20.02.2019 - 20:56 Uhr
ErbendorfDeutschland & Welt

Keine Freude über Erfolg des VLAB

BUND- und Greenpeace-Funktionäre reagieren mit Kritik auf Anerkennung als Umwelt- und Naturschutzverein

Habichtskäuze sind das Aushängeschild des VLAB
von Wolfgang Würth Kontakt Profil

Mit wenig Freude haben zwei andere lokale Naturschutzvereine über die bundesweite Anerkennung des Vereins für Landschaftspflege und Artenschutz (VLAB) als Umwelt- und Naturschutzverein durch das Umweltbundesamt reagiert. Sowohl Jürgen Holl vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) als auch Ali Daniel Zant von der Weidener Greenpeace Ortsgruppen reagierten mit Erklärungen auf dem Artikel in unserer Zeitung.

Holl betont dabei vor allem die aus seiner Sicht eindimensionale Ausrichtung des VLAB. "Der VLAB ist zwar als Naturschutzverband anerkannt, deckt aber nur einen Bruchteil dessen ab, was der BN (Landesverband des BUND) schon in den 70er und 80er Jahren aufgegriffen hat", schreibt Holl. Und er geht noch weiter: "Mit Umweltschutz hat der VLAB nämlich überhaupt gar nichts am Hut. Unter dem Deckmantel des Artenschutzes verbirgt sich ein Verein, der in erster Linie Windkraftanlagen verhindern will." Energiewende-Kritiker ohne Ideen "für eine nachhaltige Energiegewinnung" findet Holl aber unglaubwürdig.

Holl kritisiert unter anderem fehlendes VLAB-Engagement beim Volksbegehren zum Artenschutz oder eine Stellungnahme zum geplanten Gewerbegebiet Weiden-West IV? Dass sich entsprechende Veröffentlichungen auf den Seiten des VLAB finden, ignoriert Holl, und zielt lieber tief: "Hätte es den VLAB vor 40 Jahren schon gegeben, hätte er sich vermutlich auch beim Protest gegen Wackersdorf nicht in die vorderste Reihe gestellt."

Vehement geht Holl gegen die Sicht vor, der BUND handle aus wirtschaftlichen Interessen heraus und nicht alleine zum Wohle der Umwelt. "Der BUND finanziert sich ausschließlich aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden und ist politisch wie wirtschaftlich unabhängig und daher auch niemandem verpflichtet." Als der inzwischen verstorbene VLAB-Ehrenpräsident Ennoch zu Guttenberg eine enge Verbindung zwischen BUND und Windkraftindustrie behauptet hatte, reichte der BUND tatsächlich Klage gegen die Aussage ein, zog diese aber kurz vor Prozesstermin zurück. Zu den Gründen für den Gesinnungswechsel gab es damals von der BUND-Führung keine Erklärung.

Verglichen mit Zant, fällt Holls Kritik sachlich und zurückhaltend aus. Weidens Greenpeace-Vorsitzender hält sich nicht mit Argumenten auf. Er stellt lediglich fest, dass der VLAB ein "nicht wirklich relevante Verein" ist, den er noch nebenbei in die Nähe der AfD rückt und pauschal als "Klimaleugner" bezeichnet. Quellen und Belge für diese Behauptungen bleibt Zant schuldig

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

A. Schmigoner

Es war sicher nicht die beste Idee von Oberpfalzmedien, Wolfgang Würth, der bereits zahlreiche Jubelartikel über den VLAB verfasst hat, einen rotzigen Bericht über die Kritiker des Verbandes formulieren zu lassen. Man sollte voraussetzen, dass sich Journalisten und Redakteure ihrer Verantwortung bewusst sind und unvoreingenommen, deeskalierend, faktentreu und unparteiisch berichten. Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache, auch nicht mit einer guten‘ (Hajo Friedrichs).“
Ich verfolge den VLAB mit seinem Habichtskäuze-Projekt bereits seit seiner Gründung und hatte bereits Beitrittsformulare für die ganze Familie zu Hause liegen. Ich habe sie inzwischen entsorgt, nachdem mich die eigentliche Zielrichtung des Verbandes und die weit klaffende Schere zwischen Anspruch und Wirklichkeit stutzig machten. Der VLAB-Vorsitzende Johannes Bradtka gibt in einer Pressemitteilung vor, der Verband verhalte sich "parteipolitisch neutral", um sich anschließend in der Stellungnahme zum Volksbegehren über die Unterstützung der Partei „Die Linke“ zu mokieren. Ebenfalls auf der Homepage des VLAB finden sich Aussagen wie Grünen-MdL „Stümpfig sollte tunlichst den Mund halten“. „Doch die wahren Totengräber der Landschaft sind die GRÜNEN“. "Die GRÜNEN neigen zum Verbot" usw.
Die Nagelprobe in Sachen Glaubwürdigkeit war für meinen Freundeskreis, wie sich der VLAB zum Volksbegehren "Artenvielfalt & Naturschönheit in Bayern“ positionieren würde. Der Vorsitzende findet in seiner Bewertung „Viel Gutes“, schränkt aber gleichzeitig ein, dass „Wichtiges fehlt“. Eine eindeutige Unterstützungsempfehlung des VLAB für das Volksbegehren, das trotz einiger Defizite deutliche Verbesserungen für die Artenvielfalt bringen würde, findet man vergebens. Und das bei einem Verein, der in seiner Satzung als Verbandsziel „Artenschutz und Biodiversität“ angibt und sogar Artenschutz im Namen trägt? Nagelprobe leider nicht bestanden. Einen Verein, der sich nicht um seine satzungsmäßigen Ziele kümmert und sich stattdessen für landschaftfressenden Kohlestrom einsetzt (St.-Florians-Prinzip) braucht niemand.

23.02.2019
Maria Estl

A. Schmigoner, Sie treffen den Nagel auf den Kopf. Danke für Ihre klaren Worte. Ich wurde auf Ihren Beitrag aufmerksam, als er heute neben meinem online Kommentar auf der Leserseite des NT abgedruckt war. Mein Kommentar bezog sich auf die erste Verlautbarung des VLAB "Erste Liga". Parteipolitisch neutral ist der VLAB keinesfalls, er nahm erheblichen Einfluss darauf, die 10H Regelung ins Gesetz zu bringen.

26.02.2019
Peter Zydek

Ich finde es unerträglich wie sich Onet bzw. "Der Neue Tag" ein weiteres mal vor den VLAB-Karren spannen lassen.
Neben dem Bemühen um sprachliche Qualität eines Artikels sollten sich Onet-Redakteure in den Zeiten nach Claas Relotius vermehrt um einen ehrlichen, reflektierten und sachlichen Schreibstil kümmern. Aufgrund der falschen Tatsachenbehauptungen des Hrn. Wolfgang Würth scheint es wohl hintergründig darum zu gehen den VLAB in einem positiveren Licht erscheinen zu lassen - gleichwohl, verdient hat er das nicht. So bleibt der Verfasser z.B. den Nachweis schuldig wo denn der VLAB aktiv für das Volksbegehren zum Artenschutz geworben hat. Ich kann auf deren Seiten, anders als im Artikel behauptet nichts finden! Die im Verhaltenskodex von Onet festgelegten Regeln wie z.B. "2. Respekt und Höflichkeit" (Link: https://www.onetz.de/verhaltenskodex/) scheinen für den Verfasser nicht zu gelten wenn er seinen Interviewpartnern offensichtlich falsche Zuweisungen macht. Seriös sieht bei mir irgendwie anders aus!

21.02.2019
Ali Zant

Ich weise die in diesem Artikel gemachten Vorwürfe zurück. Ich habe dem verantwortlichen Redakteur Hr. Wolfgang Würth Zitate des VLAB vorgelegt die von deren FB Seite stammen. Die meisten Stellungnahmen des VLAB in Bezug auf den Klimawandel kann man 1:1 im afD Programm finden. Hier ein aktuelles Beispiel: „Ein großer Erfolg: Weniger für die Artenvielfalt, viel mehr für die Grünen und die ÖDP. Die ÖDP möchte in die Parlamente einziehen und braucht Publicity. Ziel der Grünen ist, einen Systemwechsel herbeizuführen. Eine Ökorepublik mit vielen Verboten und genau definierten Verhaltensregeln für jeden Einzelnen soll entstehen. #Artenschutz und #Bienen dienen nur als Vorwand.“ Ich bleibe dabei: Der VLAB ist ein irrelevanter Verein der nur existiert um die Energiewende zu sabotieren. Es werden mehr Vögel jährlich durch den Straßenverkehr getötet als durch Windräder. Wer dies als Argument anführt ist als Naturschützer nicht ernst zu nehmen. Der Titel des Artikels ist irreführend. Es gibt keinen Erfolg des VLABs über den man sich freuen könnte. Hier noch ein Link zum Thema: http://www.vernunftkraft-hessen.de/wordpress/2017/09/08/afd-fordert-schluss-mit-klimaschutz-und-schluss-mit-der-energiewende/?fbclid=IwAR0-m4ZeCsMIAeQc9H7XVrqC9R6130diNR6HTzHAEVedZVH0r3KCdg3n-yM Und hier Positionen des VLAB:
In seinem "Positionspapier Energie" vom 29.10.2015 zeigt der VLAB, was er von der Energiewende hält: gar nichts: "Der Ausbau von Erneuerbaren Energien ist ohne erkennbaren Nutzen und führt zwangsläufig zu erheblichen Eingriffen in den Natur- und Lebensraum von Mensch, Tier- und Pflanzenwelt." (S. 7)

Energiewendebefürworter werden als "Fantasten und Profiteure" bezeichnet (S. 9). Sowohl Wind- als auch Solarenergie werden kategorisch abgelehnt. Kohleverstromung wird als Mittel zur Grundlastversorgung akzeptiert. Atomkraft wird als CO2 freie Energie bezeichnet, deren Ende in Deutschland man offensichtlich bedauert, der Nutzen einer CO2-Reduzierung für den Klimawandel wird in Frage gestellt (S. 8).

21.02.2019