Tröpfcheninfektion vermeiden und sind so besonders im medizinischen Bereich aktuell sehr gefragt", teilte die Firma damals mit.

Ab dem 27. April 2020 hat die Maskenpflicht in Geschäften und im Einzelhandel gegolten. Die Bayerische Staatsregierung veröffentlichte am 24. April 2020 folgende Aussage: "Das bayerische Innenministerium und das Gesundheitsministerium haben den Bußgeldkatalog bei Verstößen gegen die Regelungen zur Eindämmung des Coronavirus erweitert. Neu aufgenommen wurden Verstöße gegen die ab 27. April 2020 geltende Pflicht für Personen ab dem siebten Lebensjahr (das heißt ab dem sechsten Geburtstag), beim Einkaufen und im öffentlichen Nahverkehr eine geeignete Mund-Nasen-Bedeckung zu tragen. Medizinische Masken sind nicht notwendig. Eine selbst genähte Maske reicht, gegebenenfalls auch ein Tuch oder ein Schal."

FAKTEN

Im Mai 2020 gibt das Unternehmen per Pressemitteilung bekannt, dass die "neuste Kompetenz des Unternehmens" die "Produktion von Gesichtsschildern" ist. "Diese können als ergänzende Schutzmaßnahme gegen COVID-19 eingesetzt werden und eine direkte Tröpfcheninfektion vermeiden und sind so besonders im medizinischen Bereich aktuell sehr gefragt. Alle produzierten Face Shields wurden für die eigenen Mitarbeiter bzw. für Spendenzwecke hergestellt." Produziert worden sei auf firmeneigenen 3D-Druckern.

Wie mimikama.de herausstellt, fertigt Baumüller Services nicht die handelsüblichen Mund-Nase-Masken, aber eine begrenzte Anzahl sogenannter Face Shields, also Gesichtsschutzmasken aus Plastik. Wie das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte beschreibt, ist haben Gesichts-Schilde keine Filtereigenschaften. Sie könnten Schutzmasken nicht ersetzen und seien auf keinen Fall als gleichwertig anzusehen. Wie auch an der Aussage der Bayerischen Staatsregierung vom 24. April zu sehen ist, war damals noch eine selbst genähte Maske, ein Tuch oder ein Schal zur Bedeckung von Mund und Nase ausreichend.

Rechercheteam von BR24 deckt auf

Wie mimikama.de schreibt, wollte BR24 es genauer wissen: Etwa, weil der Satz über die Herstellung der Face-Shields für die eigenen Mitarbeiter und die Spendenzwecke nachträglich in der Pressemitteilung auftauchten. Dem BR sei daraufhin der interne Mailverkehr über die Face Shields zur Verfügung gestellt worden. "Daraus gehe hervor, dass die Schilder tatsächlich ausschließlich für die eigenen Mitarbeiter und als Spende für das Krankenhaus gefertigt wurden. Insgesamt seien nur 210 Face Shields hergestellt worden. Je 100 gingen an zwei Krankenhäuser (Martha-Maria-Krankenhaus in Nürnberg und Frankenalb-Klinik Engelthal), 10 an die eigenen Mitarbeiter oder wurden als Muster verwendet."

Der Umsatz von 242 Millionen Euro sei der Gesamtumsatz des Unternehmens Baumüller - und nicht etwa die Erträge aus dem Verkauf von Schutzmasken, so mimikama.de.

Oberpfalz

Zum Artikel von mimikama.de

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