17.12.2018 - 17:42 Uhr
ErbendorfDeutschland & Welt

Förster gibt Tipps: So wird auch der Christbaum öko

Mehr „Multikulti“ fürs Weihnachtsfest: Johannes Bradtka, Chef des Naturschutzvereins VLAB, fordert mehr Baum-Vielfalt in den Oberpfälzer Wohnzimmern. Denn die Öko-Bilanz der Nordmanntanne ist nicht gut.

Ein kahler Laub- als Christbaum.
von Wolfgang Würth Kontakt Profil

Johannes Bradtka ist es gewohnt, Minderheitenmeinungen zu vertreten. Der Vorsitzende des Vereins für Landschaftspflege und Artenschutz in Bayern (VLAB) weist mit seinen Mistreitern oft auf Fehlentwicklungen bei der Energiewende hin. Jetzt nimmt sich der einzige in der Oberpfalz beheimatete Naturschutzverein einen anderen Liebling der Deutschen vor: "Warum muss es immer die Nordmanntanne sein", fragt der VLAB in einer Pressemitteilung. "Warum nicht eine schöne Douglasie, eine Fichte, Kiefer?

70 bis 80 Prozent der 23 Millionen in Deutschland verkauften Bäume seien Nordmanntannen. Die Vorzüge seien auch kaum zu übersehen: "Die Bäume haben einen geraden, pyramidenförmigen Wuchs, etagenweise angeordnete, fast waagrechte Äste, die man bequem schmücken kann, sie piksen nicht und nadeln kaum." Allerdings gebe es auch gute Gründe gegen den Baum: "Die Produktion von Nordmanntannen ist alles andere als umweltfreundlich und sozialverträglich. Die meisten Bäume kommen aus Dänemark, wo sie mit großen Mengen von Pestiziden behandelt werden", erklärt der VLAB. "Teilweise werden die Bäume im September geschlagen und dann mit viel Chemie haltbar gemacht", ergänzt Bradtka. Das Saatgut stamme aus den Ursprungsregion der Bäume. "Um sie zu ernten, klettern schlecht bezahlte Pflücker im Südkaukasus auf 30 Meter hohen Bäume und riskieren ihr Leben."

Dabei liege das Gute nah: "Unsere Wälder sind voller junger Fichten und Kiefern, die oft in Durchforstungsaktionen herausgesägt werden müssen, weil sie den Aufwuchs der anderen Bäume behindern", sagt Bradtka. Man müsse sich aber auf "echte Natur" gefasst machen: "Diese Bäume sind meist nicht so kerzengerade und wohlgeformt wie gezüchtete Nordmanntannen. Dafür besitzen sie viel mehr Charakter. Und öko sind sie ganz von allein."

Ein erster Schritt wäre ein Baum eines regionalen Anbieters. "Die sind sicher nicht hunderte Kilometer transportiert worden." Weil die Bäume später geschlagen werden, bleiben sie länger grün. "Leider sieht man nicht, wann ein Baum gefällt wurde und wann er Nadeln verliert."

Und auf welchen Baum setzt der Förster Bradkta privat? "Auf keinen", sagt der Naturschützer. "Bei mir zu Hause gibt es eine Krippe, die ich von meinem Großvater geerbt habe." Dazu dekoriere er mit Zweigen und Ästen aus dem winterlichen Wald. "Ich schneide die Streu von gefällten Bäumen. Das darf jeder", erklärt Bradtka. Bei verwurzelten Bäumen sei das anders. "Da ist es verboten, man kann dabei auch viel Schaden anrichten." Deshalb sollte man vorher mit dem Waldbesitzer sprechen.

Der Gang zum Erzeuger ist überhaupt Bradtkas Tipp, wenn es doch ein Baum sein soll. "Einfach den Waldbauern im Ort fragen." Dann kann man sicher sein, dass der Baum frisch und aus der Region ist. Und gespritzt werden diese Bäume auch nicht. Welcher Sorte es konkret ist, sei dann nicht mehr so wichtig. Gegen Fichten sprechen die piksenden Nadeln, die meist schnell abfallen. Kiefern sind aufgrund ihrer speziellen Wuchsform und ihrer büschelförmigen Benadelung schwer zu schmücken.

Bradtkas Geheimtipp: die Douglasie. Wegen des Klimawandels spielt der amerikanische Baum in Oberpfälzer Wäldern eine immer wichtigere Rolle. "Sie hat weiche Nadeln, die lange halten, ganz ähnlich der Nordmanntanne", sagt Bradtka. Und die Douglasie sogar einen Vorzug: "Sie duftet wunderbar." Bradtka kann sich aber auch einen ganz anderen Baum vorstellen: "Wieso nicht eine winterkahle Birke?" Dann könne man sich beim Schmücken richtig verwirklichen.

Johannes Bradtka

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