Einfach Soul

"Yuppie-Vorzeigekünstler" oder "oberflächlicher Emotionen-Gaukler" - mit all diesen Attributen muss sich Simply-Red -Mastermind Mick Hucknall seit 1984 herumschlagen. Daran wird sich vermutlich auch mit "Blue Eyed Soul" nichts ändern.

Michael «Mick» Hucknall, Sänger und Gründer der britischen Band Simply Red.
von Autor MFGProfil

Steht das mittlerweile zwölfte Solowerk ganz in der Tradition dieser Crew mit stetig wechselnden Mitstreitern, die bis heute weltweit mehr als 50 Millionen Kopien verkauft hat. Hucknall hat diesen medialen Unmut nie verstanden, tut das bis heute nicht: "Ich habe immer nur die Musik gemacht, die mich wirklich interessiert hat", lamentierte er stets. "Dass ich als kleiner bleicher Junge ausschließlich große dunkelhäutige Idole hatte, kommt aus der frühen Erkenntnis, dass Schwarze einfach die leidenschaftlicheren Sänger sind. Sie machen schlicht ihren Job besser, das ist nun mal so. Natürlich hörte auch ich wie jeder anständige englische Teenager Led Zeppelin, die Rolling Stones oder Iggy Pop und ich fand sie alle ganz in Ordnung. Aber eine Gänsehaut nach der anderen erzeugten bei mir nur Leute wie Otis Redding, Sam Cooke oder Marvin Gaye. Meine Aufgabe seit Beginn meiner Karriere ist dementsprechend keine andere, als ebenfalls Gänsehaut zu vermitteln. Und ich weiß, dass mir das bei einer großen Menge von Leuten gelingt. Das sagen mir schon die Verkaufszahlen meiner Platten."

Mick Hucknall spricht beim Interview leise, aber energisch, seine Antworten sind präzise und intelligent. Der Mann mit dem legendären roten Haarschopf hat allen Grund, mit sich zufrieden zu sein. "Blue Eyed Soul" ist geradezu prädestiniert, einmal mehr ein Mega-Seller zu werden. Die Songs darauf verfügen über die richtige Mischung aus tief empfundenem Herzschmerz und einer gelegentlich allzu glatten Produktion, die dem Durchschnittshörer nahe geht. Mainstream also, wie er sein soll.

Ein guter Vater sein

Warum es stolze vier Jahre gedauert hat, ehe Simply Red mit einer neuen Platte aufwarten, ist rasch erklärt: "Ich bin 2007 Vater einer Tochter geworden", teilt Hucknall so stolz wie schmallippig mit. "Seit Romy True auf der Welt ist, wollte ich ein guter Dad sein, mich arbeitsmäßig möglichst zurücknehmen. Es ist auch interessant, dass ich umso weniger kreative Ideen habe, je glücklicher ich in meinem Privatleben bin..

Aber ich bin meiner Kleinen nicht undankbar dafür, dass ich wegen ihr teilweise unter Schreibblockaden leide. Ganz im Gegenteil, ich genieße das Leben als Bohemien. Aber jetzt ist es an der Zeit, wieder in die Öffentlichkeit zu gehen. Das bin ich meinen Millionen Fans schlicht und ergreifend schuldig. Sie haben mich schließlich zu dem gemacht, der ich heute bin."

Warum hat Hucknall die aktuelle Produktion "Blue Eyed Soul" genannt, will er sich damit in der Tradition vom ewigen "Blue Eyed Boy" Frank Sinatra verankert sehen? "Nichts gegen Frankie", ringt sich der so Befragte ein Lachen ab, "ich schätze seinen Sound wie seinen Status. Aber eigentlich habe ich diesen Terminus gewählt, um mich vor meinen durchgehend schwarzen Idolen zu verneigen. Es gibt nach wie vor Rassenkonflikte, die ich zutiefst verabscheue. Ich habe es als Künstler zeit meines Lebens vermieden, festgenagelt zu werden, was diese Rassen-Hysterie betrifft. Einen Artisten auf seine Hautfarbe zu reduzieren, ist für mich faschistoid. Ich bin ein Bleichgesicht. Und ich besitze eine Stimme, die durchaus einem echten Soul-Mann gehören könnte."

Soul Forever also, möchte man als Außenstehender meinen. Wobei, laut Hucknall: "Ich habe dieses Mal noch mehr als auf den letzten drei, vier Alben versucht, zu meinen absoluten musikalischen Wurzeln zurückzukehren. Schweißtreibendes Zeug demnach! Plötzlich habe ich heftigen Funk wiederentdeckt. Mal schauen, ob ich genügend Puste auf der Bühne kriege, wenn ich zu meinen neuen Songs tanzen möchte", lacht der inzwischen 59-Jährige. "Denn Live-Konzerte absolviere ich nach wie vor mit Leidenschaft. Im Oktober und November nächsten Jahres übrigens auch in Deutschland."

Ein Perfektionist

Trotz aller emotionaler Glut und der Lust auf Improvisation in den aktuellen Stücken gibt der Mann aus dem Norden Englands unumwunden zu, dass "ich bei der Arbeit Perfektionist bin", sagt er. "Außerdem glaube ich an die Kraft meiner sehr speziellen Stimme. Sie ist nach wie vor mein Hauptkapital. Um sie zu erhalten, habe ich zu rauchen aufgehört und trinke kaum Alkohol. Das ist der Einsatz, den es zu leisten gilt, wenn man das Bestmögliche aus seiner Kunst heraus holen möchte."

Das Cover des neuen Albums von Sänger Mick Hucknall und seiner Band Simply Red.
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