28.08.2019 - 18:10 Uhr
ErbendorfDeutschland & Welt

Der Habichtskauz kehrt heim: VLAB wildert sieben Jungtiere aus

Zum dritten Mal haben Tierschützer in Nordbayerns Wäldern junge Habichtskäuze ausgewildert. Schritt für Schritt kommen sie so ihrem Ziel näher: Der fotogene Vogel soll nach bald 100 Jahren in seine alte Heimat heim kehren.

von Wolfgang Würth Kontakt Profil

Endlich frei: Der Verein für Landschaftspflege und Artenschutz in Bayern (VLAB) hat Ende Juli sieben junge Habichtskäuze in den Wäldern rund um Erbendorf ausgewildert. Nach der dritten Saison des deutschlandweit einmaligen Projekts hat der Verein insgesamt 18 Eulen in die Freiheit entlassen. Ziel des VLAB ist, den in den 1920ern in Nordostbayern ausgestorbenen Vogel in die Region zurückzuholen.

Mit dem Öffnen der Volieren am 25. Juli habe sich die Arbeit aber nicht erledigt, erzählt Michaela Domeyer. Nach wie vor bieten die Helfer den Tieren Futter an. "Die Tiere kommen noch regelmäßig zu den Volieren zurück", berichtet die VLAB-Naturschutzreferentin. Auch wenn die Tiere in freier Wildbahn aufwachsen, entfernen sich junge Käuze nur nach und nach vom Geburtshorst. Die Elterntiere füttern zu, bis die Jungen rund ein halbes Jahr alt sind und genug Jagderfahrung besitzen, um sich selbst zu ernähren.

"Mäuseburg" zum Üben

Mit dem Ablauf der Projektsaison ist Domeyer zufrieden. Es sei alles wie geplant abgelaufen, seit die Tiere Ende Juni aus dem Opel Zoo im Taunus, dem Nationalpark Bayerischer Wald und der Greifvogelstation Hellenthal in der Eifel in die Oberpfalz gebracht wurden. Zuvor hatten die Jungtiere mehrere Wochen bei ihren Eltern verbracht. Aufgeteilt auf zwei Volieren gewöhnten sich die Jungtiere an die neue Umgebung. Vor allem sollten die Tiere jede Bindung zum Menschen verlieren. Gefüttert wurde sie deshalb über spezielle Vorrichtungen, so dass sie Futter künftig nicht mit Menschen verbinden. Außerdem gab es in den Volieren sogenannte "Mäuseburgen". Getreide und Stroh lockte die Nager an, so dass die jungen Eulen das Jagen üben konnten.

Seit die Tiere in Freiheit leben, erhält der VLAB regelmäßig Rückmeldungen von Naturfreunden. Dies sei wichtig, weil dies Aufschluss gebe, wo sich die Tiere aufhalten. Domeyer hofft, dass der Verein im nächsten Jahr Jungtiere mit Telemetriesendern ausstatten kann. Dies würde noch genaueren Aufschluss über das Wanderverhalten der Vögel geben.

Weitere Nistkästen

Bis es im kommenden Jahr so weit ist, haben die studierte Forstwirtin und ihre Helfer genug zu tun. Um der Vogelart die Rückkehr in die alte Heimat zu erleichtern, wird der VLAB weitere Brutkästen in den Wäldern Nordbayerns anbringen. 180 der großen Kästen hängen dort bereits. "Noch gibt es zu wenige Altbäume und Baumstümpfe, die den Tieren natürliche Brutmöglichkeiten bieten", erklärt Domeyer dies. Damit die Tiere leichter Beute machen können, werden kleine Freiflächen in den Wäldern geschaffen.

Ziel bleibt, eine Population in der Region zu schaffen, die sich selbst trägt. Im Idealfall gelingt es, eine Verbindung zu jener Habichtskauz Population herzustellen, die es noch im Bayerischen Wald gibt. Bis dahin sei es allerdings ein weiter Weg. Ein Zwischenziel dorthin wäre, dass die ausgewilderten Käuze Jungtiere ausbrüten. In vergleichbaren Projekten habe dies drei bis sieben Jahre gedauert. In Nordbayern gebe es seit Anfang 2019 Hinweise, dass zwei der ausgewilderten Tiere ein eigens Revier "bezogen" haben. Der nächste Schritt wäre dann die Brut.

Am 7.September:

Der Habichtskauz "zwischen Spessart und Karwendel"

Mit einer Größe von rund 60 Zentimetern und einer Spannweite von 120 Zentimetern ist der Habichtskauz der größte Kauz Mitteleuropas. Das Tier gilt als Leitart, seine Rückkehr würde auch die Lebensbedingungen anderer Arten begünstigen. Weil sich der Eulenvogel praktisch ausschließlich von Mäusen ernährt, sind keine Konflikte mit Vieh- oder Fischzüchtern zu befürchten. Die BR-Sendung "Zwischen Spessart und Karwendel" berichtet am 7. September in einem Beitrag über den Vogel und das VLAB-Projekt..

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