17.03.2019 - 16:38 Uhr
EdelsfeldDeutschland & Welt

Smartphone-Fasten: Alle starren aufs Handy

Chatten, Telefonieren oder Musikhören - das Smartphone ist längst mehr als nur ein Gerät zum Telefonieren. In der Fastenzeit wagen zwei junge Oberpfälzer das Experiment. Sie versuchen eine Woche lang, auf ihr Smartphone zu verzichten.

Zwei Oberpfälzerinnen wagen das Experiment: Eine Woche ohne Smartphone.
von Eva-Maria Hinterberger Kontakt Profil

Maria Grünthaler

Maria Grünthaler aus Edelsfeld.

Ich heiße Maria bin 29 Jahre alt und Mutter einer vierjährigen Tochter. Wir kommen aus Edelsfeld im Landkreis Amberg-Sulzbach. Ich möchte beim Handyfasten mitmachen, da ich viel zu viel am Handy hänge und meine Tochter auch nur noch damit spielen möchte.

Diana Pelzer

Diana Pelzer aus Kirchendemenreuth.

Mein Name ist Diana Pelzer. Ich bin 22 Jahre alt und komme aus Kirchendemenreuth im Landkreis Neustadt/WN.

Ich möchte Handyfasten, weil es mich interessiert, wie ich auf die Zeit ohne Handy reagiere und wie ich zurechtkomme. Denn: Wie bei den meisten anderen Menschen, ist mein Handy mein ständiger Begleiter. Sei es zum Musik hören, chatten, Fotos schießen oder einfach als Zeitvertreib. Das Handy ist ständig dabei.

Während der Fastenzeit werde ich aber auf ein Tastenhandy umsteigen, auf dem die wichtigsten Nummern gespeichert sind - für Notfälle. Ich besitze kein Festnetz-Telefon und kann so im Notfall Hilfe holen. Vor allem weil ich einen fünf Monate alten Sohn habe und ich mich mit einem Telefon einfach sicherer fühle. Der andere Grund ist, dass mich meine Mutter erreichen können muss. (Jeder weiß, wie die eigene Mutter ist, wenn man nicht an sein Handy geht ...)

Erstmal strebe ich eine Woche ohne Smartphone an. Ob ich noch weiter durchhalten kann/möchte, werden wir dann sehen.

Montag - der erste Tag

Maria Grünthaler: Um 9 Uhr habe ich mein Handy ausgeschaltet und weggelegt. Die wichtigsten Personen (Eltern, Geschwister und Kindergarten) haben meine Festnetz-Nummer. Wirklich gefehlt hat mir das Handy nicht. Dafür habe ich sehr viel Haushalt geschafft. Ohne andauernd auf das Smartphone zuschauen, ging es doch viel schneller. Das erste Problem trat ein, als ich meinen Wecker stellen wollte und dies ja nicht ging. Das musste dann mein Mann übernehmen. Sonst gehe ich die nächsten Tage ganz zuversichtlich an.

Diana Pelzer: Um genau zu sein habe ich das Handy, am Montag den ganzen Tag vermisst. Es überkam mich immer wieder ein so komisches "Verlangen" aufs Handy schauen zu müssen, da ich das Gefühl hatte, eine neue Nachricht erhalten zu haben.

"Vermisst" habe ich es auch als ich einen Termin für meinen Sohn beim Arzt ausmachen musste ... Dummerweise habe ich die Telefonnummer nirgends aufgeschrieben und empfand es dann als sehr umständlich meinen Laptop aus dem Schrank zu holen und dann dort nach der Nummer zu schauen. Mit dem Handy wäre das innerhalb von ein paar Sekunden gegangen.

Freunde und Verwandte können mich weiterhin über meine Handynummer erreichen. Ich habe ja nun ein Tastenhandy. Auf Whatsapp habe ich zuvor einen Status gepostet, dass mich die Leute doch bitte telefonisch kontaktieren sollen. Probleme gab es bis jetzt keine, außer dass ich im ersten Moment nicht weiß, wer anruft oder eine Nachricht an mich geschrieben hat, da ich keine Nummern gespeichert habe.

Dienstag - der zweite Tag

Maria Grünthaler: Der zweite Tag war schon schwieriger. Im Auto zum Beispiel läuft meine Musik zu 90 Prozent übers Handy. Auch wenn mir unterwegs etwas eingefallen ist, konnte ich nicht einfach schnell anrufen. Meine Termine sind auch dort alle im Handy gespeichert. Da ich diese aber nirgends aufgeschrieben hatte, musste ich mit dem Laptop die Nummern raussuchen und nochmal nachfragen, wann die Termine sind.

Ich hatte außerdem einen Ultraschall-Termin, normalerweise würde ich das Bild vom Kind abfotografieren und meiner Familie schicken. Die mussten diesmal warten, bis ich sie abends gesehen habe.

Auch spontane Treffen sind nicht einfach. Ich habe mir von meiner Mutter das Handy geliehen, um etwas auszumachen.

Meine Tochter hat auch bemerkt, dass mein Handy fehlt und danach gefragt. Man kann sich aber viel intensiver auf seine Kinder konzentrieren ohne von dem Piepsen abgelenkt zu sein.

Diana Pelzer: Heute war es ein wenig besser als am ersten Tag. Mir wird nur langsam bewusst, wie oft man sein Handy ja wirklich braucht/benutzt. Ich hatte heute einen Termin in Trabitz. Dort hin zu finden wäre für mich dann aber doch sehr schwer geworden ohne Handy. Glücklicherweise ist mein Freund mitgefahren und wir haben sein Navi auf dem Handy benutzen können. Alleine würde ich vermutlich immer noch nach der Adresse suchen.

Ganz kapiert habe ich es aber immernoch nicht, dass mein Handy ausgeschaltet im Schrank liegt. Auf der Autofahrt hat mich mein Freund nämlich gebeten, etwas zu googeln. Natürlich ging meine Hand sofort Richtung Hosentasche, in der sich normalerweise das Handy befinden würde ... Was für ein Scherzkeks.

Freunde und Verwandte können mich weiterhin per SMS, Telefon oder Facebook kontaktieren. Manche scheinen das allerdings noch nicht verstanden zu haben. SMS bekomme ich zwar keine, aber ich habe von zwei Personen eine Nachricht über Facebook erhalten, in denen ich gefragt wurde, warum ich seit zwei Tagen nicht auf Fragen per Whatsapp reagiere ...

Mittwoch - der dritte Tag

Maria Grünthaler: Langsam gewöhnt man sich dran, nicht 24 Stunden erreichbar zu sein. Der gewohnte Griff in der Früh zum Handy ist weg. Ich persönlich schlafe auch besser, da es nachts nicht immer leuchtet und auch das „daddeln“ vorm Schlafen fehlt mir nicht.

Freunde und Verwandte haben sich auch daran gewöhnt, dass ich nicht immer ans Telefon gehe.

Beim Spielen mit meiner Tochter merke ich erst, wie oft sie mich anschaut. Normalerweise hätte sie mich dann immer mit dem Smartphone in der Hand gesehen und hätte es dann auch haben wollen.

Facebook und ähnliches kann ich ja nach wie vor am Laptop öffnen, um auf dem neuesten Stand zu bleiben. Das ist aber viel seltener geworden, da es viel umständlicher ist den Laptop ständig zu öffnen.

Jedoch gab es gestern Abend auf der B85 einen Vorfall, wo ich mein Handy hätte gebrauchen können: Ich bin nach Hause gefahren und direkt vor mir hat eine Frau ein Reh angefahren. Ihr Auto war komplett kaputt. Ich habe zwar angehalten, konnte ihr aber leider nicht helfen. Zum Glück hat das Auto hinter mir auch angehalten und der Fahrer hatte ein Handy dabei.

Für immer aufs Handy zu verzichten kommt für mich nicht in Frage, da es wirklich Situationen gibt, in denen man es braucht. Auf Hilfe von vorbeifahrenden Autos kann man leider heutzutage vergeblich warten.

Diana Pelzer: Heute hat es mir wenig ausgemacht kein Handy zu haben, aber das könnte auch daran liegen, dass ich den ganzen Tag zu Hause verbracht habe. Das einzige Moment, in dem ich es vermisst habe war, als ich ein Foto von meinem Sohn machen wollte. Da ging meine Hand wieder automatisch dorthin, wo sich mein Handy befinden würde. Es ist eine ganz blöde Angewohnheit, alles mit dem Handy erledigen zu wollen, obwohl man ja im Schrank auch eine Kamera hätte, die zudem auch noch bessere Fotos schießt. Aber das Handy hat man einfach schneller da.

Am Abend hat sich dann eine Freundin bei mir über Facebook gemeldet. Das hat mich sehr gefreut einfach nur mal mit jemandem kurz zu schreiben.

Donnerstag - der vierte Tag

Maria Grünthaler: Heute gibt es nicht viel zu erzählen. Eine Freundin meinte gestern, man sollte mal wirklich Freunde und Verwandte fragen, wie es für die ist, wenn man jemanden in der heutigen Zeit nicht erreichen kann. Wir sind über die Landesgrenze gefahren und jeder weiß wie Mütter sind, wenn das Wetter nicht gut ist und die Tochter schwanger und nicht erreichbar ist. Ich habe dann meine Freundin gebeten meiner Mutter und meinem Mann (der dieses Woche Spätschicht hat) zu schreiben, dass wir wieder sicher zuhause angekommen sind.

Diana Pelzer: Obwohl ich mich mittlerweile daran gewöhnt habe, kein Handy mehr zu haben, kommen mir doch immer wieder so Momente, in denen ich es wirklich gut gebrauchen könnte. Heute wollte ich "schnell" ein Rezept im Internet suchen, aber aus diesem schnell wurden ganze 20 Minuten: Laptop auspacken, anstecken, hochfahren ...

Zudem hatte ich heute Morgen einen Termin, zu dem ich leider zu spät gekommen bin, da ich mir keinen Wecker stellen konnte. Normalerweise würde mich morgens mein Sohn wecken, aber genau heute hat er sich dazu entschieden länger zu schlafen...

Maria hat bereits einmal erwähnt, dass sie durch den Handyentzug ihrer Tochter mehr Aufmerksamkeit. Genau das fällt mir bei mir selbst auch auf. Es sind so viele Momente, die ich "verpasst" hätte, da ich ohne dieses Fasten in dem Moment wahrscheinlich auf mein Handy gesehen hätte.

Freitag - der fünfte Tag

Maria Grünthaler: Nach fünf Tagen ohne Smartphone ist es fast schon Gewohnheit, es nicht zu benutzen.

Ich freue mich aber auch schon darauf, wenn ich es wieder habe, denn ich fühle mich vor allem unterwegs viel sicherer

Diana Pelzer: Heute war eigentlich alles so wie immer. Wir sind aufgestanden, haben uns fertig gemacht und dann bin ich in die Küche, um mir einen Kaffee zu machen. Der einzige Unterschied war, dass ich sehr viel müder als sonst war. Erst als ich mich an den Küchentisch gesetzt habe, um den Radio anzumachen ist mir aufgefallen, dass es noch mitten in der Nacht ist.

Da wir abends in der ganzen Wohnung die Rollos runterlassen und wir eigentlich kaum Uhren in der Wohnung haben, ist es mir erst so spät aufgefallen, dass es noch so früh ist. Normalerweise wache ich auf und schaue auf meinem Handy auf die Uhr, aber da mein Sohn in der Nacht auf einmal putzmunter war und man sich normalerweise wirklich auf seinen Rhythmus verlassen kann, bin ich davon ausgegangen, dass es schon Zeit zum aufstehen ist.

Samstag - der sechste Tag

Maria Grünthaler: ----

 

Diana Pelzer: Ich habe mich mittlerweile total daran gewöhnt, kein Handy zu haben und es macht mir auch wirklich nichts mehr aus.

Gestern Abend war ich mit ein paar Freunden aus meinem Verein unterwegs. Es ist mir wirklich sehr aufgefallen, wie oft die Leute aufs Handy schauen. Einmal ist es kurz sogar vorgekommen, dass alle gleichzeitig für ein paar Minuten darauf gesehen haben und man selbst sitzt dann ein wenig "verloren" daneben. Ich frage mich, ob sich die Leute um mich herum auch manchmal so vorgekommen sind, als ich noch ein Handy hatte.

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