Edelsfeld. Wenn Sandra Bohun aus Edelsfeld in sozialen Netzwerken zum Thema "Wolf" kommentiert, enden ihre Texte mit dem Zusatz "Wolfsstammtisch Oberpfalz/Franken". Das mach neugierig. Was hat es damit auf sich?
"Der Wolfsstammtisch Oberpfalz /Franken" ist eine geschlossene Facebook-Gruppe mit derzeit 29 Mitgliedern", erklärt Sandra Bohun. Sie hat den virtuellen Stammtisch im September 2017 gegründet. Das Ziel: Der Austausch über den Wolf in der Region. "Wir wollen uns aber auch in der Praxis einbringen", sagt Bohun. Die Gruppenmitglieder haben deswegen Kontakt zu Weidetierhaltern in der Region aufgenommen - einige davon gehören neben Pferdehaltern und einem Forstmann sogar selbst dem virtuellen Stammtisch an.
"Wir möchten versuchen zusammen mit den Weidetierhaltern einen Konsens zu finden, gegebenenfalls unsere Hilfe anbieten - zum Beispiel beim Bau von Schutzzäunen - und respektvoll auf Augenhöhe kommunizieren." Bisher hätten die Tierbesitzer diese Hilfen aber abgelehnt. Ihre Reaktionen auf die Existenz der Gruppe seien unterschiedlich gewesen - oft positiv, teilweise sei die Gruppe auch "belächelt" worden.
"Wir freuen uns über die Rückkehr des Wolfes, nichtsdestotrotz sehen wir ebenso die Risiken und Gefahren, die auf uns zukommen können", sagt Bohun. Den Gruppenmitgliedern sei durchaus klar, dass es sich beim Wolf nicht um ein "Kuscheltier" handelt. "Man sollte ihm daher mit einer gesunden Portion Respekt begegnen. Da er aber keine natürlichen Feinde hat, wird er von vielen nicht gerne gesehen." Auch sind die Stammtischmitglieder nicht grundsätzlich gegen einen Abschuss des Wolfes. "Uns ist klar, dass diese unter Umständen auch entnommen werden müssen." Trotzdem ist Bohun aber der Meinung, dass eine Aufnahme des Wolfs ins Jagdrecht nur bedeute, dass die Verantwortung auf die Jäger abgegeben werden. Sie wünscht sich stattdessen von Staat geförderte Präventionsmaßnahmen.
Zudem hätten die Gespräche mit Tierhaltern gezeigt, dass die Angst vor dem Wolf noch nicht zu groß ist. "Eine Pferdebesitzerin aus dem Nachbarort winkte lachend ab und meinte: 'Wölfe und Luchse gab es am Truppenübungsplatz schon lange bevor dies publik gemacht wurde. Ich bringe meine Tiere abends in den Stall, da ich mehr Angst vor Pferderippern habe als vor dem Wolf.'"
In einem nächsten Schritt wollen sich die Gruppenmitglieder, die bisher größtenteils nur virtuell kennen, im Wildpark Lohberg (Kreis Cham) treffen. Auch ist die Gruppe immer auf Suche nach Mitgliedern "Weidetierhalter, Landwirte oder Forstarbeiter. Menschen, die sich auch aktiv beteiligen wollen und nicht nur stille Mitleser sind."
In der Oberpfalz und dem nahen Franken gab es bisher vergleichsweise wenige Fälle, bei denen Wölfe Haustiere angegriffen haben. Beim zuständigen Landesamt für Umwelt sind für das Jahr 2018 zwei bekannt, die die Oberpfalz, Mittel- und Oberfranken betreffen. Hinzu kommt ein Fall, bei dem ein Wolfsangriff möglich aber nicht eindeutig nachgewiesen ist. Alle diese Fälle ereigneten sich im April.
Am 10. April riss ein Tier ein Schaf in Barbaraberg im Landkreis Neustadt/WN. Hier weisen Genspuren eindeutig einen Wolf als "Täter" aus. Das Gleiche gilt bei einem weiteren Schafriss der sich am 15. April bei Beratzhausen im Landkreis Regensburg ereignet hat.
Weniger eindeutig ist der Fall bei einem Angriff auf Damwild in einem Gehege bei Allersberg in Mittelfranken, nahe Neumarkt. "Eine Auswertung der Überreste war aufgrund deren Zustand nicht mehr möglich. Ein Verursacher konnte somit nicht festgestellt werden", erklärt das Landesamt für Umwelt zu diesem Fall. (wüw)













Die größte Gefahr für Weide- und Haustiere sind immer noch falsche Haltung, Tierquäler oder der Straßenverkehr. Vielleicht sollte man erst an diesen Schrauben drehen, um Mißstände abzuschaffen, bevor man sich um den Wolf kümmert.
Aber mit Feindbild lebt es sich halt leichter.
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