11.10.2018 - 19:25 Uhr
Deutschland & Welt

Ist auch diese Lehrerprognose für die Katz'?

Mathematiker können alles berechnen, nur den Lehrerbedarf nicht. So sah das immer wieder aus. Jetzt prophezeien die Kultusminister einen akuten Lehrermangel. Ist auch diese Prognose für die Katz'?, fragt sich Albert Franz.

Nicht nur an Grundschulen fallen viele Unterrichtsstunden aus. Die Kultusminister rechnen mit einem akuten Lehrermangel.
von Albert Franz Kontakt Profil
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Es dürfte ein ewiges Rätsel bleiben: Mathematiker können alles Mögliche berechnen, nur den Lehrerbedarf nicht. Und das, obwohl alles so simpel aussieht: So viele Geburten, so viele Kinder werden sechs Jahre später eingeschult. Doch die Prognosen stimmen nicht einmal auf fünf Jahre im Voraus, geschweige denn bis 2030. Immer wieder überraschen sinkende oder steigende Geburtenraten die Mathematiker. Das Übertrittsverhalten zu Realschulen und Gymnasien ist offenbar kaum vorhersehbar. Und erst recht nicht die Entwicklung bei den Flüchtlingszahlen.

Und dann ist da noch die Lehrer-Seite: Dass eine Pensionierungswelle im Schuldienst rollt, war absehbar. Aber wie viele Abiturienten ein Lehramtsstudium beginnen, welche Fächer sie wählen, wie viele es abschließen, wie viele ihren Job hinwerfen, in Teilzeit wechseln oder in Altersteilzeit gehen - allzuviele Unbekannte für eine saubere Rechnung. Hinzu kommen Irrwege wie das achtstufige Gymnasium, die Unentschlossenheit bei den Ganztagsschulen, oder die abschreckende Praxis, Lehrer mit Angestelltenverträgen abzuspeisen oder Junglehrer in den Ferien in die Arbeitslosigkeit zu entlassen.

Auch deshalb herrscht an den Grundschulen derzeit akute Personalnot. Unterrichtsausfälle häufen sich in allen Schultypen. Und das bei steigenden Anforderungen. Längst ist die Schule zum Reparaturbetrieb sozialer Verwahrlosung geworden. Aber was tun die Länder? Sie stopfen die Löcher notdürftig mit Quereinsteigern, Studenten oder Pensionisten.

"Die Entscheidung für ein Lehramtsstudium will in jedem Falle wohlüberlegt sein", heißt es im Vorwort der bayerischen Prognose zum Lehrerbedarf vom März diesen Jahres. Das klingt eher abschreckend als verlockend. Und es ist vermutlich das völlig falsche Signal.

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