06.08.2018 - 17:29 Uhr
ErbendorfDeutschland & Welt

Erbendorfer bei Supermarktbrand reanimiert

Roland Wellenhöfer hat am Wochenende Geburtstag gefeiert. Bisher tat er das im Juni. Doch als der Feuerwehrmann und Fotograf am Samstag beim Brand des Supermarkts in Wiesau zusammenbricht, bekommt er zum zweiten Mal sein Leben geschenkt.

Roland Wellenhöfer liest in der Zeitung nach, was da am Samstagabend tatsächlich passiert ist.
von Wolfgang Würth Kontakt Profil

"Was machen die Leute in meinem Schlafzimmer." Roland Wellenhöfer kann sich gut an seinen ersten Gedanken "danach" erinnern. Ein paar Sekunden später weiß er wieder: Die Leute über ihm sind keine Einbrecher, es sind seine Lebensretter. Denn er liegt nicht in seinem Bett, sondern auf einem Supermarktparkplatz. Wellenhöfer wird klar: "Die haben mich wiederbelebt."

Auch an fast alles andere kann sich der Erbendorfer bald wieder erinnern. Dass er als Presseberichterstatter zu einem brennenden Supermarkt in Wiesau angerückt war. Er weiß, dass er Fotos und Videos aus vier oder fünf Einstellungen gemacht hat. Zuletzt sah er das Feuer durch die offene Tür des Marktes im Sucher seiner Spiegelreflex-Kamera. "Als würde ich den Höllenschlund blicken", erinnert sich der 52-Jährige. Dann wurde ihm schwarz vor Augen "Ich habe noch versucht, mich an einem Feuerwehrauto abzustützen."

Wellenhöfer erzählt ruhig und sachlich. Dabei ist ihm bewusst, dass sein Leben in diesem Moment an einem dünnen Faden hing. Am Sonntagmorgen trägt Wellenhöfer auf seiner Facebook-Seite einen neuen Geburtstagstermin ein. "Ich habe am 4. August nun meinen zweiten Geburtstag." Das ist nicht übertrieben, tatsächlich hatte sein Herz zu schlagen aufgehört, der Kreislauf stand still. "Der Defibrillator hat mich zurück ins Leben geholt."

Kein Herzinfarkt

Die Reanimation klappt am Samstagabend so gut, dass Wellenhöfer direkt nach dem Aufwachen aufstehen will. "Ich habe mich nicht krank oder schwach gefühlt", erinnert er sich. Die Kameraden von der Feuerwehr müssen ihn mit sanftem Druck überzeugen, besser liegenzubleiben. Auch danach klappt alles wie aus dem Lehrbuch. Der Rettungsdienst bringt den Patienten ins Krankenhaus, in der Notaufnahme wird er durchgecheckt. Die Ärzte finden aber keinen Schaden, auch einen Herzinfarkt können sie nicht feststellen. Nur eines bereitet Wellenhöfer auch am Montag noch Schmerzen - eine angeknackste Rippe. Die Kameraden von Feuerwehr und Rotem Kreuz haben sie bei der Herzmassage beschädigt. "Das ist ein schöner Schmerz. Würde ich ihn nicht spüren, wäre ich tot." Tatsächlich ist Wellenhöfer sehr lebendig, von der Intensivstation aus ruft er wenige Stunden nach dem Herzstillstand die Familie an und nimmt ihr die schlimmste Sorge.

Das Video zum Brand

Mehr Bewegung

Auf der Intensivstation liegt Wellenhöfer auch am Montag noch. "Zur Vorsorge und Überwachung. Die Ärzte wollen wissen, was den Vorfall ausgelöst hat." Darüber macht er sich selbst Gedanken, erklären kann sich Roland Wellenhöfer den Vorfall nämlich nicht. "Ich kam gerade aus dem Urlaub." Akuter Stress scheide als Ursache aus. Vorerkrankungen gab es nicht und auch der Brand in Wiesau komme als Ursache nicht in Frage. "Ich stand hinter der Absperrung. Von Hitze und Rauch habe ich gar nichts mitbekommen." Die Ursache liegt für ihn wie für die Ärzte noch im Dunkeln.

Fest steht dagegen, dass sich im zweiten Leben etwas ändern soll. "Ich werde nicht zum Asketen." Sich mehr zu bewegen, nehme er sich schon länger vor, nun möchte er den Vorsatz in die Tat umsetzen: Spaziergänge und Foto-Wanderungen sollen den Kreislauf des Hobby-Fotograf stärken. Und noch etwas hat sich Wellenhöfer ganz fest vorgenommen: Sich persönlich bei seinen Lebensrettern bedanken. Noch wisse er gar nicht, wem er sein Leben verdankt. Aber er sei sicher, am Samstag war er in allerbesten Händen. "Es kann keinen besseren Ort für so einen Vorfall geben." Am Samstag war er umringt von bestens ausgebildeten Aktiven von Feuerwehr und Rotem Kreuz. "Was wäre, wenn es passiert, und ich sitze alleine in meinem Garten."

Roland Wellenhöfer im Krankenhaus in Weiden. Es geht ihm gut, nicht nur den Umständen entsprechend.

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