06.12.2019 - 11:57 Uhr
EnsdorfDeutschland & Welt

Bühnenkampf-Seminar: Prügeln für Fortgeschrittene

Die Kunst der Illusion will gelernt sein - von der Watschn bis zum Tritt in den Magen. Oberpfälzer Hobby-Schauspieler lernen, wie man so tut, als würde man sich prügeln - ohne sich dabei wehzutun.

Beim Bühnenkampf-Seminar mit Tamás Mester.
von Maria Oberleitner Kontakt Profil

Eine Schlägerei auf der Bühne bedeutet harte Arbeit. Konzentration, Choreographie, Körperspannung. 27 Hobby-Schauspieler aus 12 Oberpfälzer Vereinen und Theatergruppen - von Hirschau nach Oberviechtach bis Regensburg - sind ins Kloster Ensdorf gekommen, um sich gegenseitig publikumswirksam zu verhauen.

Sie wollen lernen, wie ein Bühnenkampf aussieht, damit er den Zuschauer mit schmerzverzerrtem Gesichtern hinterlässt - und nicht den Schauspieler. Ihre Erwartungen an den Workshop sind so unterschiedlich wie ihre Klamotten: Die ganze Bandbreite vom Trainingsanzug bis zu Jeans und Pullover ist vertreten.

Ihr Trainer: Tamás Mester. Bühnenkampf-Experte, Choreograph, Musicaldarsteller, Tänzer. Mester ist ein Energiebündel. Seine Bewegungen fließen, er lebt die Choreographie. Körpereinsatz ist das, was er fordert - schon beim Aufwärmen. Der Raum ist klein, schnell riecht man die Anstrengung. "Schnappt euch, wen ihr schon immer verhauen wolltet!" Es dauert kaum Minuten, bis er alle angesteckt hat. Bühnenkampf-Fieber.

Schwertkampf und Watschn im Video

Wichtig: der Winkel

"Bühnenkampf ist kein Schaukampf", sagt der 43-Jährige. "Im Idealfall entsteht nicht einmal Körperkontakt." Damit es trotzdem wie eine Prügelei aussieht, muss jede Bewegung choreographiert sein. Um die Illusion zu wahren, muss in erster Linie der Winkel stimmen. Nützt doch die beste Choreographie nichts, wenn das Publikum sieht, dass die Faust ins Leere getroffen hat. Die Sicherheits-Regeln sind schnell verinnerlicht: Augenkontakt halten, passiv angreifen und aktiv abwehren.

Beim Bühnenkampf-Seminar mit Tamás Mester.

Schläge wie in Zeitlupe

Erste Lektion: Watschn. So funktioniert's: Die ohrfeigende Hand schnellt am Gesicht des "Empfängers" vorbei, während der Geschlagene in die Hände klatscht und eine Hand zur gewatschten Backe führt. "Lasst uns prügeln!" Die Ohrfeigen fliegen regelrecht durch den Raum. Mester grinst. Bald wird scheinbar getreten, in den Magen geboxt und gekickt. Es stöhnt ächzt, klatscht, klopft, rumpelt und poltert - denn auch der Sound bei einem Treffer muss stimmen.

Und: Timing, Timing, Timing. "Für euch muss sich jeder Schlag wie in Zeitlupe anfühlen", sagt Mester. "Seid ihr zu schnell, sehen die Zuschauer gar nicht, was passiert." Der Trainer springt leichtfüßig von Paar zu Paar, verbessert hier die Haltung, dort den Abstand und reibt sich die Hände, wenn er mit den Schlägereien zufrieden ist. Für diesen Workshop ins Kloster Ensdorf geholt hat ihn Eva-Maria Eiberger. Die Oberpfälzer Laienspielbeauftragte organisiert im Auftrag des Bezirks Seminare für Theater-Amateure. Sie ist begeistert, mit welchem Eifer die Schauspieler bei der Sache sind. Der Ansporn, eine "echte Rauferei" - oder wenigstens eine Ohrfeige - ins nächste Stück einzubauen, ist groß.

Letzte Lektion: Schwertkampf - quasi Prügeln für Fortgeschrittene. Während der 43-Jährige die Schwerter verteilt, vergleicht er die Handhabung von Degen und Schwert mit Angel und Tennisschläger - wichtig: "Ein Schwert ist kein Hackebeil!" - erklärt Schritte, zeigt Bewegungen; und es kann losgehen. Schlag auf Schlag, Angriff, Parade, Angriff. "Nehmt euch Zeit, achtet auf eure Partner. Gefährlich wird es von alleine aussehen." Kante auf Kante, es klirrt. Wie Recht Tamás Mester doch hat. Video unter: www.onetz.de/

Beim Bühnenkampf-Seminar mit Tamás Mester.
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